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Times they are a changin: Osthang Gestern – Heute

Schieben Sie sich mit den Pfeilen einfach von 1908 ins Jahr 2021 (Bild: Claus Dieter Knöchel) und zurück.

Na, erkennen Sie die Mathildenhöhe wieder? Die historische Aufnahme zeigt den Osthang, wie er sich im Sommer 1908 den Besuchern der Hessischen Landesausstellung für Freie und Angewandte Kunst präsentierte. Der Blick führt den heutigen Olbrichweg hinunter. Der endete damals ganz unten am Ausstellungsgebäude für Architektur, dem östlichen Abschluss des Ausstellungsgeländes. Heute ist dort eine Straßenkreuzung, die auf den vielbefahrenen Fliederweg führt. Rechts erkennen wir auch in der zeitgenössischen Aufnahme ganz oben einen Teil des Oktogons wieder sowie das „Ober-Hessische Ausstellungshaus“ von Olbrich. Weiter unten sehen wir in beiden Bildern ebenfalls das damalige „Haus Prof. Sutter“, eine der insgesamt drei großbürgerlichen Villen der rechten Straßenseite.

Links passierte man 1908 den südlichen Flügel des Ausstellungsgebäudes für angewandte Kunst sowie die luftige Ladengalerie, die sich mit ihrem halbrunden Ende in die Straßenfront schob. Sämtliche Gebäude zur Linken sowie der Architekturbau unten waren Entwürfe von Albinmüller, von Anfang an als temporäre Bauten konzipiert. Dass sie heute dort nicht mehr stehen, war daher auch kein Hindernis bei der Bewerbung um die Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe, bei der die Unversehrtheit ein entscheidendes Kriterium ist.

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Ein Spaziergang in Bildern: Albinmüllers Osthang von 1908

23 Quer möchte Sie heute einladen zu einem Spaziergang durch die Ausstellung von 1908. In diesem Jahr präsentierte sich nicht mehr die Künstlerkolonie dem Publikum wie noch 1901 und 1904. Das Ernst Ludwig-Haus und die berühmten Künstlervillen waren sogar explizit ausgeschlossen vom Ausstellungsgelände, wie ein Blick auf den historischen Plan zeigt. Stattdessen bot sich den Besuchern auf der Mathildenhöhe eine vollkommen neue Ausstellung, die sich in ihrer Ausrichtung gegenüber 1901 komplett um 90 Grad gewendet hatte und nicht mehr entlang einer Achse von Süd nach Nord auf das Ernst Ludwig-Haus zu, sondern von Westen nach Osten über den ganzen Hügel lief. Mittelpunkt und absoluter Blickfang war der neue Hochzeitsturm mit Ausstellungsgebäude. Doch auch insgesamt hatte sich viel getan, insbesondere der vom Architekten Albinmüller gestaltete Osthang bildete einen weiteren Schwerpunkt der Landesausstellung für Freie und Angewandte Kunst von 1908.

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Denkmal Hochzeitsturm: Fünf Finger Forever

Die Überraschung war auch für den Gastgeber eine große: Mit einem Modell der kompletten Anlage ganz aus köstlichem Fruchteis feierten Freunde und Mitarbeiter Anfang 1906 im Haus Olbrich die Genehmigung der eingereichten Pläne im Maßstab 1:100 durch die städtischen Gremien. Denn für den leitenden Architekten der Künstlerkolonie Darmstadt und sein Büro war dies der Startschuss zum Bau von Hochzeitsturm und neuem Ausstellungshaus – und definitiv eine riesige Eistorte wert. Es war auch einfach zum Dahinschmelzen: Ihnen war gelungen, eine Mehrheit von 28 gegenüber 10 Stimmen der Stadtverordneten von ihrem Entwurf für dieses bis dahin größte Bauprojekt auf der Mathildenhöhe zu überzeugen. Der Trick dabei: Offiziell erfolgte die Kommunikation sowie die Übergabe der von Olbrich vollständig überarbeiteten städtischen Entwürfe nur durch den Großherzog Ernst Ludwig persönlich. Nur seine Wünsche für diesen Bau wollte man seitens der Stadt erfüllen, schließlich war er der Beschenkte.

