Archiv der Kategorie: 23 Köpfe: Die Künstler

150 Jahre Albin Müller: Happy Birthday, Meister!

Jetzt müssen wir ihm doch noch ganz schnell gratulieren zum runden Geburtstag. Denn vor genau 150 Jahren, am 13. Dezember 1871, wurde Albin Müller in einem Dorf im sächsischen Erzgebirge geboren. Und wenn wir nicht mitten in der vierten Corona-Welle wären, dann hätte das Institut Mathildenhöhe zur Feier des Tages heute, an einem Montag, seine Pforten ausnahmsweise ihm zu Ehren geöffnet. Es hätte ein Sonderprogramm gegeben, mit speziellen Führungen, mit herausragenden Rednern und vielen Vorträgen rund um die aktuelle Ausstellung im Ernst Ludwig-Haus, die dieses Jahr auch wegen des Jubiläums ausschließlich ihm und seinem reichen Werk als Architekt, Gestalter und Lehrer gewidmet ist.

Doch es sollte nicht sein – und irgendwie ist das fast schon wieder symptomatisch für Albin Müller, dem leitenden Architekten der späteren Darmstädter Künstlerkolonie und der Ausstellungen von 1908 bis 1914: der soviel gestaltet hat auf dem berühmten Hügel und von dem nur noch so wenig erhalten ist. Für die Mathildenhöhe ist er mindestens genauso bedeutend wie Olbrich oder Behrens, doch stand er immer in beider Schatten. Dabei war er ein ausgesprochen innovativer Geist, vor allen Dingen im Holzbau, wo er früh schon mit Fertigbauelementen experimentierte. Ob Tiny House oder Home Office im Ateliergebäude – vieles von den heute modernen Wohnraumkonzepten kann man bei Albin Müller schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden.

150 Jahre Albin Müller: Happy Birthday, Meister! weiterlesen

In Memoriam II: Noch drei Künstler, noch drei Gräber

Von den 23 Künstlern der Künstlerkolonie Darmstadt haben sechs ihre letzte Ruhestätte in Darmstadt und der näheren Umgebung gefunden. Vor einem Jahr hat 23 Quer die Gräber der Gründergeneration und frühen Künstlerkolonisten der Ausstellungen von 1901 und 1904 besucht und ihrer besonders gedacht. Nach dem ersten Teil über Joseph Maria Olbrich, Ludwig Habich und Daniel Greiner aus dem November 2020 folgt nun der zweite: Er führt ebenfalls zu drei Gräbern bedeutender Künstler: Sie haben für die Ausstellungen von 1908 und 1914 Großes geleistet. Vor langer Zeit sind sie gestorben. Doch uns haben sie so viel Bleibendes von außergewöhnlichem Wert hinterlassen, dass es nun sogar schützenwert für die gesamte Menschheit, UNESCO Weltkulturerbe, ist.

In Memoriam II: Noch drei Künstler, noch drei Gräber weiterlesen

Zeichen setzen: Müllers Villa am Platanenhain

Sie war wirklich nicht zu übersehen. Wer in den Jahren zwischen 1911 und 1944 auf die Mathildenhöhe ging, dessen Blick auf Ausstellungsgebäude und Hochzeitsturm streifte unweigerlich diese Villa: das Haus Albin Müller. Ähnlich wie sein Vorgänger im Amt, Joseph Maria Olbrich, hatte auch Albin Müller seinen privaten Wohnsitz auf dem Gelände der Künstlerkolonie errichtet – und zwar in prominenter Lage, direkt am Eingang vor dem Platanenhain. Heute ist davon nichts mehr vorhanden: Grüne Wiese erstreckt sich dort, wo einst der Chefarchitekt und künstlerische Leiter der Mathildenhöhe residierte.

Städtebaulich war das Projekt nicht unumstritten, veränderte der Neubau, der zwischen 1911 und 1912 errichtet wurde, doch erheblich die Gesamtwirkung des Mathildenhöhe-Ensembles. Deutlich ist aber auch zu sehen, wie sehr Müller seinen Entwurf auf das dominante Ausstellungsgebäude von Olbrich abstimmte, indem er dessen langgezogene Säulenreihen für die vordere Fensterfront zitierte oder auch die Form des Pyramidendachs aufgriff. Er hatte seinen Neubau durchaus eingebunden in das Vorhandene, aber zweifelsohne ein starkes Zeichen seiner Rolle an dieser Stelle gesetzt. Gut dreißig Jahre, bis zu seinem Tod 1941, lebte Albin Müller in diesem privaten Refugium auf der Mathildenhöhe.

