Wir sind Weltkulturerbe!

Eine ganze Stadt feiert ihre einzigartige Krone. Da holen ihre engen Freunde doch gleich den prickelnden Mathildensekt heraus und stoßen mit Freude und Stolz auf den Musenhügel und seine 23 Künstler an: Ein Prost auf die Schönheit und die Kunst, auf Jugendstil und die Moderne!

Das lange Warten hat ein Ende! Auf der 44. Sitzung der UNESCO fiel im chinesischen Fuzhou am 24. Juli 2021 endlich die Entscheidung:

Die Darmstädter Künstlerkolonie ist von außergewöhnlich universellem Wert für die Menschheit, sie ist Weltkulturerbe.

Herzlichen Glückwunsch, Du Schöne!


Foto: Claus Dieter Knöchel, Freunde der Mathildenhöhe e.V.

Die Spannung steigt!

Ganz Darmstadt fiebert mit, wenn Morgen im fernen China, in Fuzhou, die UNESCO über den Antrag entscheidet, die „Künstlerkolonie Darmstadt“ in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen. Um 11:30 Uhr wird Ortszeit Paris „Item 8“ des mehrtägigen UNESCO-Programms eröffnet: der „Nomination Process“. Über Darmstadt wird relativ am Anfang entschieden werden, da die Kandidaten von 2020 als Erstes an der Reihe sind. Ganz Darmstadt ist gespannt – und ganz besonders ein Verein: die Freunde der Mathildenhöhe Darmstadt e.V., deren erklärtes Hauptziel es bisher ist, „die Stadt Darmstadt zu unterstützen, das Ensemble Mathildenhöhe auf die UNESCO-Weltkulturerbeliste setzen zu lassen. Wir wollen die Idee des Welterbes in der Öffentlichkeit und die internationale Bedeutung der Mathildenhöhe im Bewusstsein der Bürger und Bürgerinnen stärken.“

„Mission accomplished!“ würde 23 Quer am Samstag, den 24. Juli 2021, gerne sagen und von Herzem gratulieren. Über viele Jahre hinweg hat der Verein aktiv die Stadt in ihrem Vorhaben unterstützt: koordinierend, beratend, begleitend, immer wieder Spenden sammelnd für viele Projekte, die dazu beigetragen haben, dass die Mathildenhöhe vor allen Dingen in ihren Außenanlagen und auf dem Platanenhain mit den vielen Skulpturen heute so saniert und gut geschützt glänzt. Der Verein, der an der Seite der Stadt den langen Weg zum Welterbeantrag gegangen ist, ist nun auch fast an der Ziellinie. Mit drei Mitgliedern hat 23 Quer vorab gesprochen:

Wie ist Ihre Gefühlslage im Moment so kurz vor der Welterbe-Entscheidung der UNESCO?“

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Unter dem Rosendom: Großherzogliche Gartenkunst

„Einen Rosengarten zu schaffen, wie man ihn in Deutschland noch nicht kannte“, das war die erklärte Absicht von Großherzog Ernst Ludwig, als er um 1900 ganz in der Nähe der Mathildenhöhe begann, einen englischen Landschaftsgarten, den er von Vater und Onkel geerbt hatte, auszubauen und zu gestalten. Die „Rosenhöhe“, die schon fast ein Jahrhundert so hieß, sollte ihrem Namen nun vollends gerecht werden. Ganz oben auf der Höhe des weitläufigen Geländes, das bis heute mit seinen uralten Baumriesen, den Mausoleen und den herrschaftlichen Gräbern der Großherzogsfamilien wie ein Ort fern von Raum und Zeit erscheint, fand er den geeigneten Ort für seine Pläne.