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Ab jetzt wird alles anders

1908 bildet einen Meilenstein in der Geschichte der Mathildenhöhe. Die Stadtkrone entsteht mit Hochzeitsturm und neuem Ausstellungsgebäude: Joseph M. Olbrichs letzte Entwürfe für Darmstadt, die er wie so oft auch jetzt in bezaubernden Aquarellen festhält. Albin Müller wird in diesem Jahr neuer Chefarchitekt, ihm zur Seite steht weiterhin der Bildhauer Heinrich Jobst. Drei der sieben Künstler sind zudem gleichzeitig auch Firmenchefs. Die nächste Generation der Künstlerkolonie Darmstadt läuft zu großer Form auf.

Sie gestalten ein riesiges Ausstellungsareal, das sich von West nach Ost über den gesamten Musenhügel zieht. Vieles davon war nur für einen Sommer gebaut. Umso schöner anzusehen sind die historischen Bilder von der Hessischen Landesausstellung für Freie und Angewandte Kunst, die sich erstmals mit ihrer Schauseite zur Stadt präsentierte und die der Mathildenhöhe ein gänzlich neues Gesicht gab. Ihr schönstes, was nicht Wenige bis heute zur äußerst stimmigen städtebaulichen Anlage von 1908 sagen.

Ab dem 3. September hier zu lesen auf 23 Quer!

Welch ein grandioser Aufstieg, was für ein abruptes Ende! Er ist gerade 40 Jahre alt, hat eben einige seiner schönsten und reifsten Bauten errichtet, da rafft ihn eine Leukämie innerhalb weniger Tage in Düsseldorf dahin. Joseph M. Olbrich stirbt am frühen Samstagnachmittag des 8. August 1908. Der vor Energie und Einfallsreichtum nur so sprühende Architekt des frühen 20. Jahrhunderts und der kreative Kopf hinter der ersten Bauausstellung der Welt, der der Künstlerkolonie von 1901 in Darmstadt, ist tot. Für alle, auch seine schärfsten Kritiker, ist die Nachricht unfassbar.

Joseph M. Olbrich um 1907/1908

Zum heutigen Todestag von Joseph M. Olbrich möchte 23 Quer eines Manns gedenken, der sich immer zuerst als Künstler sah und trotz aller moderner und funktionaler Züge in seinem unglaublich reichen Werk nie Massenware, sondern immer Unikate mit einer ganz eigenen Handschrift schuf – darunter viele Meisterwerke der modernen Architektur. Sie sind alle unverwechselbar Olbrich, so auch seine Bauten auf der Mathildenhöhe.

Tragödie: „Der größte von allen blieb Olbrich“ weiterlesen

„Wir danken Euch allen!“ 23 Köpfe und ihr Weg in die Moderne. Ein Portrait.

Die Mathildenhöhe Darmstadt ist seit dem 24. Juli 2021 UNESCO Weltkulturerbe. Die Stadtkrone hat es sich verdient, allein schon wegen ihrer besonderen Schönheit und Erhabenheit. Doch damit hat sie sich nicht beworben, auch nicht wegen ihrer Verdienste um den Jugendstil, obwohl sie diese zweifelsohne hat. Mit dem Ehrentitel ausgezeichnet wurde der Musenhügel wegen der innovativen Leistungen seiner Künstler, in deren Werken die Welt dem Zeitgeist um 1900 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in unglaublich vielen Facetten künstlerischen Schaffens nachspüren kann. Von Architektur und Gartenbau, von Möbeln bis zur Innendekoration, von Keramik, Schmuck bis zu Geschirr und Besteck, von Theaterkulissen bis zum Buchdruck. Wer waren diese kreativen Köpfe? Was für ein Gebilde war sie eigentlich genau, die „Künstlerkolonie Darrmstadt auf der Mathildenhöhe“, die den argumentativen Kern der UNESCO Bewerbung ausgemacht hat?

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Wir sind Weltkulturerbe!

Eine ganze Stadt feiert ihre einzigartige Krone. Da holen ihre engen Freunde doch gleich den prickelnden Mathildensekt heraus und stoßen mit Freude und Stolz auf den Musenhügel und seine 23 Künstler an: Ein Prost auf die Schönheit und die Kunst, auf Jugendstil und die Moderne!