Haus Albin Müller (1911 – 1944) – eine stattliche Villa direkt vor dem Platanenhain.

Zeichen setzen: Müllers Villa am Platanenhain weiterlesen

Der ältere Bruder hätte es verdient: Friedrich W. Kleukens statt Christian H.

Bis zum 5. November kann jeder noch Vorschläge einreichen für die Neubenennung von acht Straßen in Darmstadt. Deren bisherige Namensgeber haben einer Überprüfung der Stadt nicht Stand gehalten, ein Fachbeirat kam in einem ausführlichen und mit aller Sorgfalt erstellten Bericht 2018 zu dem Ergebnis, dass ihre Einstellung mit den Werten einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft nicht vereinbar seien. Der Magistrat der Stadt Darmstadt hat sich dessen Empfehlungen angeschlossen und am 8. Mai 2019 für eine Umbenennung votiert. Unter den acht Namen ist auch der eines Mitglieds der Künstlerkolonie Darmstadt: Christian Heinrich Kleukens. Bei ihm wurde die Umbenennung vom Fachbeirat einstimmig beschlossen, da er nachweisbar in mehreren NS-Organisationen nicht nur aktiv tätig war, sondern dort auch Karriere gemacht hat und aktiv für die NS-Ideologie eingetreten ist.

Doch den Namen „Kleukens“ gab es gleich zweimal auf der Mathildenhöhe. Und der andere, der Ältere, war für die Künstlerkolonie eigentlich der viel bedeutendere: Friedrich Wilhelm Kleukens. Er bietet sich als neuer, alter Namensgeber geradezu an.

Der ältere Bruder hätte es verdient: Friedrich W. Kleukens statt Christian H. weiterlesen

Aus dem Schatten ans Licht: ‚albinmüller hoch 3‘

UNESCO-Welterbe: Das Ateliergebäude von Albin Müller (Foto: Nikolaus Heiss).

Er ist der ewig Unsichtbare unter den großen Architekten, die Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Mathildenhöhe gewirkt und sie erst zu dem einmaligen Ort von außergewöhnlichen Wert für die Menschheit gemacht haben – und Darmstadt damit zur UNESCO-Welterbestätte. Von 1908 bis zur letzten Ausstellung von 1914 war Albin Müller der Chefarchitekt der Darmstädter Künstlerkolonie. Er hat auf ihr deutliche Spuren hinterlassen, nur dass man von seinen vielen Gebäuden und Entwürfen heute nur noch einen Bruchteil sieht, während das meiste von Joseph Maria Olbrichs Bauten noch steht. So war er stets ein wenig im Schatten des berühmten Vorgängers, eine unterschätzte Figur der Mathildenhöhe.

Umso wichtiger ist diese Ausstellung jetzt, die im Ernst Ludwig-Haus den weithin vergessenen Architekten würdigt: albinmüller3 – Architekt, Gestalter, Lehrer. „Der 150. Geburtstag von Albin Müller hat als Jubiläum schon lange in unserem Terminkalender für 2021 gestanden, doch dass wir diesen nun zeitgleich mit der Anerkennung zum Welterbe feiern, das hat keiner vorhersehen können und fügt sich nun sehr glücklich ins Konzept“, freut sich Philipp Gutbrod, Direktor vom Institut Mathildenhöhe Darmstadt. Denn vor allen Dingen die Gestalter von Architektur und Außenanlagen der Mathildenhöhe haben dazu beigetragen, dass man das UNESCO-Kriterium der „Authenzität“ erfüllen konnte. Unter den insgesamt 23 Köpfen der Künstlerkolonie sei Albin Müller einer der herausragenden Namen, so Gutbrod, ebenso bedeutend für Darmstadt wie Olbrich oder Peter Behrens.

