



Spenden, die waren schon Anfang des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Baustein um große Kunst zum Leben zu erwecken auf der Mathildenhöhe. Angefangen beim Großherzog Ernst Ludwig, dem Initiator und Geldgeber dieses ambitionierten Projekts, bis zur künstlerischen Ausgestaltung des Platanenhains für die Ausstellung von 1914, die durch Spenden von Kunstfreunden aus Frankfurt und Wuppertal-Elberfeld finanziert wurde. Eine Tradition, die sich bis in unsere Tage erhalten hat. Die Spendenkultur auf der Mathildenhöhe ist ungebrochen! Die Sanierung vieler Objekte auf dem Gelände der UNESCO-Welterbestätte, das ein einzigartiges Ensemble aus Architektur, Skulpturen und Gärten bildet, wurden mit der finanziellen Hilfe und Unterstützung einzelner Menschen und Institutionen realisiert. Dafür wollen wir ihnen mit dieser neuen Rubrik einmal „Danke“ sagen.
Den Anfang macht Heidi Kriegbaum, die schon seit rund 50 Jahren Führungen zu und durch Darmstadt konzipiert und anbietet, und sich außerdem seit langem beim Verein Freunde der Mathildenhöhe engagiert, in dessen Vorstand sie auch noch mit über achtzig Jahren als Beirätin aktiv ist. Auch räumlich ist sie der Mathildenhöhe ganz nah: Mit ihrer Penthouse-Wohnung im obersten Stockwerk des Neufert-Baus in der Pützerstraße hat sie den Logenplatz schlechthin und einen der atemberaubendsten Ausblicke auf den magischen Hügel.

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Na, erkennen Sie in dem historischen Bild, der Schwarz-Weiß-Aufnahme unten, die tierischen Gestalten auf den Säulen oben wieder? Ja, genau, das sind die sechs Löwen, die heute von den Backsteinsäulen am Eingang zur Rosenhöhe hinunterbrüllen. Die „niesenden Igel“, so ihr Spitzname, thronten mit ihrer stacheligen Mähne 1914 über dem Eingang zur letzten Ausstellung der Künstlerkolonie Mathildenhöhe. Sie waren Teil eines monumentalen Eingangsportals zum Ausstellungsgelände, das der leitende Architekt Albin Müller damals am Nicolaiweg vor dem südlichen Eingang zum Platanenhain und vor dem Lilienbecken mit seiner dahinter liegenden Russischen Kapelle positionierte und mit Kassenschaltern versah. Bei seinem Entwurf arbeitete er mit dem Bildhauer Bernhard Hoetger zusammen, Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie wie er, der zeitgleich den Platanenhain mit rund 70 Plastiken ausschmückte.
Doch mit Bernhard Hoetgers Arbeit war Albin Müller dann gar nicht zufrieden, wie seinen Ende der Dreißiger Jahre verfassten Lebenserinnerungen deutlich zu entnehmen ist:
<< Ich hatte für die hochstehenden sechs Löwen je zwei wuchtige Doppelsäulen aus mächtigen Kunststeintrommeln aufgebaut. Als endlich in letzter Stunde die Löwen geliefert wurden, zeigte es sich, daß sich Hötger hierbei weder an meine Angaben, noch an die festgesetzten Maße gehalten hatte. Die massiven, mächtigen Löwenplastiken waren deshalb für meine Säulen viel zu schwer und stören das reine Maßverhältnis meines Säulenunterbaus ganz empfindlich. Darum habe ich bei dem späteren Aufbau auf der Rosenhöhe die sechs Doppelsäulen verworfen und statt deren sechs Pfeiler aufgemauert, die zu den Maßen der Löwen nun im rechten Einklang stehen. >>
Die „niesenden Igel“ der Rosenhöhe: Löwenhochsitz weiterlesen


Es ist der „Aufbruch in die Moderne“, der hier, und nur hier, auf der Mathildenhöhe Darmstadt wie in einer Zeitkapsel, die vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 reicht, beobachtet werden kann. Das, und nicht der Jugendstil allein, macht sie für die UNESCO und die Menschheit so einzigartig. Ein wichtiger Baustein, wenn man so will Schlussstein des historischen Bogens, bildet die Ausstellung der Künstlerkolonie von 1914. Es sollte ihre letzte sein – und all zu viel blieb nach der Darmstädter Brandnacht von 1944 auch nicht mehr von ihr übrig. Das Ateliergebäude von Albin Müller ist heute als einziges bauliches Relikt der Miethausgruppe von 1914 noch zu sehen, die sich einst den kompletten oberen Olbrichweg entlangschwang. Gibt es wirklich nicht mehr aus dieser Zeit zu entdecken?