Das lange Warten hat ein Ende! Auf der 44. Sitzung der UNESCO fiel im chinesischen Fuzhou am 24. Juli 2021 endlich die Entscheidung:

Die Darmstädter Künstlerkolonie ist von außergewöhnlich universellem Wert für die Menschheit, sie ist Weltkulturerbe.

Herzlichen Glückwunsch, Du Schöne!


Foto: Claus Dieter Knöchel, Freunde der Mathildenhöhe e.V.

Die Spannung steigt!

Ganz Darmstadt fiebert mit, wenn Morgen im fernen China, in Fuzhou, die UNESCO über den Antrag entscheidet, die „Künstlerkolonie Darmstadt“ in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen. Um 11:30 Uhr wird Ortszeit Paris „Item 8“ des mehrtägigen UNESCO-Programms eröffnet: der „Nomination Process“. Über Darmstadt wird relativ am Anfang entschieden werden, da die Kandidaten von 2020 als Erstes an der Reihe sind. Ganz Darmstadt ist gespannt – und ganz besonders ein Verein: die Freunde der Mathildenhöhe Darmstadt e.V., deren erklärtes Hauptziel es bisher ist, „die Stadt Darmstadt zu unterstützen, das Ensemble Mathildenhöhe auf die UNESCO-Weltkulturerbeliste setzen zu lassen. Wir wollen die Idee des Welterbes in der Öffentlichkeit und die internationale Bedeutung der Mathildenhöhe im Bewusstsein der Bürger und Bürgerinnen stärken.“

„Mission accomplished!“ würde 23 Quer am Samstag, den 24. Juli 2021, gerne sagen und von Herzem gratulieren. Über viele Jahre hinweg hat der Verein aktiv die Stadt in ihrem Vorhaben unterstützt: koordinierend, beratend, begleitend, immer wieder Spenden sammelnd für viele Projekte, die dazu beigetragen haben, dass die Mathildenhöhe vor allen Dingen in ihren Außenanlagen und auf dem Platanenhain mit den vielen Skulpturen heute so saniert und gut geschützt glänzt. Der Verein, der an der Seite der Stadt den langen Weg zum Welterbeantrag gegangen ist, ist nun auch fast an der Ziellinie. Mit drei Mitgliedern hat 23 Quer vorab gesprochen:

Wie ist Ihre Gefühlslage im Moment so kurz vor der Welterbe-Entscheidung der UNESCO?“

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Lasst Blumen sprechen!

Es dauert nicht mehr lang: Nur noch wenige Wochen trennen Darmstadt von der großen Entscheidung mit seiner Künstlerkolonie Mathildenhöhe zum UNESCO Weltkulturerbe zu werden. Oder vielleicht doch nicht? Große Zuversicht wechselt sich mit unvermittelten Anflügen von leisem Zweifel. Wir, tatsächlich Welterbe? Aber sicher doch. Die Spannung steigt jedenfalls! Lenken wir uns also ein wenig ab und machen Pause – eine Blaupause.

Das „Blumenhaus“ von Joseph M. Olbrich – eine Blüte als Grundriss.
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Als die Moderne aufblitzte: Viele Funktionen unter einem expressiven Dach

Das Ernst Ludwig-Haus war von Beginn an ein faszinierendes Gebäude, aber auch ein widersprüchliches. Während die Südfassade gänzlich der Präsentation vorbehalten war mit dem vielen Gold an Fenster, Türen und Eingangsbogen, mit seinen monumentalen Treppen und den ebenso gewaltigen Kolossalfiguren, folgte die im kompletten Kontrast dazu stehende Nordfassade ganz den Bedürfnissen der Künstler in ihren Ateliers. Da gab es eine lange Reihe schräg stehender Oberlichter, was zu einem sehr expressiven Gebäudeprofil führte, sowie ein riesiges Atelierfenster in der Mitte mit nicht schöner, aber praktischer Anlieferungspforte unten. Es war ein konsequent funktionaler Bau.

