



5, 20, 125! Jahr der Jubiläen auf der Mathildenhöhe
Das wird ein Jahr! 2026 jagt ein Jubiläum das andere auf der Mathildenhöhe Darmstadt. Das wohl wichtigste Ereignis der jüngsten Vergangenheit war die Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe. An einem Samstag, dem 24. Juli 2021, fiel der Hammer, entschied eine Jury im fernen China über die Aufnahme des historischen Ensembles in die Welterbeliste der UNESCO. Fünf Jahre ist das im kommenden Sommer tatsächlich schon her. 20 Jahre alt wird in diesem Jahr bereits eine Organisation, die die Stadt auf dem Weg zur Ernennung zur UNESCO-Welterbestätte, der 48. übrigens für Deutschland, über viele Jahre unterstützt hat: die Freunde der Mathildenhöhe. Genau am 15. Dezember kam der Verein 2006 zu seiner Gründungsversammlung zusammen. Wenn das mal Ende des Jahres kein Grund zum Feiern ist!
Ganze 125 Jahre ist es 2026 her, dass die 1. Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe für Furore und internationale Aufmerksamkeit sorgte. Am 15. Mai 1901 öffnete sie ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Es war ein Mittwoch, als in feierlicher Prozession ein Priester, eine Kristallkugel tragend, durch die goldene Tür des Ateliergebäudes schritt, diesem bis heute atemberaubenden „Tempel der Arbeit“ von Joseph M. Olbrich.

Die Ausstellung von 1901 war in der Vergangenheit immer Fixpunkt der großen Jubiläen auf der Mathildenhöhe: 1926, 1951, 1976 und 2001 waren die Jahre, in denen man dem 25., dem 50., dem 75. und schließlich dem 100. Jahrestag dieser bahnbrechenden Ausstellung besonders gedachte. 2026 zum 125. werden uns daher auch zahlreiche Jubiläumsveranstaltungen unter der Federführung vom Institut Mathildenhöhe Darmstadt erwarten. International wird die Darmstädter Künstlerkolonie im Rahmen des World Design Capital-Jahres der Rhein-Main-Region 2026 eine bedeutende Rolle spielen.
Ein spannendes Jahr wünscht Ihnen 23 Quer!
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Am Sonntag, den 10. August, macht die beliebte Sendereihe Museums-Check von 3sat Station in Darmstadt: Mit Matthias Matschke auf der Mathildenhöhe heißt es um 18:30 Uhr für die Fernsehzuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Schauspieler Matthias Matschke, bekannt aus vielen Fernsehrollen wie etwa der „heute show“ oder der Krimiserie „Professor T.“ ist in Darmstadt zur Schule gegangen, ein Heimspiel also für ihn. Nichts als Liebe empfinde er für diesen Ort, und: „Die Magie ist immer noch da.“ Zusammen mit Moderator Markus Brock spürt er in der dreißigminütigen Sendung dem Geist von Aufbruch und Experimentierfreude, von Moderne und Internationalität um 1900 nach, die damals wie heute die besondere Atmosphäre der Mathildenhöhe ausmacht.
Bereits in der ARD Mediathek verfügbar und zu sehen.
An fünf Drehtagen war ein Team des SWR im Juli in Darmstadt, an einem davon war auch 23 Quer dabei. Im Fokus der TV- Kamera an diesem Tag: das Haus Behrens, was sich vor einem beeindruckenden Wolkenhimmel präsentierte.
3sat Museums-Check: Mathildenhöhe, „Making-of“ in Bildern






Jubiläum: 1 + 2 + 3 + 4 Jahre UNESCO Weltkulturerbe!

Mensch, wie die Zeit vergeht! Vier Jahre ist es auf den Tag genau her, dass die Mathildenhöhe Darmstadt als 48. Welterbestätte Deutschlands in die große UNESCO-Familie aufgenommen wurde. Am 24. Juli 2021, an einem Samstagnachmittag, fiel im chinesischen Fuzhou die historische Entscheidung. Freude und große Erleichterung allerorten, insbesondere in der südhessischen Metropole. Geschafft!