Aus dem Schatten ans Licht: ‚albinmüller hoch 3‘ weiterlesen

Welch ein grandioser Aufstieg, was für ein abruptes Ende! Er ist gerade 40 Jahre alt, hat eben einige seiner schönsten und reifsten Bauten errichtet, da rafft ihn eine Leukämie innerhalb weniger Tage in Düsseldorf dahin. Joseph M. Olbrich stirbt am frühen Samstagnachmittag des 8. August 1908. Der vor Energie und Einfallsreichtum nur so sprühende Architekt des frühen 20. Jahrhunderts und der kreative Kopf hinter der ersten Bauausstellung der Welt, der der Künstlerkolonie von 1901 in Darmstadt, ist tot. Für alle, auch seine schärfsten Kritiker, ist die Nachricht unfassbar.

Joseph M. Olbrich um 1907/1908

Zum heutigen Todestag von Joseph M. Olbrich möchte 23 Quer eines Manns gedenken, der sich immer zuerst als Künstler sah und trotz aller moderner und funktionaler Züge in seinem unglaublich reichen Werk nie Massenware, sondern immer Unikate mit einer ganz eigenen Handschrift schuf – darunter viele Meisterwerke der modernen Architektur. Sie sind alle unverwechselbar Olbrich, so auch seine Bauten auf der Mathildenhöhe.

Tragödie: „Der größte von allen blieb Olbrich“ weiterlesen

„Wir danken Euch allen!“ 23 Köpfe und ihr Weg in die Moderne. Ein Portrait.

Die Mathildenhöhe Darmstadt ist seit dem 24. Juli 2021 UNESCO Weltkulturerbe. Die Stadtkrone hat es sich verdient, allein schon wegen ihrer besonderen Schönheit und Erhabenheit. Doch damit hat sie sich nicht beworben, auch nicht wegen ihrer Verdienste um den Jugendstil, obwohl sie diese zweifelsohne hat. Mit dem Ehrentitel ausgezeichnet wurde der Musenhügel wegen der innovativen Leistungen seiner Künstler, in deren Werken die Welt dem Zeitgeist um 1900 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in unglaublich vielen Facetten künstlerischen Schaffens nachspüren kann. Von Architektur und Gartenbau, von Möbeln bis zur Innendekoration, von Keramik, Schmuck bis zu Geschirr und Besteck, von Theaterkulissen bis zum Buchdruck. Wer waren diese kreativen Köpfe? Was für ein Gebilde war sie eigentlich genau, die "Künstlerkolonie Darrmstadt auf der Mathildenhöhe", die den argumentativen Kern der UNESCO Bewerbung ausgemacht hat?

Die TET-Stadt: Hoetgers ägyptisch inspirierte Monumental-Utopie

Für ein Kuriosum in der Architekturgeschichte sorgte Künstlerkolonist Bernhard Hoetger nur wenige Jahre nach seiner Zeit auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Dem Keksfabrikanten Hermann Bahlsen entwarf er mitten im Ersten Weltkrieg ein monumentales Stadtviertel für Hannover, das mit dem Bauelementen aus dem Land der Pharaonen spielte, geweiht der einzigartigen Göttin des TET, dem Markenzeichen der Firma.

TET steht für eine ägyptische Hieroglyphe, die sich aus den drei Zeichen für Kobra, Brotlaib und Erde zusammensetzt und „ewig dauernd“ bedeutet. Diese Kartusche hatte sich die Firma Bahlsen 1903 als trendiges Markenzeichen für ihr ausgesprochen haltbares Buttergebäck eintragen lassen, das anfangs noch „Leibniz Cakes“ hieß. Später wurde es in das lautsprachlich gleiche „Leibniz Keks“ umgewandelt, und verhalf damit einer ganzen Backwarengattung zu ihrem deutschen Namen. Die ägyptische Kartusche mit dem TET ziert bis heute die Butterkekse von Bahlsen und auch das Firmenlogo.