Vielleicht hatte das Ernst Ludwig-Haus ursprünglich aber auch einfach zu viele Funktionen in einem zu erfüllen – als Repräsentationsgebäude der Kunst, als Atelierhaus mit Bildhauerwerkstatt, als festlicher Versammlungsort und Treffpunkt, als Verwaltungssitz und Wohnhaus für Künstler. Und wie wir es von den heute bekannten Multifunktionsgeräten im Büro kennen, sind diese immer ein Kompromiss. Sie können nicht alles gleich gut.

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Eine viel versprechende Fassade: Gold und Gloria für’s Ernst Ludwig-Haus

Heute vor exakt 120 Jahren war nicht nur das Wetter deutlich besser in Darmstadt, auch auf der Mathildenhöhe ging es an diesem Tag besonders festlich zu: Denn am 15. Mai 1901 wurde das Ernst Ludwig-Haus feierlich eingeweiht und zugleich die erste Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie eröffnet. Die lange Treppe hinauf zum weißen „Tempel der Arbeit“ wurde förmlich zu einer Prozessionsstraße über die man nach dem Ende des feierlichen Weihespiels gemeinsam hinaufzog zum ganz in Gold glänzenden Eingang: vorbei an kolossalen Figuren aus Stein links und rechts, unter goldenen Lorbeerkränzen durchschreitend, die zwei schmale Damen aus Bronze über die Köpfe der Eintretenden hielten, hinein in den „heiligen Schrein“. Denn so muss es allen Beteiligten an jenem herrlichen Frühlingstag vorgekommen sein: Als habe man einem Gottesdienst beigewohnt und betrete nun das Allerheiligste.

Was für eine Pracht!

Die Südfassade des Ernst Ludwig-Hauses verschlägt einem bis heute den Atem. Soviel Pracht, soviel Gold, soviel Schönheit! Dabei wirkt der so überreich dekorierte Eingang überraschenderweise keinesfalls überladen. Vielmehr ist er der passende Kontrast zu der ansonsten flächig weißen, relativ schmucklosen Fassade des insgesamt 55 Meter langen Gebäuderiegels. Alles ist im Gleichgewicht, „in ein inniges Verhältnis gebracht“, das stellte selbst einer von Joseph Olbrichs schärfsten Kritikern, Felix Commichau, 1901 anerkennend fest.

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Ansichtssache: Schöner Wohnen im Souterrain

Hier in diesem Gebäude, das allüberall vom Licht beglänzt und von frischer Luft umweht wird, ist die Anlage eines solch düsteren, dumpfigen Tunnels unbegreiflich.

Ganz schön kritische Worte! Sie gelten dem Untergeschoss des Ernst Ludwig-Hauses und sind in einem dicken Ausstellungsband zu finden, in dem der bekannte Verleger von Kunstzeitschriften, Alexander Koch, 1901 bereits die Darmstädter Premiere zusammenfasste, vorstellte und bewertete. Olbrich was not amused! Doch diese herbe Kritik an seinem an anderer Stelle absolut genialen Ernst Ludwig- Haus muss er sich bis heute gefallen lassen. Denn während man einen Stockwerk höher über einen von vielen Fenstern gesäumten, außen liegenden, hellen Korridor die Ateliers erreicht, erfolgt die Anbindung der unteren Zimmer über einen fensterlosen Flur, der sich im Inneren fast über die ganze Länge des Ateliergebäudes zieht. Durch eine Eingangstür an der östlichen Schmalseite des Gebäudes erhält man Zugang zu dem Flur und seinen an ihm liegenden Räumen.

Von innen war der Zugang 1901 nur über eine äußerst enge Treppe möglich, die unter der Galerie der zentralen Halle seitlich auf kleinstem Raum eingepasst, man ist fast versucht zu sagen „reingequetscht“, wurde. In den Plänen ist sie ursprünglich noch als Wendeltreppe gezeichnet, ausgeführt wurde später eine zweiläufige Stufentreppe. Eine Lösung, die Felix Commichau in seiner Besprechung maßlos enttäuschte:

Von diesem Vor-Raum aus gelangt man zur Treppe, die zum Erd-Geschoss hinunterführt; diese ist unglaublich schmal und erhält zudem weder von unten noch von oben direktes Licht. […]

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Wunderschön unpraktisch: Das Ernst Ludwig-Haus als Atelier und Werkstatt