Doch! Denn mit dem Ateliergarten vor dem Gebäude blieb auch ein Stück moderner Gartenkunst von 1914 erhalten. Die städtische und hessische Denkmalpflege hat diesen Garten nach vielen Jahrzehnten wiederentdeckt und letztes Jahr zum UNESCO Welterbetag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Vor allen Dingen mit dem Bau des neuen Besucherzentrums am Osthang, das vor Ateliergebäude und -garten nun eine große Freifläche vorsieht, werden beide bald verstärkt im Blickpunkt stehen. Lassen wir also jetzt schon Mal den Blick schweifen ins grüne Carrée, auch zurück in seine Vergangenheit zu Zeiten der Künstlerkolonie Darmstadt.
Was von 1914 noch übrig blieb: ein Ateliergarten! weiterlesenAlles wurde unaufhörlich teurer, 1922 wohlgemerkt. Auch für Albin Müller, den letzten leitenden Architekten der Künstlerkolonie Darmstadt, der spürbar unter den Folgen der galoppierenden Inflation vor hundert Jahren litt. Das Honorar, eben noch ausgehandelt mit seinen Auftraggebern, war nach Fertigstellung seiner Entwürfe kaum noch etwas wert. Nur mühsam hielt er sich und seine Famile noch über Wasser. In seiner Autobiographie „Aus meinem Leben“ erinnert sich der Künstler viele Jahre später, dass die Preise aller lebensnotwendigen Materialien Anfang der Zwanziger Jahre so hoch stiegen, „daß die meisten Deutschen sie nicht zahlen konnten. So war es auch mit dem Holz. Es wurde so teuer, daß viele die Kosten für den Sarg ihrer Verstorbenen nicht mehr aufbringen konnten. In den Großstädten wurde vielfach ein Sarg nur als A[t]trappe zur Aufbahrung benutzt, der Tote aber ohne Sarg beerdigt.“
Da kam ihm eine Geschäftsidee.
Not macht erfinderisch: Albin Müllers Billigsärge weiterlesenDiese Notlage brachte mich auf den Gedanken, eine Sargform zu schaffen, bei dem nur ein ganz geringes Quantum Holz als dünnes Leistengestell gebraucht wurde, das übrige aber aus Papierfaserstoffgewebe – Ersatz für Leinwand – bestand. #/# (Albin Müller, S. 161)
Unglaublich schön – auf immer vergangen: das Gartenparadies, das Albin Müller 1908 für den Osthang zauberte. Um ein zentrales Wasserbecken gruppierten sich damals terrassenförmige Beete, die in das abschüssige Gelände eingelassen waren. Viel Sonne von Süden gab es für das üppig blühende Grün, für die Seerosen im Teich, für die großen Kübelpflanzen, für die Pergolen mit ihren hoch rankenden Blumen, die sich die gesamte Rückfront entlang zogen. Es war eine fast schon mediterrane Anlage mit den vielen Treppen und den in Stein gefassten und geliederten Ebenen. Zu diesem Eindruck trug auch die luftige Ladengalerie mit ihren schlanken Säulen bei, deren Oval sich markant zur Straße hervorschob.