„Als Vorbild schwebte mir eine Anlage vor, die den Charakter der bezaubernden Rosengärten Italiens mit ihrer Blütenfülle und mit ihren Architektureinstreuungen mit dem Charakter der künstlerisch und blumenzüchterisch so hochstehenden Rosengärten Englands verbinden sollte.“

Man könnte sagen, was Joseph M. Olbrich in der Architektur mit seinen Künstlervillen auf der Mathildenhöhe machte, englische wie mediterrane Einflüsse zu verarbeiten und zu etwas Neuem zu verschmelzen, das gelang dem Darmstädter Großherzog auf dem ehemaligen „Busenberg“ der Stadt. Aus einem englischen Landschaftspark und Obstbaumkulturen, aus Stauden und Rosenanlagen entstand eine vollkommen neuartige Gartenlandschaft, die europaweit als Attraktion gepriesen wurde und sogar einen eigenen Namen bekam: der „Darmstädter Gartenstil“ war geboren.

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Lasst Blumen sprechen!

Es dauert nicht mehr lang: Nur noch wenige Wochen trennen Darmstadt von der großen Entscheidung mit seiner Künstlerkolonie Mathildenhöhe zum UNESCO Weltkulturerbe zu werden. Oder vielleicht doch nicht? Große Zuversicht wechselt sich mit unvermittelten Anflügen von leisem Zweifel. Wir, tatsächlich Welterbe? Aber sicher doch. Die Spannung steigt jedenfalls! Lenken wir uns also ein wenig ab und machen Pause – eine Blaupause.

Das „Blumenhaus“ von Joseph M. Olbrich – eine Blüte als Grundriss.
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Als die Moderne aufblitzte: Viele Funktionen unter einem expressiven Dach

Das Ernst Ludwig-Haus war von Beginn an ein faszinierendes Gebäude, aber auch ein widersprüchliches. Während die Südfassade gänzlich der Präsentation vorbehalten war mit dem vielen Gold an Fenster, Türen und Eingangsbogen, mit seinen monumentalen Treppen und den ebenso gewaltigen Kolossalfiguren, folgte die im kompletten Kontrast dazu stehende Nordfassade ganz den Bedürfnissen der Künstler in ihren Ateliers. Da gab es eine lange Reihe schräg stehender Oberlichter, was zu einem sehr expressiven Gebäudeprofil führte, sowie ein riesiges Atelierfenster in der Mitte mit nicht schöner, aber praktischer Anlieferungspforte unten. Es war ein konsequent funktionaler Bau.

Vielleicht hatte das Ernst Ludwig-Haus ursprünglich aber auch einfach zu viele Funktionen in einem zu erfüllen – als Repräsentationsgebäude der Kunst, als Atelierhaus mit Bildhauerwerkstatt, als festlicher Versammlungsort und Treffpunkt, als Verwaltungssitz und Wohnhaus für Künstler. Und wie wir es von den heute bekannten Multifunktionsgeräten im Büro kennen, sind diese immer ein Kompromiss. Sie können nicht alles gleich gut.

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Eine viel versprechende Fassade: Gold und Gloria für’s Ernst Ludwig-Haus

Heute vor exakt 120 Jahren war nicht nur das Wetter deutlich besser in Darmstadt, auch auf der Mathildenhöhe ging es an diesem Tag besonders festlich zu: Denn am 15. Mai 1901 wurde das Ernst Ludwig-Haus feierlich eingeweiht und zugleich die erste Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie eröffnet. Die lange Treppe hinauf zum weißen „Tempel der Arbeit“ wurde förmlich zu einer Prozessionsstraße über die man nach dem Ende des feierlichen Weihespiels gemeinsam hinaufzog zum ganz in Gold glänzenden Eingang: vorbei an kolossalen Figuren aus Stein links und rechts, unter goldenen Lorbeerkränzen durchschreitend, die zwei schmale Damen aus Bronze über die Köpfe der Eintretenden hielten, hinein in den „heiligen Schrein“. Denn so muss es allen Beteiligten an jenem herrlichen Frühlingstag vorgekommen sein: Als habe man einem Gottesdienst beigewohnt und betrete nun das Allerheiligste.

