Schlagwort-Archive: Mathildenhoehe

60 Bäume sagen „Danke“: Kein Kahlschlag auf dem Platanenhain

Eigentlich war alles schon beschlossenene Sache im Sommer 2017: Im Rahmen der Welterbe-Bewerbung für die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe hatte die Stadt ein Park-Pflegewerk in Auftrag gegeben. Der damit beauftragte Landschaftsarchitekt hatte darin den äußerst schlechten Zustand des Platanenhains bemängelt. Der Boden sei dermaßen massiv verdichtet, er könne als Fundament für ein Hochhaus dienen. Sein Ratschlag: 100 Platanenbäume seien zu fällen und durch neue Pflanzen zu ersetzen.

Mehr als die Hälfte aller Bäume weg? Renate Charlotte Hoffmann wollte sich damit einfach nicht abfinden. „Der Platanenhain wäre für lange Zeit zerstört gewesen. Es dauert um die 30 Jahre bis eine Jungpflanze die Größe einer ausgewachsenen Platane erreicht.“ Unvorstellbar allein der Gedanke. 60 Bäume sagen „Danke“: Kein Kahlschlag auf dem Platanenhain weiterlesen

Hereinspaziert, die Zweite! Mitten im Bild

Erste Aufgabe: Denken Sie sich die Pfosten weg! Die haben hier am Eingang zum Platanenhain künstlerisch so rein gar nichts zu suchen. Denn, was wir hier auf der Mathildenhöhe sehen und nur kurze Zeit später betreten, ist schon an dieser Stelle scheinbaren Leerraums Teil eines Kunstwerks von Bernhard Hoetger – eines ziemlich großen allerdings. Es reicht vom Eingang bis ganz hinüber ans andere Ende zu einer Skulpturengruppe mit drei schlanken Frauenfiguren, krönender Teil eines von dichtem Efeu umrankten Brunnens. Wie die Linien einer Zentralperspektive leiten die Platanenbäume unseren Blick zu diesem 40 Meter entfernten Fluchtpunkt. Hereinspaziert, die Zweite! Mitten im Bild weiterlesen

Tierisch gut! Die andere Seite des F.W. Kleukens

Wenn man es nicht wüsste und er nicht jedes dieser amüsanten Kunstwerke signiert hätte, dann würde man ihn nie hinter diesen witzigen Postkarten vermuten, die Anfang des 20. Jahrhunderts der letzte Schrei waren und ihren Zeichner schlagartig bekannt machten: Friedrich Wilhelm Kleukens. Bevor der Illustrator nämlich 1906 an die Künstlerkolonie nach Darmstadt kam, um als Professor zu lehren und die Ernst Ludwig-Presse zu leiten, war er Gründungsmitglied einer jungen Kreativagentur, die damals die Branche aufmischte: die Steglitzer Werkstatt. Sie bestand nur kurz, von 1900 bis 1903, gilt jedoch als die erste Werbeagentur Deutschlands. Mit viel Witz und und Einfallsreichtum begründeten sie das, was sich später Reklame nennen sollte. Tierisch gut! Die andere Seite des F.W. Kleukens weiterlesen

Frühlingserwachen

Im ewigen Zyklus der Jahreszeiten beginnt nun eine der schönsten Episoden im Kalender: Genau heute erwacht auf der Nordhalbkugel der Frühling! Der richtige Moment also, um kurz auf den Platanenhain zu schwenken, durch das Portal mit dem Leoparden und dem Silberlöwen zu gehen, auf den gegenüberliegenden Brunnen zu und sich dann nach rechts Richtung Hochzeitsturm zu drehen – dann steht man vor ihm: dem Frühling. Denn genauso hat Bernhard Hoetger sein Gruppenbild aus elf Figuren genannt, dem man sich unversehens gegenüber sieht.

Es ist eins von vier Reliefbildern, die er ab 1912 für die vierte und letzte Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie von 1914 gearbeitet hat, und die eine gestalterische Gesamtkomposition bilden: Frühling und Sommer, Schlaf und Auferstehung. Zwischen diesen Polen bewegt sich das Leben im immerwährenden Kreis. Die Frühlingserwachen weiterlesen

Die Mathildenhöhe und die Moderne: Bauhaus-Meister Alfred Arndt

Wer an die Darmstädter Mathildenhöhe denkt, der denkt sofort an Jugendstil. Schließlich zählt das Ensemble zu dem Schönsten dieser Kunstrichtung, das man weit und breit finden kann. Doch Schönheit allein reicht nicht für eine Bewerbung zum Weltkulturerbe der UNESCO. Einmalig muss es sein. Beworben hat sich Darmstadt daher nicht mit dem Thema Jugendstil, dazu hätten wohl auch andere Orte in Europa einiges zu sagen und zu zeigen. Nein, beworben hat sich Darmstadt mit seiner „Künstlerkolonie“. Denn diese repräsentiert kulturgeschichtlich den Übergang vom alten 19. zum neuen 20. Jahrhundert – in einer weltweit einmaligen Kombination aus Architektur und vielen anderen Disziplinen. Hier in Darmstadt wurde der Keim gelegt für die Moderne. Die Mathildenhöhe ist sozusagen der „Missing Link“ in der Kunst- und Architekturgeschichte, die Brücke zwischen den Zeiten, die bis hinüber zum Bauhaus reicht.