Dieser Garten war 1908 eine entzückende Oase im großen Treiben der Ausstellung. Und zum Glück können wir heute noch ein wenig teilhaben an dieser einzigartigen Atmosphäre, die für einen Sommer auf dem Osthang der Mathildenhöhe erblühte. Der Digitalisierung und dem Institut Mathildenhöhe sei Dank ist der historische Katalog von Albin Müller zu seinen Entwürfen seit Herbst 2021 öffentlich zugänglich. Eine Zeitreise in acht Bildern:
Der Osthang 1908: Ein Traum von einem Garten weiterlesen
Wäre es nach Albin Müller gegangen, sähe es auf der Mathildenhöhe heute in etwa so aus wie auf diesem Bild: Im Hintergrund erkennt man gut den Hochzeitsturm links sowie das Ausstellungsgebäude mit seinem Pyramidendach rechts. Doch was ist das im Vordergrund? Das hochaufragende Gebilde in der Mitte? Was sollen die Laubengänge und die Gebäude mit den Kuppeldächern? Und – wo ist eigentlich der Platanenhain?
Der ist weg! Der altehrwürdige Hain, erst zur Ausstellung von 1914 mit den Plastiken Bernhard Hoetgers bereichert, musste im Entwurf, den der Chefarchitekt der Künstlerkolonie 1919 als Federzeichnung aufs Papier brachte und kolorierte, weichen. Stattdessen findet sich an dieser Stelle ein quadratisch angelegter Platz und in dessen Zentrum ein Denkmal zu Ehren des Großherzogs Ernst Ludwig. Nicht auszudenken, wenn er in die Realität umgesetzt worden wäre. Dann wären die Platanen des altehrwürdigen Hains, die zur Zeit die besondere Aufmerksamkeit aller Freunde der Mathildenhöhe genießen, schon vor hundert Jahren Vergangenheit gewesen.
Albin Müller konnte sich hier nicht durchsetzen, wie mit vielen seiner städtebaulichen Entwürfe für die Mathildenhöhe oder etwa das Woogsviertel, die er nach dem Ersten Weltkrieg machte. Er, der der großherzoglichen Familie bis zu den dramatischen Ereignissen von 1937 immer aufs Engste verbunden blieb, stieß beim „Freund und Schirmherrn seiner Künstler“ wie es in der Unterschrift steht, mit seiner Idee eines Ehrendenkmals auf keine Reaktion. Der hatte 1919 im republikanisch werdenden Deutschland vermutlich auch andere Sorgen.
Ein hohes Zeichen des Dankes: Visionäres von der Mathildenhöhe weiterlesen
Eine Gemeinschaft gleichgesinnter Kreativer, ein freundschaftlicher Zusammenschluss unter Künstlern – daran denkt man wohl zuerst bei einer Künstlerkolonie. So ging es auch Albin Müller als er dem Ruf von Großherzog Ernst Ludwig folgte, von der Magdeburger Kunstgewerbeschule an die Mathildenhöhe wechselte und dort zum 1. Oktober 1906 neues Mitglied der Künstlerkolonie Darmstadt wurde. Doch – „meine Hoffnungen und Bemühungen schlugen von Anfang an und in der ganzen Folgezeit fehl.“
Ich hatte in weltfremder, idealistischer Auffassung von einer harmonischen Künstlergemeinde, von reger gegenseitiger Anregung, von einem Eintreten füreinander geträumt, und sah mit Trauer, daß sich davon nichts in der realen Welt verwirklichen ließ.
Künstler sind mehr als andere Menschen Individualisten. Sie müssen es sein um des persönlichen Ausdrucks ihrer Kunst willen. So platzen in ihren Reihen die Meinungen und Anschauungen stärker aufeinander als in anderen Berufsgruppen.
