Schlagwort-Archive: Künstlerkolonie

Flowerpower I: Im Namen der Rose bei Christiansen

Während der eine der Rose gleich sein ganzes Haus widmete, plante der andere akribisch bis ins Detail seinen eigenen Garten. Architektur und Natur, das gehörte für die beiden Künstlerkolonisten der ersten Stunde Hans Christiansen und Joseph Maria Olbrich stets zusammen. Während der Maler und Kunsthandwerker Christiansen diesen Gedanken vor allem in der Gestaltung des Innenraums auslebte, baute der Architekt Olbrich kreativ von der Natur inspirierte Formen, Pflanzen und Grün in die Entwürfe für seine Gebäude ein. Haus und Garten waren eine Gesamtkomposition und verschmolzen zu einem einzigen Kunstwerk des Lebens und Wohnens. Flowerpower I: Im Namen der Rose bei Christiansen weiterlesen

Schlusspunkt einer Achse: Backstein statt roter Rosen

Er muss fantastisch gewesen sein, der Blick von hier hinauf zum Ernst-Ludwig-Haus. Denn dieses Halbrund in der Mauer war einmal der Endpunkt eines bezaubernden Architekturgartens, der in mehreren Terrassen vom hoch gelegenen Atelierhaus der Künstler hinunter zum Prinz-Christians-Weg führte. Wo heute eine Wand aus gemauertem Backstein die Lücke füllt und dichte Nadelhözer eine Durchsicht verwehren, rahmten Pflanzen und Bäume eine Sichtachse, die das Rückgrat für die berühmte erste Ausstellung der Künstlerkolonie von 1901 bildete. Entlang dieser setzte Architekt Joseph Maria Olbrich seine epochal neuen Jugenstil-Villen. Schlusspunkt einer Achse: Backstein statt roter Rosen weiterlesen

Eine Postkarte von Olbrich: Farbtupfer

Aquarell Olbrich Ernst Ludwig Haus

Olbrich hatte nicht nur „etwas Sonniges“ in seinen Entwürfen und Zeichnungen, sondern war zudem ein begnadeter Aquarellist. In diesem Aquarell von der Südfront des Ernst Ludwig-Hauses, dem heutigen Museum Künstlerkolonie, kommt beides in voller Blüte zur Geltung. Es zeigt sehr schön, wie die Farbigkeit der Gartenterrasse vor dem flächigen Weiß des Gebäudes Kontraste setzt, wie die bunten Farbtupfer der Pflanzen und Bäume die Reinheit und Klarheit der Architektur verstärkt. Für Olbrich gehörte immer beides zusammen: das Gebäude und die Gestaltung seiner Umgebung. Dem Gartenarchitekten Olbrich und der großen Gartenkunst auf der Mathildenhöhe wird 23 Quer im Sommer 2020 folgen. Seien Sie also gespannt!

(Joseph Maria Olbrich: Aus einer Postkartenserie zur Hessischen Landesausstellung 1908)

Licht- und Schattenseiten oder viel Sonne und Wasser im Platanenhain

Eigentlich ist alles bereits am Eingang gesagt, man muss sich nur die Zeit nehmen, die Inschriften zu lesen: Wasser und Sonne werden hier gleich zu Beginn als Leitmotiv für das vierzig mal achtzig Meter große Gesamtkunstwerk eingeführt. Beide sind der Quell allen Lebens und aller Energie auf der Erde, ohne sie wären wir und alles lebende Wesen auf diesem Planeten nichts. Diese zwei Themen ziehen sich wie ein Leitfaden über den Kunst-Parcours, den der Bildhauer Bernhard Hoetger im Platanenhain auf der Mathildenhöhe installiert hat. Nach den Wasserspielen im Juni widmet sich 23 Quer nun dem zentralen Motiv der Sonne, und wie sie den gestalterischen Bogen im Süden des Platanenhains schließt. Denn die großen Pflanzkübel dort sind weit mehr als nur dekoratives Beiwerk. Sie haben eine bedeutende Rolle im Gesamtkonzept des Hains. Licht- und Schattenseiten oder viel Sonne und Wasser im Platanenhain weiterlesen

„Etwas Sonniges“ oder der Beginn einer ganz besonderen Beziehung

Jetzt im Sommer ist Zeit für die sonnigen Themen. Und davon gibt es auf der Mathildenhöhe einige. Auch für die Geburtsstunde der Künstlerkolonie sollten sie eine entscheidende Rolle spielen. 1898 hatte der Darmstädter Kunstverleger Alexander Koch einige Zeichnungen von Joseph Maria Olbrich veröffentlicht. Diese sah zufällig auch der junge Großherzog Ernst Ludwig. Er schildert diesen Moment und den Beginn ihrer ganz besonderen Beziehung sehr anschaulich in seinen Memoiren:

Ich sah seine Zeichungen für die Sezessions-Ausstellung in Wien, ganz persönlich und anders als die damalige Richtung.