Die TET-Stadt: Hoetgers ägyptisch inspirierte Monumental-Utopie weiterlesen

In memoriam: Drei Künstler, drei Gräber

November ist traditionell der Monat, um der Toten zu Gedenken. Nach Allerheiligen und dem Volkstrauertag beendet der Totensonntag die Reihe, der letzte Sonntag des Kirchenjahres. Auch 23 Quer will diesen Monat der allgemeinen Trauer dazu nutzen, um für einen kurzen Moment inne zu halten und an die großen, vor langer Zeit gestorbenen Künstler zu erinnern, denen wir heute in Darmstadt so viel zu verdanken haben. Ohne sie gäbe es diesen wundervollen Musenhügel über der Stadt nicht, ohne sie hätte Darmstadt keine Kunst- und Architekturgeschichte geschrieben, ohne ihren so schöpferischen Geist gäbe es keine Bewerbung um ein UNESCO Welterbe: die Architekten, Bildhauer und vielen Gestalter der Künstlerkolonie.

23 waren es insgesamt. Von der Gründergeneration der Künstlerkolonie und den Machern der Ausstellungen von 1901 und 1904 sind es drei Künstler, die ihre letzte Ruhestätte in Darmstadt und dem Landkreis fanden. 23 Quer hat ihre Gräber besucht.

In memoriam: Drei Künstler, drei Gräber weiterlesen

Die Kunst des Grabmals

Schönheit und Kunst in alle Bereiche des Lebens zu bringen, dieses Streben der reformbewegten Künstler auf der Mathildenhöhe erstreckte sich auch bis zum Ende des Lebens, zu Begräbnis und Bestattung. Es waren vor allem zwei Bildhauer aus der frühen Künstlerkolonie, der beiden Ausstellungen von 1901 und 1903, die sich um das Thema Grabmäler und Friedhofskultur verdient gemacht haben: Ludwig Habich und Daniel Greiner. Habich haben wir eines der schönsten Grabmäler Darmstadts zu verdanken. Es befindet sich hoch oben auf der Rosenhöhe.

Das Grabmal erinnert an ein kleines Mädchen, das viel zu früh im Alter von gerade einmal acht Jahren verstarb: an Elisabeth, die einzige Tochter des Darmstädter Großherzogs Ernst Ludwig aus seiner unglücklichen ersten Ehe mit Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha. Das „Prinzesschen“, wie es von den Darmstädtern auch liebevoll genannt wurde, starb genau heute vor 117 Jahren, am 16. November 1903.

Die Kunst des Grabmals weiterlesen

Flowerpower I: Im Namen der Rose bei Christiansen

Während der eine der Rose gleich sein ganzes Haus widmete, plante der andere akribisch bis ins Detail seinen eigenen Garten. Architektur und Natur, das gehörte für die beiden Künstlerkolonisten der ersten Stunde Hans Christiansen und Joseph Maria Olbrich stets zusammen. Während der Maler und Kunsthandwerker Christiansen diesen Gedanken vor allem in der Gestaltung des Innenraums auslebte, baute der Architekt Olbrich kreativ von der Natur inspirierte Formen, Pflanzen und Grün in die Entwürfe für seine Gebäude ein. Haus und Garten waren eine Gesamtkomposition und verschmolzen zu einem einzigen Kunstwerk des Lebens und Wohnens. Flowerpower I: Im Namen der Rose bei Christiansen weiterlesen

Eine Postkarte von Olbrich: Farbtupfer

Aquarell Olbrich Ernst Ludwig Haus

Olbrich hatte nicht nur „etwas Sonniges“ in seinen Entwürfen und Zeichnungen, sondern war zudem ein begnadeter Aquarellist. In diesem Aquarell von der Südfront des Ernst Ludwig-Hauses, dem heutigen Museum Künstlerkolonie, kommt beides in voller Blüte zur Geltung. Es zeigt sehr schön, wie die Farbigkeit der Gartenterrasse vor dem flächigen Weiß des Gebäudes Kontraste setzt, wie die bunten Farbtupfer der Pflanzen und Bäume die Reinheit und Klarheit der Architektur verstärkt. Für Olbrich gehörte immer beides zusammen: das Gebäude und die Gestaltung seiner Umgebung. Dem Gartenarchitekten Olbrich und der großen Gartenkunst auf der Mathildenhöhe wird 23 Quer im Sommer 2020 folgen. Seien Sie also gespannt!

