Schlagwort-Archive: Ernst Ludwig

Denkmal Hochzeitsturm: Fünf Finger Forever

Die Überraschung war auch für den Gastgeber eine große: Mit einem Modell der kompletten Anlage ganz aus köstlichem Fruchteis feierten Freunde und Mitarbeiter Anfang 1906 im Haus Olbrich die Genehmigung der eingereichten Pläne im Maßstab 1:100 durch die städtischen Gremien. Denn für den leitenden Architekten der Künstlerkolonie Darmstadt und sein Büro war dies der Startschuss zum Bau von Hochzeitsturm und neuem Ausstellungshaus – und definitiv eine riesige Eistorte wert. Es war auch einfach zum Dahinschmelzen: Ihnen war gelungen, eine Mehrheit von 28 gegenüber 10 Stimmen der Stadtverordneten von ihrem Entwurf für dieses bis dahin größte Bauprojekt auf der Mathildenhöhe zu überzeugen. Der Trick dabei: Offiziell erfolgte die Kommunikation sowie die Übergabe der von Olbrich vollständig überarbeiteten städtischen Entwürfe nur durch den Großherzog Ernst Ludwig persönlich. Nur seine Wünsche für diesen Bau wollte man seitens der Stadt erfüllen, schließlich war er der Beschenkte.

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„Wir danken Euch allen!“ 23 Köpfe und ihr Weg in die Moderne. Ein Portrait.

Die Mathildenhöhe Darmstadt ist seit dem 24. Juli 2021 UNESCO Weltkulturerbe. Die Stadtkrone hat es sich verdient, allein schon wegen ihrer besonderen Schönheit und Erhabenheit. Doch damit hat sie sich nicht beworben, auch nicht wegen ihrer Verdienste um den Jugendstil, obwohl sie diese zweifelsohne hat. Mit dem Ehrentitel ausgezeichnet wurde der Musenhügel wegen der innovativen Leistungen seiner Künstler, in deren Werken die Welt dem Zeitgeist um 1900 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in unglaublich vielen Facetten künstlerischen Schaffens nachspüren kann. Von Architektur und Gartenbau, von Möbeln bis zur Innendekoration, von Keramik, Schmuck bis zu Geschirr und Besteck, von Theaterkulissen bis zum Buchdruck. Wer waren diese kreativen Köpfe? Was für ein Gebilde war sie eigentlich genau, die „Künstlerkolonie Darrmstadt auf der Mathildenhöhe“, die den argumentativen Kern der UNESCO Bewerbung ausgemacht hat?

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Unter dem Rosendom: Großherzogliche Gartenkunst

„Einen Rosengarten zu schaffen, wie man ihn in Deutschland noch nicht kannte“, das war die erklärte Absicht von Großherzog Ernst Ludwig, als er um 1900 ganz in der Nähe der Mathildenhöhe begann, einen englischen Landschaftsgarten, den er von Vater und Onkel geerbt hatte, auszubauen und zu gestalten. Die „Rosenhöhe“, die schon fast ein Jahrhundert so hieß, sollte ihrem Namen nun vollends gerecht werden. Ganz oben auf der Höhe des weitläufigen Geländes, das bis heute mit seinen uralten Baumriesen, den Mausoleen und den herrschaftlichen Gräbern der Großherzogsfamilien wie ein Ort fern von Raum und Zeit erscheint, fand er den geeigneten Ort für seine Pläne.

„Als Vorbild schwebte mir eine Anlage vor, die den Charakter der bezaubernden Rosengärten Italiens mit ihrer Blütenfülle und mit ihren Architektureinstreuungen mit dem Charakter der künstlerisch und blumenzüchterisch so hochstehenden Rosengärten Englands verbinden sollte.“

Man könnte sagen, was Joseph M. Olbrich in der Architektur mit seinen Künstlervillen auf der Mathildenhöhe machte, englische wie mediterrane Einflüsse zu verarbeiten und zu etwas Neuem zu verschmelzen, das gelang dem Darmstädter Großherzog auf dem ehemaligen „Busenberg“ der Stadt. Aus einem englischen Landschaftspark und Obstbaumkulturen, aus Stauden und Rosenanlagen entstand eine vollkommen neuartige Gartenlandschaft, die europaweit als Attraktion gepriesen wurde und sogar einen eigenen Namen bekam: der „Darmstädter Gartenstil“ war geboren.

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Eine viel versprechende Fassade: Gold und Gloria für’s Ernst Ludwig-Haus

Heute vor exakt 120 Jahren war nicht nur das Wetter deutlich besser in Darmstadt, auch auf der Mathildenhöhe ging es an diesem Tag besonders festlich zu: Denn am 15. Mai 1901 wurde das Ernst Ludwig-Haus feierlich eingeweiht und zugleich die erste Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie eröffnet. Die lange Treppe hinauf zum weißen „Tempel der Arbeit“ wurde förmlich zu einer Prozessionsstraße über die man nach dem Ende des feierlichen Weihespiels gemeinsam hinaufzog zum ganz in Gold glänzenden Eingang: vorbei an kolossalen Figuren aus Stein links und rechts, unter goldenen Lorbeerkränzen durchschreitend, die zwei schmale Damen aus Bronze über die Köpfe der Eintretenden hielten, hinein in den „heiligen Schrein“. Denn so muss es allen Beteiligten an jenem herrlichen Frühlingstag vorgekommen sein: Als habe man einem Gottesdienst beigewohnt und betrete nun das Allerheiligste.

Was für eine Pracht!