Und vor diesem Hintergrund wundert es nun nicht, dass sich die Freunde der Mathildenhöhe in ihrer ersten Veranstaltung in 2020 einem Bauhaus-Thema widmeten: „Der Bauhäusler Alfred Arndt“, ein Vortrag von Nikolaus Heiss, Vorstandsmitglied und Koordinator Mathildenhöhe im Auftrag Darmstadts.

Die Mathildenhöhe und die Moderne: Bauhaus-Meister Alfred Arndt weiterlesen

„Es gibt eine innere und eine äußere Schönheit des Buches. Wenn die Druckgestaltung mit dem Text im rechten Einklang ist, wenn innere und äußere Form zusammengehen, entsteht ein Werk von unvergänglichem Wert, ein Kunstwerk, vollkommen wie ein Meisterwerk der Architektur.“

Christian H. Kleukens, Künstlerkolonie Darmstadt | Zum Portrait der Ernst Ludwig-Presse

Alphabet-City: Typografie setzt bis heute Zeichen

Die 26 Buchstaben des Alphabets reizten und reizen Künstler immer wieder zur kreativen Auseinandersetzung. Auch Olaf Nicolai, der Wilhelm-Loth-Preisträger der Stadt Darmstadt in 2018, hat sich in seinem so facettenreichen Künstlerleben der Aufgabe angenommen und eine ganz eigene Darstellung des Alphabets entwickelt. Damit steht er in einer großen Tradition der Künstlerkolonie. Denn es gab nicht wenige aus ihren Reihen, die sich auch als Schriftgestalter einen überaus großen Namen gemacht haben – etwa Peter Behrens oder die Brüder Kleukens mit der Ernst Ludwig-Presse.

Diese neuen Schrifttypen, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts von den Grafikern und Gestaltern der Mathildenhöhe entwickelt wurden, waren stets auch Spiegel der Gesellschaft und ihrer Zeit. Wie auch Nicolais neuer Schriftttyp, der erst digital seine ganze Originalität entfaltet und damit auch ein Ausdruck unserer Zeit, eine Schrift für das Heute, ist. Alphabet-City: Typografie setzt bis heute Zeichen weiterlesen

Sanierung Haus Olbrich – jetzt auch unten ohne

Das Jahr 2020 ist für die Mathildenhöhe ein ganz besonderes Schaltjahr: Alles wartet gespannt auf die Entscheidung der UNESCO im Sommer – und bis dahin wird gründlich saniert. Denn das wird auf jeden Fall bleiben als Resultat der großen Anstrengung um die Auszeichnung als Weltkulturerbe: eine Künstlerkolonie, die so glänzt wie lange nicht mehr. Sie wird wohl zwar nie mehr ganz wie im Original von 1901 erstrahlen, aber immerhin fast. Sanierung Haus Olbrich – jetzt auch unten ohne weiterlesen

Im Zeichen der Rose: Im Dunkel der Nacht auf den Hochzeitsturm von Darmstadt

Nachtfuehrung 14 Feb 2020 Der Kuss mit RoseNicht oft hat man Gelegenheit, die Prachträume des Hochzeitsturms in Darmstadt von Innen zu sehen. Schließlich heiratet man auch nicht alle Tage, denn nur Hochzeitspaare und deren Gäste kommen ansonsten in den Genuss, die heiligen Hallen zu betreten und sich im Zimmer der Großherzogin unter einer mächtigen Decke in Gold trauen zu lassen. Wer zu den normalen Öffnungzeiten auf die Aussichtsplattform steigt oder fährt, der kann zwar durch eine Glastür einen Blick hineinwerfen, aber eben nicht hineingehen. Es sei denn, man kommt zu einer der Sonderführungen des Förderkreises Hochzeitsturm. Etwas ganz Spezielles und erst seit Kurzem im Programm sind die Nachtführungen. Dann schimmert alles im Schein der vielen Lichter, liegt über der prunkvollen Innenausstattung ein besonderer Glanz. Im Zeichen der Rose: Im Dunkel der Nacht auf den Hochzeitsturm von Darmstadt weiterlesen

Nachgezählt: Es sind 23!