Eines muss man den ersten sieben der Darmstädter Künstlerkolonie ja lassen: Sie waren unglaublich fleißig – Workaholics würde man sie heute wohl nennen. Was diese sieben kreativen Köpfe von ihrer Gründung als künstlerische Arbeitsgemeinschaft, die sich im Wesentlichen in den Sommermonaten des Jahres 1899 vollzog, bis zur Eröffnung der ersten Ausstellung der Künstlerkolonie am 15. Mai 1901 auf die Beine stellten, war gewaltig. Vielleicht half ihnen bei ihrem enormen Arbeitspensum ja auch die Aussicht auf ein außergewöhnliches Ateliergebäude: das Ernst Ludwig-Haus. Als Tempel der Arbeit thronte es über allem, lud ein zum täglichen Gottesdienst des Gestaltens, will man die schwülstig-pathetischen Reden und das Weihespiel beim Worte nehmen, mit denen es eröffnet wurde.

Großbaustelle Künstlerkolonie: Das Ernst Ludwig-Haus wird auf dem Hügel errichtet.

Ganz so heilig ging es im Alltag dort oben dann wohl doch nicht zu. Schließlich handelte es sich um einen Funktionsbau, in dem die Ateliers der Künstler die wichtigste Rolle spielten. Von Anfang an, bereits vom großherzoglichen Förderer Ernst Ludwig, war solch ein Künstlerheim für die Mitglieder der Künstlerkolonie vorgesehen. Die Umsetzung erfolgte im Eiltempo:  Im Herbst 1899 legte der von Wien nach Darmstadt berufene Architekt Joseph Maria Olbrich los, Ende des Jahres standen bereits die Entwurfspläne und am 24. März 1900 war schon die Grundsteinlegung zu dem weißen Gebäuderiegel, der künftigen Schaltzentrale der Künstlerkolonie.

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Ein Bild von der Moderne: das Ernst Ludwig-Haus

Hocherfreulich ist die formale Ausgestaltung des Gebäudes nach dem Hauptplatze zu. Innerhalb aller Schöpfungen der sogenannten „modernen“ Architektur, stellt sie sich als eine hervorragende Leistung dar, und ist ohne Zweifel das beste, reifste, was Olbrich bisher geschaffen. Die große Front ist von wohltuendem Ebenmaasse. Grosse, stille Ruhe, schwungvolle energische Bewegung sind gegeneinander mit überraschender Sicherheit abgewogen und in ein inniges Verhältnis gebracht.

Die Zeilen, 1901 geschrieben, haben auch heute ihre Gültigkeit nicht verloren. Sie stammen von Felix Commichau, der Autor vieler Texte im Katalog zur ersten Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt ist, und mit Kritik an anderer Stelle wahrlich nicht sparte. Doch der Südfassade des zentralen Ateliergebäudes der Künstlerkolonie Darmstadt schenkte der Architekturkritiker seinen uneingeschränkten Respekt und Anerkennung.

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Frühlingsgefühle für die Hoetger-Plastiken: Alles bereit und ausgepackt!

Pünktlich zu Ostern zeigt sich der Platanenhain in seinem schönsten Frühlingskleid. Bis vor wenigen Tagen noch waren die freistehenden Skulpturen des Geländes winterdicht verpackt, jede von einem eigenen kleinen Häuschen aus Holz umhüllt. Eben noch vor hartem Winterfrost geschützt sind sie nun wieder in ihrer ganzen Schönheit und Kunstfertigkeit zu bewundern: die sieben Krugträgerinnen der Nordwand, die zehn Löwenvasen der Südseite sowie die vier Schakalvasen aus Guss-Stein im Westen. Insgesamt 21 Skulpturen gilt es jedes Jahr im Herbst zu verhüllen und im Frühjahr wieder zu befreien von ihrem schützenden Winterhaus.

Das Gesamtkunstwerk aus den Händen des Bildhauers Bernhard Hoetger umfasst noch acht weitere Objekte: drei Frauenskulpturen, die sich zur „Brunnengruppe“ vereinen, die vier Reliefbilder in den Ecken des Hains sowie das zentrale Denkmal der sterbenden Mutter mit Kind. Eine monumentale Installation von Kunst im Freien, die besonderen Schutz Bedarf.