Die Südfassade des Ernst Ludwig-Hauses verschlägt einem bis heute den Atem. Soviel Pracht, soviel Gold, soviel Schönheit! Dabei wirkt der so überreich dekorierte Eingang überraschenderweise keinesfalls überladen. Vielmehr ist er der passende Kontrast zu der ansonsten flächig weißen, relativ schmucklosen Fassade des insgesamt 55 Meter langen Gebäuderiegels. Alles ist im Gleichgewicht, „in ein inniges Verhältnis gebracht“, das stellte selbst einer von Joseph Olbrichs schärfsten Kritikern, Felix Commichau, 1901 anerkennend fest.

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Nichts mit kostümieren und maskieren, nichts mit feiern und tanzen. Das große Fest all derer, die sich gerne verkleiden, fällt dieses Jahr aus. Auch Ernst Ludwig, der großherzogliche Kopf hinter der Mathildenhöhe, wäre sicher enttäuscht gewesen. Denn Anfang des Jahres war auch immer die große Saison der Kostümfeste am Hof von Darmstadt. Was sein Vater Ludwig IV. begann – etwa mit einem Kostümfest 1891 im Hoftheater, das Ernst Ludwig einfallsreich zu dekorieren half – setzte er als Regent mit Begeisterung fort.

Viele Festlichkeiten habe ich mit der Zeit gemacht

Dabei stand Ernst Ludwig als Finanzier und Ausrichter der Feste nicht nur im Hintergrund. Nein, er brachte sich ganz aktiv in deren Gestaltung und Programm ein.

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Geburt einer Schönheit: Die Künstlerkolonie oder am Anfang war das Wort

Während alle Welt, zumindest die christliche, im Monat Dezember bis 24 zählt, legt 23 Quer bereits heute, einen Tag vor Heiligabend, einen Stopp ein, um ebenfalls von einer Geburt und Aufbruch zu etwas ganz Neuem zu berichten. Denn nichts anderes bedeutete die Gründung der Künstlerkolonie im Jahre 1899 in Darmstadt. Mit ihr heiligte man der Schönheit des Lebens und der Kunst. Das Ateliergebäude war ein Musentempel, der über allem thronte und den man zur Eröffnung so feierlich wie eine Kirche weihte. Ein Hauch von Göttlichem schwebte anfangs über Allem, zelebriert mit einer gehörigen Portion Pathos.

Wenn wir den Blick auf die geistigen Väter und Verkünder der Künstlerkolonie richten, dann fallen vor allen Dingen zu Beginn ganz weltliche Argumente.

„Denn was heute nicht geschieht, kann morgen schon unmöglich sein.“

(Alexander Koch)

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„Etwas Sonniges“ oder der Beginn einer ganz besonderen Beziehung

Jetzt im Sommer ist Zeit für die sonnigen Themen. Und davon gibt es auf der Mathildenhöhe einige. Auch für die Geburtsstunde der Künstlerkolonie sollten sie eine entscheidende Rolle spielen. 1898 hatte der Darmstädter Kunstverleger Alexander Koch einige Zeichnungen von Joseph Maria Olbrich veröffentlicht. Diese sah zufällig auch der junge Großherzog Ernst Ludwig. Er schildert diesen Moment und den Beginn ihrer ganz besonderen Beziehung sehr anschaulich in seinen Memoiren:

Ich sah seine Zeichungen für die Sezessions-Ausstellung in Wien, ganz persönlich und anders als die damalige Richtung.

Ich fühlte sofort, da ist etwas Frisches und zu mir Passendes, etwas Sonniges, was ich bei allen anderen nicht spürte.

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Im Zeichen der Rose: Im Dunkel der Nacht auf den Hochzeitsturm von Darmstadt

Nachtfuehrung 14 Feb 2020 Der Kuss mit RoseNicht oft hat man Gelegenheit, die Prachträume des Hochzeitsturms in Darmstadt von Innen zu sehen. Schließlich heiratet man auch nicht alle Tage, denn nur Hochzeitspaare und deren Gäste kommen ansonsten in den Genuss, die heiligen Hallen zu betreten und sich im Zimmer der Großherzogin unter einer mächtigen Decke in Gold trauen zu lassen. Wer zu den normalen Öffnungzeiten auf die Aussichtsplattform steigt oder fährt, der kann zwar durch eine Glastür einen Blick hineinwerfen, aber eben nicht hineingehen. Es sei denn, man kommt zu einer der Sonderführungen des Förderkreises Hochzeitsturm. Etwas ganz Spezielles und erst seit Kurzem im Programm sind die Nachtführungen. Dann schimmert alles im Schein der vielen Lichter, liegt über der prunkvollen Innenausstattung ein besonderer Glanz. Im Zeichen der Rose: Im Dunkel der Nacht auf den Hochzeitsturm von Darmstadt weiterlesen

Ernst Ludwig war eine ungewöhnlich … charaktervolle Persönlichkeit. Künstler und Dilettant, nämlich Liebhaber aller Künste von Haus, leistete er auch das Kunstwerk, zugleich englisch-europäischer Gentleman und deutscher Patriot zu sein, ohne Krampf und Mühe, auf das allernatürlichste. Von Nationalismus kein Hauch… (Golo Mann)

Ja, diese Spezies gibt es heute eher selten: Nach englisch-europäischen Gentlemen muss man nowadays etwas länger suchen. Auch nationalistische Töne schlagen allerortens wieder stärker durch, nicht nur auf der Brexit-Insel, sondern auch hier und da auf dem gemeinschaftlich vereinten EU-Kontinent. Bye, Bye, Britannia. Was würde Ernst Ludwig, der letzte Monarch von Hessen-Darmstadt, wohl dazu sagen? Ein englisch-europäischer Gentleman weiterlesen