Zum Geburtstag heute haben die Freunde der Mathildenhöhe und der Förderkreis Hochzeitsturm eine kleine Überraschung für die Jubilarin vorbereitet: die Mathildenhöhe auf einen Blick, gesehen mit den Augen der bekannten Darmstädter Illustratorin Nicola Koch. Eine amüsante Orientierungshilfe für alle, die zum ersten Mal die ausgezeichnete Architektur, Gartenanlagen und Skulpturen von 1901 bis 1914 bestaunen wollen, und zugleich ein witziger Augenschmaus für diejenigen, die sich bereits gut auskennen auf dem Gelände. Frei nach dem Motto: „DA geht’s lang!“
Immer mehr Besucher und Besucherinnen finden den Weg auf den Hügel mit der besten Aussicht über Darmstadt und zu dem weitläufigen UESCO-Areal, das auf einzigartige Weise den Aufbruch in die Moderne markiert. Die Welterbestätte besteht aus insgesamt 23 verschiedenen Elementen. Gar nicht so einfach, sich hier zurechtzufinden! Mit der Illustration wird es nun sichtbar leichter. In Bild und Text (auf der Rückseite) findet sich das Wichtigste auf einen Blick und alles, was es zur schnellen Orientierung sonst noch braucht.
Ein Geschenk zum Geburtstag, von dem wir alle etwas haben. Denn wer möchte, kann sich das kleine Koch’sche Kunstwerk gerne als Erinnerung mitnehmen. Auf jeden Fall ist es im Shop des Hochzeitsturms auf der Mathildenhöhe kostenlos zu ergattern.
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Ein Bildhauer, der weithin unbekannt ist, aber in engem Zusammenhang mit der Mathildenhöhe Darmstadt und der Künstlerkolonie steht, war in Griesheim Zuhause: Sein Name ist Daniel Dell. Er kannte die Bildhauerateliers der Künstlerkolonie gut, hat die Künstler Ludwig Habich und vor allen Dingen Heinrich Jobst unterstützt, für den er zahlreiche Arbeiten ausführte, glaubt man der zeitgenössischen Presse. Obwohl er nie offiziell zur Künstlerkolonie gehörte, hat ihn die Künstlerkolonie Darmstadt geprägt, von der er sich deutlich inspirieren ließ. Die Griesheimer Kunsthistorikerin Heike Jakowski hat sich intensiv mit Daniel Dell (1868 – 1941) auseinandergesetzt und nun ein Buch veröffentlicht, das erstmals Leben und Werk dieses relativ unbekannten Jugendstilbildhauers umfassend würdigt.
Seine „Steine für die Ewigkeit“, so der Buchtitel, kann man bis heute im Griesheimer Friedhof bestaunen. Die meisten der über 80 historischen Grabdenkmäler dort stammen von ihm und stellen einen einzigartigen Schatz für die Region dar. Ein Spaziergang entlang der alten Friedhofsmauer gleicht förmlich einem Gang durch einen Skulpturenpark. Eine erste Führung der Autorin, zu der der Darmstädter Verein Freunde der Mathildenhöhe am 25. Mai eingeladen hatte, fand großen Anklang. Mehr als 40 Teilnehmer ließen sich von der hohen Steinmetzkunst aus Griesheimer Werkstatt beeindrucken, die für einen Friedhof in seiner Vielfalt und Qualität einmalig ist im Landkreis Darmstadt-Dieburg.






An nicht wenigen Stellen auf dem Gelände sind Bezüge zur Mathildenhöhe herzustellen: Man stand sichtbar im gegenseitigen Austausch, Dell in seiner Griesheimer Werkstatt in der Frankfurter Straße und die Bildhauer in Darmstadt auf der Mathildenhöhe. Etliche Motive und Formen sind von dem, was er in Darmstadt sah, inspiriert. Im Detail ist das alles wunderbar nachzulesen in dem reich bebilderten Band von Heike Jakowski, der ebenfalls eingeht auf die damaligen Gepflogenheiten der Bestattungskultur und wie diese im Rahmen allumfassender Reformbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts neu gedacht wurden.