Von der ersten Generation der Darmstädter Künstlerkolonie existieren Briefe aus der Feder Joseph Maria Olbrichs, die tiefe Einblicke in die Zerrissenheit der Ausstellungsmacher von 1901 geben, insbesondere in Bezug auf das Verhältnis des Architekten zu Peter Behrens. Für die Zeit von Albin Müller, dem Nachfolger und zweiten Chefarchitekten der Künstlerkolonie, verfügen Historiker ebenfalls über ein sehr persönliches Dokument: seine viele Jahrzehnte später, Ende 1939, verfasste Autobiografie „Aus meinem Leben“.
Aufschlussreich: Albin Müllers Autobiografie weiterlesenHolz ist ja nicht gerade das Baumaterial, das einem als erstes einfällt, wenn man an die großen Würfe und Entwürfe der Künstlerkolonie denkt. Farbig glasierter Backstein, Klinker und Beton, damit haben die Architekten der Darmstädter Mathildenhöhe Zeichen gesetzt bei ihrem Aufbruch in die Moderne. Aber mit Holz?
Dabei ist der Künstlerkolonie gerade mit Holz ein absolut wegweisender Entwurf gelungen. Nur: Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Denn es war ein temporäres Gebäude, zeitlich befristet für die Ausstellung aufgebaut, das den Besuchern zeigte, was mit diesem Material alles machbar ist und wie gut Holz sich zur Vorfabrikation und schnellen Montage von Häusern eignet. Albin Müller, früherer Tischlermeister und Möbelgestalter, war der Holzexperte unter den vier Architekten der Künstlerkolonie, und für die Ausstellung von 1914 hatte er sich als deren Leiter etwas ganz besonderes ausgedacht: ein zerlegbares Ferienhaus.



Jetzt müssen wir ihm doch noch ganz schnell gratulieren zum runden Geburtstag. Denn vor genau 150 Jahren, am 13. Dezember 1871, wurde Albin Müller in einem Dorf im sächsischen Erzgebirge geboren. Und wenn wir nicht mitten in der vierten Corona-Welle wären, dann hätte das Institut Mathildenhöhe zur Feier des Tages heute, an einem Montag, seine Pforten ausnahmsweise ihm zu Ehren geöffnet. Es hätte ein Sonderprogramm gegeben, mit speziellen Führungen, mit herausragenden Rednern und vielen Vorträgen rund um die aktuelle Ausstellung im Ernst Ludwig-Haus, die dieses Jahr auch wegen des Jubiläums ausschließlich ihm und seinem reichen Werk als Architekt, Gestalter und Lehrer gewidmet ist.
Doch es sollte nicht sein – und irgendwie ist das fast schon wieder symptomatisch für Albin Müller, dem leitenden Architekten der späteren Darmstädter Künstlerkolonie und der Ausstellungen von 1908 bis 1914: der soviel gestaltet hat auf dem berühmten Hügel und von dem nur noch so wenig erhalten ist. Für die Mathildenhöhe ist er mindestens genauso bedeutend wie Olbrich oder Behrens, doch stand er immer in beider Schatten. Dabei war er ein ausgesprochen innovativer Geist, vor allen Dingen im Holzbau, wo er früh schon mit Fertigbauelementen experimentierte. Ob Tiny House oder Home Office im Ateliergebäude – vieles von den heute modernen Wohnraumkonzepten kann man bei Albin Müller schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden.
150 Jahre Albin Müller: Happy Birthday, Meister! weiterlesen
Die Schakalsvasen vom Platanenhain – das ist doch das passende Motiv für den Monat November mit seinen vielen Feiertagen zum Totengedenken. Denn diese beiden Tiere, die mit ihrer spitzen Schnauze und den langen Ohren so neugierig über den Rand des Gefäßes schauen, sind an dieser Stelle des Monumentalkunstwerks ein sinnbildlicher Ausdruck für den Übergang in das Totenreich. Bildhauer Berhard Hoetger zitiert in diesem Objekt aus Gussstein das alte Ägypten, in dem Anubis, der Gott der Todesriten und der Mumifizierung, in Gestalt dieser Wüstentiere dargestellt wurde. Schakale gelten in vielen Kulturkreisen als Begleiter der Seelen in das Totenreich. Auf dem Platanenhain sind jeweils zwei dieser Vasen der Sterbenden Mutter mit Kind, der Großskulptur ganz im Westen der Anlage, links und rechts zur Seite gestellt.