Wer nicht vor Ort sein kann, um sie Reihe für Reihe abzuschreiten und zu zählen, für den lohnt sich ein Blick auf diesen Grundriss, der 1915 in einem Buch von Hans Hildebrandt über den Platanenhain veröffentlich wurde:

Platanenhain Grundriss 1915 Ost-West

Von links nach rechts, vom Hochzeitsturm am östlichen bis zum Denkmal der Sterbenden Mutter mit Kind am westlichen Ende, sind es genau 23 Querreihen zumeist prächtiger Platanenbäume, die ein sehr langes Rechteck bilden. Eine etwas ungewöhnliche Zahl, aber sie ist nun mal Fakt und fast schon symbolisch für die Mathildenhöhe mit ihren 23 Künstlerkolonisten und ihrem Mäzen Ernst Ludwig, der mit 23 Jahren Regent wurde. Nachgezählt: Es sind 23! weiterlesen

Olbrich hatte den Dreh einfach raus

Heberer-Plan 1878 Aussschnitt quer
Vorher: 1878 befindet sich zwischen Platanenhain und der Erbacher Straße ein Park.

Eine Konstante bleibt, egal, welche Karte man sich anschaut von der Mathildenhöhe: der Platanenhain im Norden. 1833 angelegt ist er das älteste Mitglied im städtebaulichen Gesamtkunstwerk. Das langgezogene Rechteck mit seinen regelmäßigen Baumreihen ist immer gut zu erkennen und hilft bei der Orientierung. Darunter hat sich dann viel getan im Laufe der folgenden Jahrzehnte.

Eine der ältesten Zeichnungen von der Höhe, die später so berühmt werden sollte, ist der Heberer-Plan von 1878. Er zeigt die Parkanlage, die auf einem ehemaligem Weinhügel am Rande der Stadt seit 1800 hier entstanden war: Viele Spazierwege schwingen sich in großen Bögen sanft den Hang hinauf. An markanten Kreuzungspunkten sind Pavillons zu sehen, ein kleiner Platz ganz oben. Auch der Hochbehälter des städtischen Wasserwerks, der an der höchsten Stelle von 1877 bis 1880 errichtet wurde, ist bereits eingezeichnet. Olbrich hatte den Dreh einfach raus weiterlesen

Temporäres: Weiter voran Richtung Besucherzentrum

Sie ist definitiv der Farbtupfer in vornehmlich weißer Kulisse: Heidi Kriegbaum steht mit ihrem Schal in allen Farben des Regenbogens am städtebaulichen Planungsmodell für die Mathildenhöhe und zeigt, wo es lang geht: Richtung neues Besucherzentrum am Osthang der Mathildenhöhe. Den städtischen Architekturwettbewerb hatte das österreichische Architektenbüro Marte.Marte aus Feldkirch mit einem Entwurf gewonnen, der klare Kante zeigt: ein zweigeschossiger, langer Flachbau setzt einen deutlichen Akzent und wird dem ersten Riegel am Platze, dem ehemaligen Ateliergebäude der Künstler und heutigem Museum, ein städtebaulicher Gegenpol sein. In Sachen Besucherführung und -lenkung spielt es zukünftig eine wichtige Rolle. Schließlich sollen hier in unmittelbarer Nähe des Ausstellungsgebäudes Mathildenhöhe einmal die vielen Gäste empfangen, informiert und versorgt  werden, die das bis dahin hoffentlich UNESCO-gekrönte Weltkulturerbe auf dem alten Busenhügel der Stadt erkunden wollen. Temporäres: Weiter voran Richtung Besucherzentrum weiterlesen

Platanen für den Hofgarten der Mathilde

Eines der ersten Mitglieder im Ensemble des Gesamtkunstwerks Mathildenhöhe ist der Platanenhain. Der rechteckige lang gezogene Platz mit den markanten Bäumen steht schon viel länger dort als alle anderen Bauten um ihn herum. Schon im 19. Jahrhundert flanierten Darmstädter unter seinem Grün, denn er war Teil eines öffentlich zugänglichen Parks. Den hatte schon um 1800 der Bruder des regierenden ersten Großherzogs von Darmstadt auf diesem ehemaligen Weinhügel anlegen lassen. Als Prinz Christian 1830 starb ging der Park in den Besitz des späteren Großherzogs Ludwig III. über.

Der ehelichte im Dezember 1833 noch als Thronfolger die katholische Prinzessin Mathilde aus Bayern und machte ihr diesen Hügel am östlichen Stadtrand zum Hochzeitsgeschenk. So kam die Darmstädter Mathildenhöhe zu ihrem Namen. Platanen für den Hofgarten der Mathilde weiterlesen