Buchtipp: „Steine für die Ewigkeit“ – Jugendstil von Daniel Dell in Griesheim weiterlesen
In der Rubrik „Meine Mathildenhöhe“ erzählen Menschen, die die Mathildenhöhe prägen, begleiten und für sie an den unterschiedlichsten Stellen wirken, ihre ganz persönlichen Geschichten zu diesem ganz besonderen Stück Darmstadt. Gemeinsam mit ihnen flanieren wir normalerweise über den Musenhügel. Drei Orte, drei Stopps, drei Geschichten heißt es dann. Doch bei diesem Mann machen wir eine Ausnahme. Nur drei Orte, das wäre einfach viel zu wenig Mathildenhöhe, um auch nur ein Stück weit der Leidenschaft, des Engagements und der Arbeit gerecht zu werden, die ihn täglich treiben.
Seit April 2015 ist Philipp Gutbrod Direktor des Institut Mathildenhöhe Darmstadt. Seit März dieses Jahres ist er zudem Kulturreferent der Stadt Darmstadt. Zeitgleich wurde er zum Site-Manager der Darmstädter UNESCO-Welterbestätte ernannt. 23 Quer hat den Vielbeschäftigten in seinem Büro im Oberhessischen Haus am Olbrichweg besucht, um mit ihm einen Blick zurückzuwerfen auf die vergangenen zehn Jahre und auch ein wenig vorauszuschauen auf die Pläne für die Zukunft.
„Meine Mathildenhöhe“: 10jähriges Jubiläum für Direktor Philipp Gutbrod weiterlesen
54 deutsche Welterbestätten zählt die UNESCO momentan. Kein Wunder, dass es eng wurde zum Gruppenbild im Wilhelm Köhler-Hörsaal im alten Hauptgebäude der Technischen Universität in Darmstadt. Für die jährliche Tagung, zu der der Verein der UNESCO- Welterbestätten gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission einlädt, fiel die Wahl 2025 auf Darmstadt und Messel. Vorträge, Exkursionen und viel Austausch untereinander bot das mehrtägige Programm, bei dem sich vom 23. bis 25. April alles um „Innovative Wege der Welterbevermittlung“ drehte.
Anja Herdel, Geschäftsführerin von Darmstadt Marketing und Tourismus-Chefin der Stadt, und Philipp Gutbrod, Direktor des Institut Mathildenhöhe Darmstadt und verantwortlich für die Darmstädter UNESCO-Welterbestätte, waren die gemeinsamen Gastgeber und nutzten die Gelegenheit, dem Familienbesuch aus ganz Deutschland Darmstadt und seine Stadtkrone auf der Mathildenhöhe vorzustellen. Selbstverständlich gab es auch Gelegenheit, Deutschlands erstem UNESCO-Weltnaturerbe, der Grube Messel, einen Besuch abzustatten.
Die Keynote des Hauptprogramms sprach Ralf Beil, Generaldirektor des UNESCO-Welterbes Völklinger Hütte: „Quo Vadis, Weltkulturerbe?“ Während vorher viele Fragen um das „Wie“ der Vermittlung diskutiert wurden und welcher Weg nun der bessere sei – ob analog, digital oder vielleicht ganz innovativ mit Unterstützung von KI – ging es Beil um das für ihn viel Wichtigere „Was“.
Das große Familientreffen: die UNESCO in Darmstadt weiterlesen
Jetzt mit dem März geht das Jahr so richtig los: Die Natur hat noch ein wenig Kraft gesammelt, 23 Quer auch, um nun so richtig durchzustarten. Los geht es mit einem Blick auf die faszinierenden Dachlandschaften, die überall auf dem Gelände des UNESCO Weltkulturerbes Mathildenhöhe Darmstadt zu entdecken sind. Wir werden in den nächsten Tagen den Blick von oben und auf oben wagen, dabei manch ausgezeichneter Architektur auf’s Dach steigen. Den Anfang macht das Museum Künstlerkolonie mit seiner modernen Dachlandschaft aus großflächigen Oberlichtern, die die acht Ateliers der Künstler, Bildhauer und Architekten ab 1901 mit perfektem Arbeitslicht von Norden versorgten.