Die Schakalsvasen sind auch deswegen gerade so interessant, weil sie mit ihrem Auftreten als tierisches Paar im Doppelpack momentan viele Geschwister auf der Mathildenhöhe haben. Denn Albin Müller, dem zur Zeit eine Sonderausstellung im Museum Künstlerkolonie gewidmet ist, hat Tierpaare häufig als Stilmittel für seine kleinen Meisterwerke der Raumkunst benutzt. In der Werkschau albinmüller3 sind eine Vielzahl solcher Objekte zu sehen.
Tierisches im Doppelpack: Dekorative Paare weiterlesenVon den 23 Künstlern der Künstlerkolonie Darmstadt haben sechs ihre letzte Ruhestätte in Darmstadt und der näheren Umgebung gefunden. Vor einem Jahr hat 23 Quer die Gräber der Gründergeneration und frühen Künstlerkolonisten der Ausstellungen von 1901 und 1904 besucht und ihrer besonders gedacht. Nach dem ersten Teil über Joseph Maria Olbrich, Ludwig Habich und Daniel Greiner aus dem November 2020 folgt nun der zweite: Er führt ebenfalls zu drei Gräbern bedeutender Künstler: Sie haben für die Ausstellungen von 1908 und 1914 Großes geleistet. Vor langer Zeit sind sie gestorben. Doch uns haben sie so viel Bleibendes von außergewöhnlichem Wert hinterlassen, dass es nun sogar schützenwert für die gesamte Menschheit, UNESCO Weltkulturerbe, ist.



Sie war wirklich nicht zu übersehen. Wer in den Jahren zwischen 1911 und 1944 auf die Mathildenhöhe ging, dessen Blick auf Ausstellungsgebäude und Hochzeitsturm streifte unweigerlich diese Villa: das Haus Albin Müller. Ähnlich wie sein Vorgänger im Amt, Joseph Maria Olbrich, hatte auch Albin Müller seinen privaten Wohnsitz auf dem Gelände der Künstlerkolonie errichtet – und zwar in prominenter Lage, direkt am Eingang vor dem Platanenhain. Heute ist davon nichts mehr vorhanden: Grüne Wiese erstreckt sich dort, wo einst der Chefarchitekt und künstlerische Leiter der Mathildenhöhe residierte.
Städtebaulich war das Projekt nicht unumstritten, veränderte der Neubau, der zwischen 1911 und 1912 errichtet wurde, doch erheblich die Gesamtwirkung des Mathildenhöhe-Ensembles. Deutlich ist aber auch zu sehen, wie sehr Müller seinen Entwurf auf das dominante Ausstellungsgebäude von Olbrich abstimmte, indem er dessen langgezogene Säulenreihen für die vordere Fensterfront zitierte oder auch die Form des Pyramidendachs aufgriff. Er hatte seinen Neubau durchaus eingebunden in das Vorhandene, aber zweifelsohne ein starkes Zeichen seiner Rolle an dieser Stelle gesetzt. Gut dreißig Jahre, bis zu seinem Tod 1941, lebte Albin Müller in diesem privaten Refugium auf der Mathildenhöhe.


Bei Ihrem nächsten Besuch auf der Mathildenhöhe gehen Sie doch mal von hinten auf den Musenhügel, von Osten, den Olbrichweg hinauf. Schauen Sie nach rechts auf den Osthang, dann schließen Sie bitte die Lider und rufen sich dieses Bild vor ihr inneres Auge. Es zeigt die fantastischen Gartenanlagen, die sich den Passanten an genau dieser Stelle 1908 präsentierten. Entworfen nur für einen Sommer von Albin Müller für die Hessische Landesausstellung – und nun digital erstmals öffentlich zu bewundern in der soeben eröffneten Sonderausstellung im Museum Künstlerkolonie: albinmüller3.