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Die TET-Stadt: Hoetgers ägyptisch inspirierte Monumental-Utopie

Für ein Kuriosum in der Architekturgeschichte sorgte Künstlerkolonist Bernhard Hoetger nur wenige Jahre nach seiner Zeit auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Dem Keksfabrikanten Hermann Bahlsen entwarf er mitten im Ersten Weltkrieg ein monumentales Stadtviertel für Hannover, das mit dem Bauelementen aus dem Land der Pharaonen spielte, geweiht der einzigartigen Göttin des TET, dem Markenzeichen der Firma.

TET steht für eine ägyptische Hieroglyphe, die sich aus den drei Zeichen für Kobra, Brotlaib und Erde zusammensetzt und „ewig dauernd“ bedeutet. Diese Kartusche hatte sich die Firma Bahlsen 1903 als trendiges Markenzeichen für ihr ausgesprochen haltbares Buttergebäck eintragen lassen, das anfangs noch „Leibniz Cakes“ hieß. Später wurde es in das lautsprachlich gleiche „Leibniz Keks“ umgewandelt, und verhalf damit einer ganzen Backwarengattung zu ihrem deutschen Namen. Die ägyptische Kartusche mit dem TET ziert bis heute die Butterkekse von Bahlsen und auch das Firmenlogo.

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Ägyptomania auf dem Platanenhain oder Echnaton lässt grüßen

Ägyptisches war wieder schwer in Mode als sich Bernhard Hoetger um 1912 an die Gestaltung des Platanenhains auf der Mathildenhöhe machte. Vom Ägyptischen Hocker, den man bei Ausgrabungen gefunden hatte, waren die Möbeldesigner der Zeit sehr angetan und adaptierten den historischen Entwurf für ihre eigenen Stühle. Juweliere ließen sich für ihre Kollektionen vom farbenfrohen ägyptischen Schmuck inspirieren, und mit ägyptischen Ausdruckstänzen, die die Posen auf den Reliefs der alten Ägypter imitierten, unterhielt man das zeitgenössische Publikum. Schauriges von Mumien beschäftigte die Öffentlichkeit, und die Entdeckung Nofretetes im Dezember 1912 sorgte weithin für Aufsehen.

Für seinen Themenpark zum ewigen Kreislauf des Lebens bediente sich Hoetger bei vielen Kulturen und Zeiten, und natürlich durften auch die Pharaonen vom Nil hier nicht fehlen. Insbesondere Echnaton, der zu dieser Zeit in Europa wiederentdeckt wurde und dessen Tontafelarchiv komplett übersetzt war, hatte es ihm angetan.

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„Auferstehung“: Und alles beginnt wieder von vorn

Auferstehung hat Bernhard Hoeger das vierte seiner eindrücklichen Reliefbilder auf dem Platanenhain genannt. Sie ist an diesem Punkt des monumentalen Raumprogramms jedoch alles andere als christlich gemeint. Diese Auferstehung hier ist dem Pantheismus geweiht, der das Göttliche in der Natur feiert.

Dem Kreislauf des Lebens, dem Werden, Blühen, Altern, Vergehen und Neuerstehen alles Seienden ist das Werk gewidmet: Die Unzerstörbarkeit des Lebens im Wandel seiner Erscheinungsformen ist dieser Weisheit Anfang und Ende.

Hans Hildebrandt, 1915
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Winterlandschaft mit Schnee und Schwänen

Im Winter zeigt sich einer der der schönsten Eingänge auf das Plateau der Mathildenhöhe in seiner ganzen Pracht: Dann verdeckt ihn kein Blattwerk und der Blick ist frei auf den „Keramischen Pavillon“. Seinen Namen hat er von den mattbraunen Keramikreliefs mit ausgesprochen winterharten Blüten, die insgesamt acht Doppelsäulen zieren. Unter seinem zweiten Namen ist er noch viel bekannter: „Schwanentempel“. Denn über den Säulen erhebt sich jeweils ein rechteckiges Kapitell mit einem weißen Schwanenrelief – dem Tier, das Reinheit und Schönheit symbolisiert.

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