Was für eine Pracht!

Die Südfassade des Ernst Ludwig-Hauses verschlägt einem bis heute den Atem. Soviel Pracht, soviel Gold, soviel Schönheit! Dabei wirkt der so überreich dekorierte Eingang überraschenderweise keinesfalls überladen. Vielmehr ist er der passende Kontrast zu der ansonsten flächig weißen, relativ schmucklosen Fassade des insgesamt 55 Meter langen Gebäuderiegels. Alles ist im Gleichgewicht, „in ein inniges Verhältnis gebracht“, das stellte selbst einer von Joseph Olbrichs schärfsten Kritikern, Felix Commichau, 1901 anerkennend fest.

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Ansichtssache: Schöner Wohnen im Souterrain

Hier in diesem Gebäude, das allüberall vom Licht beglänzt und von frischer Luft umweht wird, ist die Anlage eines solch düsteren, dumpfigen Tunnels unbegreiflich.

Ganz schön kritische Worte! Sie gelten dem Untergeschoss des Ernst Ludwig-Hauses und sind in einem dicken Ausstellungsband zu finden, in dem der bekannte Verleger von Kunstzeitschriften, Alexander Koch, 1901 bereits die Darmstädter Premiere zusammenfasste, vorstellte und bewertete. Olbrich was not amused! Doch diese herbe Kritik an seinem an anderer Stelle absolut genialen Ernst Ludwig- Haus muss er sich bis heute gefallen lassen. Denn während man einen Stockwerk höher über einen von vielen Fenstern gesäumten, außen liegenden, hellen Korridor die Ateliers erreicht, erfolgt die Anbindung der unteren Zimmer über einen fensterlosen Flur, der sich im Inneren fast über die ganze Länge des Ateliergebäudes zieht. Durch eine Eingangstür an der östlichen Schmalseite des Gebäudes erhält man Zugang zu dem Flur und seinen an ihm liegenden Räumen.

Von innen war der Zugang 1901 nur über eine äußerst enge Treppe möglich, die unter der Galerie der zentralen Halle seitlich auf kleinstem Raum eingepasst, man ist fast versucht zu sagen „reingequetscht“, wurde. In den Plänen ist sie ursprünglich noch als Wendeltreppe gezeichnet, ausgeführt wurde später eine zweiläufige Stufentreppe. Eine Lösung, die Felix Commichau in seiner Besprechung maßlos enttäuschte:

Von diesem Vor-Raum aus gelangt man zur Treppe, die zum Erd-Geschoss hinunterführt; diese ist unglaublich schmal und erhält zudem weder von unten noch von oben direktes Licht. […]

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Wunderschön unpraktisch: Das Ernst Ludwig-Haus als Atelier und Werkstatt

Eines muss man den ersten sieben der Darmstädter Künstlerkolonie ja lassen: Sie waren unglaublich fleißig – Workaholics würde man sie heute wohl nennen. Was diese sieben kreativen Köpfe von ihrer Gründung als künstlerische Arbeitsgemeinschaft, die sich im Wesentlichen in den Sommermonaten des Jahres 1899 vollzog, bis zur Eröffnung der ersten Ausstellung der Künstlerkolonie am 15. Mai 1901 auf die Beine stellten, war gewaltig. Vielleicht half ihnen bei ihrem enormen Arbeitspensum ja auch die Aussicht auf ein außergewöhnliches Ateliergebäude: das Ernst Ludwig-Haus. Als Tempel der Arbeit thronte es über allem, lud ein zum täglichen Gottesdienst des Gestaltens, will man die schwülstig-pathetischen Reden und das Weihespiel beim Worte nehmen, mit denen es eröffnet wurde.

Großbaustelle Künstlerkolonie: Das Ernst Ludwig-Haus wird auf dem Hügel errichtet.

