Schlagwort-Archive: Temporäre Bauten

Zeichen setzen: Müllers Villa am Platanenhain

Sie war wirklich nicht zu übersehen: Wer in den Jahren zwischen 1911 und 1944 auf die Mathildenhöhe ging, dessen Blick auf Ausstellungsgebäude und Hochzeitsturm streifte unweigerlich diese Villa: das Haus Albin Müller. Ähnlich wie sein Vorgänger im Amt, Joseph Maria Olbrich, hatte auch Albin Müller seinen privaten Wohnsitz auf dem Gelände der Künstlerkolonie errichtet – und zwar in prominenter Lage, direkt am Eingang vor dem Platanenhain. Heute ist davon nichts mehr vorhanden: Grüne Wiese erstreckt sich dort, wo einst der Chefarchitekt und künstlerische Leiter der Mathildenhöhe residierte.

Städtebaulich war das Projekt nicht unumstritten, veränderte der Neubau, der zwischen 1911 und 1912 errichtet wurde, doch erheblich die Gesamtwirkung des Mathildenhöhe-Ensembles. Deutlich ist aber auch zu sehen, wie sehr Müller seinen Entwurf auf das dominante Ausstellungsgebäude von Olbrich abstimmte, indem er dessen langgezogene Säulenreihen für die vordere Fensterfront zitierte oder auch die Form des Pyramidendachs aufgriff. Er hatte seinen Neubau durchaus eingebunden in das Vorhandene, aber zweifelsohne ein starkes Zeichen seiner Rolle an dieser Stelle gesetzt. Gut dreißig Jahre, bis zu seinem Tod 1941, lebte Albin Müller in diesem privaten Refugium auf der Mathildenhöhe.

Haus Albin Müller (1911 – 1944) – eine stattliche Villa direkt vor dem Platanenhain.

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Ein Spaziergang in Bildern: Albin Müllers Osthang von 1908

23 Quer möchte Sie heute einladen zu einem Spaziergang durch die Ausstellung von 1908. In diesem Jahr präsentierte sich nicht mehr die Künstlerkolonie dem Publikum wie noch 1901 und 1904. Das Ernst Ludwig-Haus und die berühmten Künstlervillen waren sogar explizit ausgeschlossen vom Ausstellungsgelände, wie ein Blick auf den historischen Plan zeigt. Stattdessen bot sich den Besuchern auf der Mathildenhöhe eine vollkommen neue Ausstellung, die sich in ihrer Ausrichtung gegenüber 1901 fast um 90 Grad gewendet hatte und nicht mehr entlang einer Achse von Süd nach Nord auf das Ernst Ludwig-Haus zu, sondern von Westen nach Osten über den ganzen Hügel lief. Mittelpunkt und absoluter Blickfang war der neue Hochzeitsturm mit Ausstellungsgebäude. Doch auch insgesamt hatte sich viel getan, insbesondere der vom Architekten Albin Müller gestaltete Osthang bildete einen weiteren Schwerpunkt der Landesausstellung für Freie und Angewandte Kunst von 1908.

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Lasst Blumen sprechen!

Es dauert nicht mehr lang: Nur noch wenige Wochen trennen Darmstadt von der großen Entscheidung mit seiner Künstlerkolonie Mathildenhöhe zum UNESCO Weltkulturerbe zu werden. Oder vielleicht doch nicht? Große Zuversicht wechselt sich mit unvermittelten Anflügen von leisem Zweifel. Wir, tatsächlich Welterbe? Aber sicher doch. Die Spannung steigt jedenfalls! Lenken wir uns also ein wenig ab und machen Pause – eine Blaupause.

Das „Blumenhaus“ von Joseph M. Olbrich – eine Blüte als Grundriss.
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Hereinspaziert! Hier ging es mal rein, damals 1908

Hätten Sie es erkannt? Das ist der Platanenhain auf der Mathildenhöhe. Auch heute geht es auf dieser Seite des Parks hinein in das Areal mit seinen 23 Baumreihen, das sich unterhalb des Hochzeitsturms im langen Rechteck von West nach Ost erstreckt. 1908 war der Eingang zum Platanenhain jedoch auch gleichzeitig der Haupteingang in die Hessische Landesausstellung für Freie und Angewandte Kunst, die von Mai bis Ende Oktober ihre Pforten auf der Mathildenhöhe öffnete. Sie war nach 1901 und 1904 die dritte Ausstellung, gleichzeitig aber auch die erste, die die Künstlerkolonie und deren Ateliers, das Ernst-Ludwig-Haus, nicht zum Thema hatten. Hereinspaziert! Hier ging es mal rein, damals 1908 weiterlesen