Schon damals war hier also viel Grün, wie man sieht. Vielleicht kann es ja auch so bleiben, denn mit der Aufforderung der UNESCO, den Ort für das Besucherzentrum zu verschieben, entstehen wieder ganz neue Gestaltungspielräume am Osthang. „Die Osthang-Terrassen“ – wiederauferstanden im Jahr des Weltkulturerbes 2021?
Man darf ja mal träumen …

Er ist der ewig Unsichtbare unter den großen Architekten, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Mathildenhöhe gewirkt und sie erst zu dem einmaligen Ort von außergewöhnlichen Wert für die Menschheit gemacht haben – und Darmstadt damit zur UNESCO-Welterbestätte. Von 1908 bis zur letzten Ausstellung von 1914 war Albin Müller der Chefarchitekt der Darmstädter Künstlerkolonie. Er hat auf ihr deutliche Spuren hinterlassen, nur dass man von seinen vielen Gebäuden und Entwürfen heute nur noch einen Bruchteil sieht, während das meiste von Joseph Maria Olbrichs Bauten noch steht. So war er stets ein wenig im Schatten des berühmten Vorgängers, eine unterschätzte Figur der Mathildenhöhe.
Umso wichtiger ist diese Ausstellung jetzt, die im Ernst Ludwig-Haus den weithin vergessenen Architekten würdigt: albinmüller3 – Architekt, Gestalter, Lehrer. „Der 150. Geburtstag von Albin Müller hat als Jubiläum schon lange in unserem Terminkalender für 2021 gestanden, doch dass wir diesen nun zeitgleich mit der Anerkennung zum Welterbe feiern, das hat keiner vorhersehen können und fügt sich nun sehr glücklich ins Konzept“, freut sich Philipp Gutbrod, Direktor vom Institut Mathildenhöhe Darmstadt. Denn vor allen Dingen die Gestalter von Architektur und Außenanlagen der Mathildenhöhe haben dazu beigetragen, dass man das UNESCO-Kriterium der „Authenzität“ erfüllen konnte. Unter den insgesamt 23 Köpfen der Künstlerkolonie sei Albin Müller einer der herausragenden Namen, so Gutbrod, ebenso bedeutend für Darmstadt wie Olbrich oder Peter Behrens.
Aus dem Schatten ans Licht: ‚albinmüller hoch 3‘ weiterlesen

Na, erkennen Sie die Mathildenhöhe wieder? Die historische Aufnahme zeigt den Osthang, wie er sich im Sommer 1908 den Besuchern der Hessischen Landesausstellung für Freie und Angewandte Kunst präsentierte. Der Blick führt den heutigen Olbrichweg hinunter. Der endete damals ganz unten am Ausstellungsgebäude für Architektur, dem östlichen Abschluss des Ausstellungsgeländes. Heute ist dort eine Straßenkreuzung, die auf den vielbefahrenen Fiedlerweg führt. Rechts erkennen wir auch in der zeitgenössischen Aufnahme ganz oben einen Teil des Oktogons wieder sowie das „Ober-Hessische Ausstellungshaus“ von Olbrich. Weiter unten sehen wir in beiden Bildern ebenfalls das damalige „Haus Prof. Sutter“, eine der insgesamt drei großbürgerlichen Villen der rechten Straßenseite.
Links passierte man 1908 den südlichen Flügel des Ausstellungsgebäudes für angewandte Kunst sowie die luftige Ladengalerie, die sich mit ihrem halbrunden Ende in die Straßenfront schob. Sämtliche Gebäude zur Linken sowie der Architekturbau unten waren Entwürfe von Albinmüller, von Anfang an als temporäre Bauten konzipiert. Dass sie heute dort nicht mehr stehen, war daher auch kein Hindernis bei der Bewerbung um die Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe, bei der die Unversehrtheit ein entscheidendes Kriterium ist.