Ganz so heilig ging es im Alltag dort oben dann wohl doch nicht zu. Schließlich handelte es sich um einen Funktionsbau, in dem die Ateliers der Künstler die wichtigste Rolle spielten. Von Anfang an, bereits vom großherzoglichen Förderer Ernst Ludwig, war solch ein Künstlerheim für die Mitglieder der Künstlerkolonie vorgesehen. Die Umsetzung erfolgte im Eiltempo:  Im Herbst 1899 legte der von Wien nach Darmstadt berufene Architekt Joseph Maria Olbrich los, Ende des Jahres standen bereits die Entwurfspläne und am 24. März 1900 war schon die Grundsteinlegung zu dem weißen Gebäuderiegel, der künftigen Schaltzentrale der Künstlerkolonie.

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Ein Bild von der Moderne: das Ernst Ludwig-Haus

Hocherfreulich ist die formale Ausgestaltung des Gebäudes nach dem Hauptplatze zu. Innerhalb aller Schöpfungen der sogenannten „modernen“ Architektur, stellt sie sich als eine hervorragende Leistung dar, und ist ohne Zweifel das beste, reifste, was Olbrich bisher geschaffen. Die große Front ist von wohltuendem Ebenmaasse. Grosse, stille Ruhe, schwungvolle energische Bewegung sind gegeneinander mit überraschender Sicherheit abgewogen und in ein inniges Verhältnis gebracht.

Die Zeilen, 1901 geschrieben, haben auch heute ihre Gültigkeit nicht verloren. Sie stammen von Felix Commichau, der Autor vieler Texte im Katalog zur ersten Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt ist, und mit Kritik an anderer Stelle wahrlich nicht sparte. Doch der Südfassade des zentralen Ateliergebäudes der Künstlerkolonie Darmstadt schenkte der Architekturkritiker seinen uneingeschränkten Respekt und Anerkennung.

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Frühlingsgefühle für die Hoetger-Plastiken: Alles bereit und ausgepackt!

Pünktlich zu Ostern zeigt sich der Platanenhain in seinem schönsten Frühlingskleid. Bis vor wenigen Tagen noch waren die freistehenden Skulpturen des Geländes winterdicht verpackt, jede von einem eigenen kleinen Häuschen aus Holz umhüllt. Eben noch vor hartem Winterfrost geschützt sind sie nun wieder in ihrer ganzen Schönheit und Kunstfertigkeit zu bewundern: die sieben Krugträgerinnen der Nordwand, die zehn Löwenvasen der Südseite sowie die vier Schakalvasen aus Guss-Stein im Westen. Insgesamt 21 Skulpturen gilt es jedes Jahr im Herbst zu verhüllen und im Frühjahr wieder zu befreien von ihrem schützenden Winterhaus.

Das Gesamtkunstwerk aus den Händen des Bildhauers Bernhard Hoetger umfasst noch acht weitere Objekte: drei Frauenskulpturen, die sich zur „Brunnengruppe“ vereinen, die vier Reliefbilder in den Ecken des Hains sowie das zentrale Denkmal der sterbenden Mutter mit Kind. Eine monumentale Installation von Kunst im Freien, die besonderen Schutz Bedarf.

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Skulptur vom Ende und Anfang: Mutter und Kind

Das ewige Vergehen und Entstehen von Leben versinnbildlicht wohl kaum eine Figur schmerzlicher und eindrücklicher als die einer sterbenden Mutter mit ihrem soeben geborenen Kind. Vor allen Dingen, wenn das Bild auch noch einen wahren Kern besitzt wie auf der Mathildenhöhe. Mutter und Kind der Großplastik im Platanenhain stellen die Künstlerin Paula Modersohn-Becker dar, die 1907 mit gerade 31 Jahren kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes starb. Sie war eine enge Freundin des Bildhauers Bernhard Hoetger aus seinen Pariser Zeiten. Durch sie wurde er mit der Künstlerkolonie Worpswede bekannt. Die Skulptur der sterbenden Mutter mit Kind hat Hoetger dort auch für ihr Grabmal gestaltet. Während sie in seinem späteren Wohnort an eine Tote erinnerte, feierte er mit ihr in Darmstadt zur Künstlerkolonie-Ausstellung von 1914 das Leben.