Ich fühlte sofort, da ist etwas Frisches und zu mir Passendes, etwas Sonniges, was ich bei allen anderen nicht spürte.

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Tierisch gut! Die andere Seite des F.W. Kleukens

Wenn man es nicht wüsste und er nicht jedes dieser amüsanten Kunstwerke signiert hätte, dann würde man ihn nie hinter diesen witzigen Postkarten vermuten, die Anfang des 20. Jahrhunderts der letzte Schrei waren und ihren Zeichner schlagartig bekannt machten: Friedrich Wilhelm Kleukens. Bevor der Illustrator nämlich 1906 an die Künstlerkolonie nach Darmstadt kam, um als Professor zu lehren und die Ernst Ludwig-Presse zu leiten, war er Gründungsmitglied einer jungen Kreativagentur, die damals die Branche aufmischte: die Steglitzer Werkstatt. Sie bestand nur kurz, von 1900 bis 1903, gilt jedoch als die erste Werbeagentur Deutschlands. Mit viel Witz und und Einfallsreichtum begründeten sie das, was sich später Reklame nennen sollte. Tierisch gut! Die andere Seite des F.W. Kleukens weiterlesen

Frühlingserwachen

Im ewigen Zyklus der Jahreszeiten beginnt nun eine der schönsten Episoden im Kalender: Genau heute erwacht auf der Nordhalbkugel der Frühling! Der richtige Moment also, um kurz auf den Platanenhain zu schwenken, durch das Portal mit dem Leoparden und dem Silberlöwen zu gehen, auf den gegenüberliegenden Brunnen zu und sich dann nach rechts Richtung Hochzeitsturm zu drehen – dann steht man vor ihm: dem Frühling. Denn genauso hat Bernhard Hoetger sein Gruppenbild aus elf Figuren genannt, dem man sich unversehens gegenüber sieht.

Es ist eins von vier Reliefbildern, die er ab 1912 für die vierte und letzte Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie von 1914 gearbeitet hat, und die eine gestalterische Gesamtkomposition bilden: Frühling und Sommer, Schlaf und Auferstehung. Zwischen diesen Polen bewegt sich das Leben im immerwährenden Kreis. Die Frühlingserwachen weiterlesen

„Es gibt eine innere und eine äußere Schönheit des Buches. Wenn die Druckgestaltung mit dem Text im rechten Einklang ist, wenn innere und äußere Form zusammengehen, entsteht ein Werk von unvergänglichem Wert, ein Kunstwerk, vollkommen wie ein Meisterwerk der Architektur.“

Christian H. Kleukens, Künstlerkolonie Darmstadt | Zum Portrait der Ernst Ludwig-Presse

Alphabet-City: Typografie setzt bis heute Zeichen

Die 26 Buchstaben des Alphabets reizten und reizen Künstler immer wieder zur kreativen Auseinandersetzung. Auch Olaf Nicolai, der Wilhelm-Loth-Preisträger der Stadt Darmstadt in 2018, hat sich in seinem so facettenreichen Künstlerleben der Aufgabe angenommen und eine ganz eigene Darstellung des Alphabets entwickelt. Damit steht er in einer großen Tradition der Künstlerkolonie. Denn es gab nicht wenige aus ihren Reihen, die sich auch als Schriftgestalter einen überaus großen Namen gemacht haben – etwa Peter Behrens oder die Brüder Kleukens mit der Ernst Ludwig-Presse.

Diese neuen Schrifttypen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts von den Grafikern und Gestaltern der Mathildenhöhe entwickelt wurden, waren stets auch Spiegel der Gesellschaft und ihrer Zeit. Wie auch Nicolais neuer Schriftttyp, der erst digital seine ganze Originalität entfaltet und damit auch ein Ausdruck unserer Zeit, eine Schrift für das Heute, ist. Alphabet-City: Typografie setzt bis heute Zeichen weiterlesen