Times they are a changin: Osthang Gestern – Heute weiterlesen
23 Quer möchte Sie heute einladen zu einem Spaziergang durch die Ausstellung von 1908. In diesem Jahr präsentierte sich nicht mehr die Künstlerkolonie dem Publikum wie noch 1901 und 1904. Das Ernst Ludwig-Haus und die berühmten Künstlervillen waren sogar explizit ausgeschlossen vom Ausstellungsgelände, wie ein Blick auf den historischen Plan zeigt. Stattdessen bot sich den Besuchern auf der Mathildenhöhe eine vollkommen neue Ausstellung, die sich in ihrer Ausrichtung gegenüber 1901 fast um 90 Grad gewendet hatte und nicht mehr entlang einer Achse von Süd nach Nord auf das Ernst Ludwig-Haus zu, sondern von Westen nach Osten über den ganzen Hügel lief. Mittelpunkt und absoluter Blickfang war der neue Hochzeitsturm mit Ausstellungsgebäude. Doch auch insgesamt hatte sich viel getan, insbesondere der vom Architekten Albin Müller gestaltete Osthang bildete einen weiteren Schwerpunkt der Landesausstellung für Freie und Angewandte Kunst von 1908.



1908 bildet einen Meilenstein in der Geschichte der Mathildenhöhe. Die Stadtkrone entsteht mit Hochzeitsturm und neuem Ausstellungsgebäude: Joseph M. Olbrichs letzte Entwürfe für Darmstadt, die er wie so oft in bezaubernden Aquarellen festhält. Albin Müller wird in diesem Jahr neuer Chefarchitekt. Drei der sieben vom Großherzog verpflichteten Künstler sind zudem auch Firmenchefs. Die nächste Generation der Künstlerkolonie Darmstadt läuft zu großer Form auf.
Sie gestalten ein riesiges Ausstellungsareal, das sich von West nach Ost über den gesamten Musenhügel zieht. Vieles davon war nur für einen Sommer gebaut. Umso schöner anzusehen sind die historischen Bilder von der Hessischen Landesausstellung für Freie und Angewandte Kunst, die sich erstmals mit ihrer Schauseite Richtung Stadt präsentiert. Die Mathildenhöhe Darmstadt erhält ein gänzlich neues Gesicht. Ihr schönstes, was nicht Wenige bis heute zur äußerst stimmigen städtebaulichen Anlage von 1908 sagen.
Ab dem 3. September hier zu lesen auf 23 Quer!
Welch ein grandioser Aufstieg, was für ein abruptes Ende! Er ist gerade 40 Jahre alt, hat eben einige seiner schönsten und reifsten Bauten errichtet, da rafft ihn eine Leukämie innerhalb weniger Tage in Düsseldorf dahin. Joseph M. Olbrich stirbt am frühen Samstagnachmittag des 8. August 1908. Der vor Energie und Einfallsreichtum nur so sprühende Architekt des frühen 20. Jahrhunderts und der kreative Kopf hinter der ersten Bauausstellung der Welt, der der Künstlerkolonie von 1901 in Darmstadt, ist tot. Für alle, auch seine schärfsten Kritiker, ist die Nachricht unfassbar.

Zum heutigen Todestag von Joseph M. Olbrich möchte 23 Quer eines Manns gedenken, der sich immer zuerst als Künstler sah und trotz aller moderner und funktionaler Züge in seinem unglaublich reichen Werk nie Massenware, sondern immer Unikate mit einer ganz eigenen Handschrift schuf – darunter viele Meisterwerke der modernen Architektur. Sie sind alle unverwechselbar Olbrich, so auch seine Bauten auf der Mathildenhöhe.
Tragödie: „Der größte von allen blieb Olbrich“ weiterlesen






