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Die TET-Stadt: Hoetgers ägyptisch inspirierte Monumental-Utopie

Für ein Kuriosum in der Architekturgeschichte sorgte Künstlerkolonist Bernhard Hoetger nur wenige Jahre nach seiner Zeit auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Dem Keksfabrikanten Hermann Bahlsen entwarf er mitten im Ersten Weltkrieg ein monumentales Stadtviertel für Hannover, das mit dem Bauelementen aus dem Land der Pharaonen spielte, geweiht der einzigartigen Göttin des TET, dem Markenzeichen der Firma.

TET steht für eine ägyptische Hieroglyphe, die sich aus den drei Zeichen für Kobra, Brotlaib und Erde zusammensetzt und „ewig dauernd“ bedeutet. Diese Kartusche hatte sich die Firma Bahlsen 1903 als trendiges Markenzeichen für ihr ausgesprochen haltbares Buttergebäck eintragen lassen, das anfangs noch „Leibniz Cakes“ hieß. Später wurde es in das lautsprachlich gleiche „Leibniz Keks“ umgewandelt, und verhalf damit einer ganzen Backwarengattung zu ihrem deutschen Namen. Die ägyptische Kartusche mit dem TET ziert bis heute die Butterkekse von Bahlsen und auch das Firmenlogo.

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Ägyptomania auf dem Platanenhain oder Echnaton lässt grüßen

Ägyptisches war wieder schwer in Mode als sich Bernhard Hoetger um 1912 an die Gestaltung des Platanenhains auf der Mathildenhöhe machte. Vom Ägyptischen Hocker, den man bei Ausgrabungen gefunden hatte, waren die Möbeldesigner der Zeit sehr angetan und adaptierten den historischen Entwurf für ihre eigenen Stühle. Juweliere ließen sich für ihre Kollektionen vom farbenfrohen ägyptischen Schmuck inspirieren, und mit ägyptischen Ausdruckstänzen, die die Posen auf den Reliefs der alten Ägypter imitierten, unterhielt man das zeitgenössische Publikum. Schauriges von Mumien beschäftigte die Öffentlichkeit, und die Entdeckung Nofretetes im Dezember 1912 sorgte weithin für Aufsehen.

Für seinen Themenpark zum ewigen Kreislauf des Lebens bediente sich Hoetger bei vielen Kulturen und Zeiten, und natürlich durften auch die Pharaonen vom Nil hier nicht fehlen. Insbesondere Echnaton, der zu dieser Zeit in Europa wiederentdeckt wurde und dessen Tontafelarchiv komplett übersetzt war, hatte es ihm angetan.

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„Auferstehung“: Und alles beginnt wieder von vorn

Auferstehung hat Bernhard Hoeger das vierte seiner eindrücklichen Reliefbilder auf dem Platanenhain genannt. Sie ist an diesem Punkt des monumentalen Raumprogramms jedoch alles andere als christlich gemeint. Diese Auferstehung hier ist dem Pantheismus geweiht, der das Göttliche in der Natur feiert.

Dem Kreislauf des Lebens, dem Werden, Blühen, Altern, Vergehen und Neuerstehen alles Seienden ist das Werk gewidmet: Die Unzerstörbarkeit des Lebens im Wandel seiner Erscheinungsformen ist dieser Weisheit Anfang und Ende.

Hans Hildebrandt, 1915
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Nichts mit kostümieren und maskieren, nichts mit feiern und tanzen. Das große Fest all derer, die sich gerne verkleiden, fällt dieses Jahr aus. Auch Ernst Ludwig, der großherzogliche Kopf hinter der Mathildenhöhe, wäre sicher enttäuscht gewesen. Denn Anfang des Jahres war auch immer die große Saison der Kostümfeste am Hof von Darmstadt. Was sein Vater Ludwig IV. begann – etwa mit einem Kostümfest 1891 im Hoftheater, das Ernst Ludwig einfallsreich zu dekorieren half – setzte er als Regent mit Begeisterung fort.