(Joseph Maria Olbrich: Aus einer Postkartenserie zur Hessischen Landesausstellung 1908)

Tierisch gut! Die andere Seite des F.W. Kleukens

Wenn man es nicht wüsste und er nicht jedes dieser amüsanten Kunstwerke signiert hätte, dann würde man ihn nie hinter diesen witzigen Postkarten vermuten, die Anfang des 20. Jahrhunderts der letzte Schrei waren und ihren Zeichner schlagartig bekannt machten: Friedrich Wilhelm Kleukens. Bevor der Illustrator nämlich 1906 an die Künstlerkolonie nach Darmstadt kam, um als Professor zu lehren und die Ernst Ludwig-Presse zu leiten, war er Gründungsmitglied einer jungen Kreativagentur, die damals die Branche aufmischte: die Steglitzer Werkstatt. Sie bestand nur kurz, von 1900 bis 1903, gilt jedoch als die erste Werbeagentur Deutschlands. Mit viel Witz und und Einfallsreichtum begründeten sie das, was sich später Reklame nennen sollte. Tierisch gut! Die andere Seite des F.W. Kleukens weiterlesen

„Es gibt eine innere und eine äußere Schönheit des Buches. Wenn die Druckgestaltung mit dem Text im rechten Einklang ist, wenn innere und äußere Form zusammengehen, entsteht ein Werk von unvergänglichem Wert, ein Kunstwerk, vollkommen wie ein Meisterwerk der Architektur.“

Christian H. Kleukens, Künstlerkolonie Darmstadt | Zum Portrait der Ernst Ludwig-Presse

Sanierung Haus Olbrich – jetzt auch unten ohne

Das Jahr 2020 ist für die Mathildenhöhe ein ganz besonderes Schaltjahr: Alles wartet gespannt auf die Entscheidung der UNESCO im Sommer – und bis dahin wird gründlich saniert. Denn das wird auf jeden Fall bleiben als Resultat der großen Anstrengung um die Auszeichnung als Weltkulturerbe: eine Künstlerkolonie, die so glänzt wie lange nicht mehr. Sie wird wohl zwar nie mehr ganz wie im Original von 1901 erstrahlen, aber immerhin fast. Sanierung Haus Olbrich – jetzt auch unten ohne weiterlesen

In Feierlaune: Karneval vor 120 Jahren

Karneval 1900 - Kuenstlerkolonie

Fast komplett sind sie hier zusammen zu sehen, die glorreichen Sieben des ersten Jahrgangs der Darmstädter Künstlerkolonie. Von links nach rechts amüsieren sich im Februar 1900 mehr oder weniger originell verkleidet Paul Bürck, Rudolf Bosselt, Hans Christiansen, Ludwig Habich, Peter Behrens und Patriz Huber. Da war der „Tempel der Arbeit“ auf der Mathildenhöhe, das Ernst-Ludwig-Haus mit seinen Ateliers, noch nicht fertig. So feierte man vor dem Porzellanschlösschen am Herrngarten, das anfangs als Arbeitsstätte diente.

Einer fehlt auf dem Bild: Joseph Maria Olbrich, der prägende Architekt der Künstlerkolonie und Primus inter Pares. Dieses Bild gibt also auch ein wenig Aufschluss über die Gruppendynamik der kreativen Geister. Dass er hier nicht mitfeiert, dürfe wohl kein Zufall sein, meinen manche Interpreten. Oder hat er das Bild gar geschossen?

(Quelle: Joseph Maria Olbrich, Ausstellungskatalog 2010, S. 158)

Daniel Greiner: Aus dem Busen der Mutter Natur

Jugenheim Greiner - Busenbrunnen

Einer der schönsten Brunnen aus der Hand eines Mitglieds der Künstlerkolonie steht nicht auf der Mathildenhöhe, sondern ganz versteckt in einem verwunschenen Garten in Jugenheim an der Bergstraße. Er stammt vom Bildhauer Daniel Greiner, der von 1903 bis 1906 der Darmstädter Gruppe angehörte und sicherlich einer der Ersten gewesen sein dürfte, der von den 1904 neu errichteten Bildhauerateliers an der nordöstlichen Seite des Ernst-Ludwig-Hauses profitiert hat. Daniel Greiner: Aus dem Busen der Mutter Natur weiterlesen