Sanierung Haus Olbrich – jetzt auch unten ohne

Das Jahr 2020 ist für die Mathildenhöhe ein ganz besonderes Schaltjahr: Alles wartet gespannt auf die Entscheidung der UNESCO im Sommer – und bis dahin wird gründlich saniert. Denn das wird auf jeden Fall bleiben als Resultat der großen Anstrengung um die Auszeichnung als Weltkulturerbe: eine Künstlerkolonie, die so glänzt wie lange nicht mehr. Sie wird wohl zwar nie mehr ganz wie im Original von 1901 erstrahlen, aber immerhin fast. Sanierung Haus Olbrich – jetzt auch unten ohne weiterlesen

In Feierlaune: Karneval vor 120 Jahren

Karneval 1900 - Kuenstlerkolonie

Fast komplett sind sie hier zusammen zu sehen, die glorreichen Sieben des ersten Jahrgangs der Darmstädter Künstlerkolonie. Von links nach rechts amüsieren sich im Februar 1900 mehr oder weniger originell verkleidet Paul Bürck, Rudolf Bosselt, Hans Christiansen, Ludwig Habich, Peter Behrens und Patriz Huber. Da war der „Tempel der Arbeit“ auf der Mathildenhöhe, das Ernst-Ludwig-Haus mit seinen Ateliers, noch nicht fertig. So feierte man vor dem Porzellanschlösschen am Herrngarten, das anfangs als Arbeitsstätte diente.

Einer fehlt auf dem Bild: Joseph Maria Olbrich, der prägende Architekt der Künstlerkolonie und Primus inter Pares. Dieses Bild gibt also auch ein wenig Aufschluss über die Gruppendynamik der kreativen Geister. Dass er hier nicht mitfeiert, dürfe wohl kein Zufall sein, meinen manche Interpreten. Oder hat er das Bild gar geschossen?

(Quelle: Joseph Maria Olbrich, Ausstellungskatalog 2010, S. 158)

Daniel Greiner: Aus dem Busen der Mutter Natur

Jugenheim Greiner - Busenbrunnen

Einer der schönsten Brunnen aus der Hand eines Mitglieds der Künstlerkolonie steht nicht auf der Mathildenhöhe, sondern ganz versteckt in einem verwunschenen Garten in Jugenheim an der Bergstraße. Er stammt vom Bildhauer Daniel Greiner, der von 1903 bis 1906 der Darmstädter Gruppe angehörte und sicherlich einer der Ersten gewesen sein dürfte, der von den 1904 neu errichteten Bildhauerateliers an der nordöstlichen Seite des Ernst-Ludwig-Hauses profitiert hat. Daniel Greiner: Aus dem Busen der Mutter Natur weiterlesen

Olbrich hatte den Dreh einfach raus

Heberer-Plan 1878 Aussschnitt quer
Vorher: 1878 befindet sich zwischen Platanenhain und der Erbacher Straße ein Park.

Eine Konstante bleibt, egal, welche Karte man sich anschaut von der Mathildenhöhe: der Platanenhain im Norden. 1833 angelegt ist er das älteste Mitglied im städtebaulichen Gesamtkunstwerk. Das langgezogene Rechteck mit seinen regelmäßigen Baumreihen ist immer gut zu erkennen und hilft bei der Orientierung. Darunter hat sich dann viel getan im Laufe der folgenden Jahrzehnte.

Eine der ältesten Zeichnungen von der Höhe, die später so berühmt werden sollte, ist der Heberer-Plan von 1878. Er zeigt die Parkanlage, die auf einem ehemaligem Weinhügel am Rande der Stadt seit 1800 hier entstanden war: Viele Spazierwege schwingen sich in großen Bögen sanft den Hang hinauf. An markanten Kreuzungspunkten sind Pavillons zu sehen, ein kleiner Platz ganz oben. Auch der Hochbehälter des städtischen Wasserwerks, der an der höchsten Stelle von 1877 bis 1880 errichtet wurde, ist bereits eingezeichnet. Olbrich hatte den Dreh einfach raus weiterlesen

Der Club der 23 Künstler

Es waren genau 23 Künstler, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Darmstädter Künstlerkolonie arbeiteten. Sieben gehörten zum legendären Gründerjahrgang von 1899 um den Primus inter Pares, den Architekten Joseph Maria Olbrich. Schon früh verließen fünf der ersten Pioniere sie wieder, darunter auch Peter Behrens, der als Maler und Grafiker nach Darmstadt kam und als Architekt wieder ging. In mehreren Schüben folgten 1903, 1906 und 1907 sowie 1911 und 1913 weitere Künstler dem Ruf des Großherzogs Ernst Ludwig und arbeiteten für den prominenten Auftraggeber und seine Werkstätten. Wer waren diese 23? Der Club der 23 Künstler weiterlesen