Viele Festlichkeiten habe ich mit der Zeit gemacht

Dabei stand Ernst Ludwig als Finanzier und Ausrichter der Feste nicht nur im Hintergrund. Nein, er brachte sich ganz aktiv in deren Gestaltung und Programm ein.

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Winterlandschaft mit Schnee und Schwänen

Im Winter zeigt sich einer der der schönsten Eingänge auf das Plateau der Mathildenhöhe in seiner ganzen Pracht: Dann verdeckt ihn kein Blattwerk und der Blick ist frei auf den „Keramischen Pavillon“. Seinen Namen hat er von den mattbraunen Keramikreliefs mit ausgesprochen winterharten Blüten, die insgesamt acht Doppelsäulen zieren. Unter seinem zweiten Namen ist er noch viel bekannter: „Schwanentempel“. Denn über den Säulen erhebt sich jeweils ein rechteckiges Kapitell mit einem weißen Schwanenrelief – dem Tier, das Reinheit und Schönheit symbolisiert.

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„Meine Mathildenhöhe“: Flanieren mit Peter Engels

Der langjährige Leiter des Darmstädter Stadtarchivs hat schon aus beruflichen Gründen den einen oder anderen Ortstermin auf der Mathildenhöhe. Doch sowohl privat als auch sportlich gibt es überraschende Schnittmengen wie ein Gespräch mit Peter Engels zeigt. Mit ihm, dem Vorsitzenden des Historischen Vereins für Hessen und dem Herausgeber des Darmstädter Stadtlexikons, setzt 23 Quer seine Rubrik „Meine Mathildenhöhe“ fort. Hier erzählen Menschen, die die Mathildenhöhe prägen, begleiten und für sie an den unterschiedlichsten Stellen wirken, ihre ganz persönlichen Geschichten zu diesem ganz besonderen Stück Darmstadt. Gemeinsam mit ihnen flanieren wir über den  Musenhügel. Drei Orte, drei Stopps, drei Geschichten. Los geht’s!

Stopp 1: Am Ende des Platanenhains auf der Terrasse
Der zartblaue Winterhimmel hat es gut gemeint: Es ist Mittagszeit und wir treffen uns zu einem „Outdoor-Coffee“ der traditionellen Art im weiten Platanenhain: Der frisch aufgebrühte Kaffee dampft aus der Thermoskanne, Milch und Zucker sind verrührt und nichts steht einem persönlichen Gespräch im Lockdown-Modus entgegen. Wo könnte man das auch besser zelebrieren als zwischen diesen altehrwürdigen Baumreihen?

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Geburt einer Schönheit: Die Künstlerkolonie oder am Anfang war das Wort

Während alle Welt, zumindest die christliche, im Monat Dezember bis 24 zählt, legt 23 Quer bereits heute, einen Tag vor Heiligabend, einen Stopp ein, um ebenfalls von einer Geburt und Aufbruch zu etwas ganz Neuem zu berichten. Denn nichts anderes bedeutete die Gründung der Künstlerkolonie im Jahre 1899 in Darmstadt. Mit ihr heiligte man der Schönheit des Lebens und der Kunst. Das Ateliergebäude war ein Musentempel, der über allem thronte und den man zur Eröffnung so feierlich wie eine Kirche weihte. Ein Hauch von Göttlichem schwebte anfangs über Allem, zelebriert mit einer gehörigen Portion Pathos.

Wenn wir den Blick auf die geistigen Väter und Verkünder der Künstlerkolonie richten, dann fallen vor allen Dingen zu Beginn ganz weltliche Argumente.

„Denn was heute nicht geschieht, kann morgen schon unmöglich sein.“

(Alexander Koch)

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