Den besten Blick von oben auf das heutige Museum Künstlerkolonie gibt es von der kleinen Südterrasse des gegenüberliegendem Ausstellungsgebäudes. Noch viel interessanter ist aber ein anderer Aussichtspunkt.
Architektur mit Ausblick: Dachlandschaften weiterlesen
Heute, genau auf den Tag, ist es 5 Jahre her, dass 23 Quer mit einem ersten Beitrag online ging: „Der Countdown läuft…“ hieß es am 3. Januar 2020 an dieser Stelle. Denn im Sommer 2020 sollte die Entscheidung fallen über die Mathildenhöhe und ihre Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste. Man zählte schon die Tage. Doch dann kam alles ganz anders als geplant: Nur wenige Wochen später beherrschte Corona das Land und die Welt – und an ein Treffen des Gremiums, das in China stattfinden sollte, war nicht mehr zu denken. 2021 wurde schließlich das Jahr der Entscheidung für Darmstadt mit allseits bekanntem erfolgreichen Ende: Die Mathildenhöhe ist seit dem 24. Juli diesen Jahres UNESCO Weltkulturerbe. Vor Corona entstand die Idee zu 23 Quer, währenddessen machte es seine ersten Schritte und hat in den vergangenen Jahren eine richtige Fangemeinde gewonnen. Heute ist 23 Quer fast schon eine Institution: eine regelmäßig erscheinende kleine Online-Publikation für alle Freunde und Flaneure der Mathildenhöhe.
5 Jahre, das sind auch 180 Artikel später. 36 Beiträge erscheinen jedes Jahr auf 23 Quer, im Idealfall jeden Monat 3. Manchmal mehr, manchmal weniger. Manchmal kurz, meistens länger. Sie alle sind noch da, sind jederzeit kostenlos zu lesen. Dank Schlagwortregister und Datenbank lassen sie sich durchforsten: etwa die vielen Artikel zum Platanenhain oder zum Hochzeitsturm, zu einzelnen Künstlern wie etwa Olbrich oder Hoetger. Oder Sie wählen die Jahreszahl der Ausstellung, etwa 1901 oder 1908, und Sie haben auf einen Klick alle Artikel, die jemals zu diesem Schlagwort auf 23 Quer erschienen sind, gelistet und zum sofortigen Lesen aufrufbar. Oder sie suchen nach dem Stichwort Gärten oder Gräber oder Bildhauerei oder … Was immer Sie interessiert. So vielfältig wie die Mathildenhöhe und ihre Künstlerkolonie zeigt sich im Rückblick das Panorama der behandelten Themen.
Ziel war es von Anfang an, möglichst vielen Akteuren ihren Raum in der Berichterstattung zu geben.


Weihnachtlicher Gruß aus dem Großen Haus Glückert: Ganz ohne Tannenbaum, aber dafür ebenfalls mit vielen brennenden Lichtern.
Denn sehr viele Glühbirnen sind es, die sich links und rechts des gewaltigen Kamins mit seinem bunten Pfauenfeder-Ornament senkrecht die Wand hochziehen und sie wunderbar ausleuchten. Wir sehen hier elektrisches Licht – und das schon seit 1901, seit der bahnbrechenden ersten Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt. Für uns heute selbstverständlich, war das Licht auf Knopfdruck zur Wende ins 20. Jahrhunderts etwas ungemein Innovatives, der neuste technische Schrei. Den konnte man sich in Darmstadt schon sehr früh gönnen, denn im Stadtzentrum ging bereits 1888 mit der damaligen „Centralstation für elektrische Beleuchtung“ das dritte Elektrizitätswerk der Welt in Betrieb. Das erste hatte der Glühbirnen-Erfinder Thomas Alva Edison 1882 in New York gebaut, das zweite und erste deutsche folgte 1884 in Berlin. Eine technische Errungenschaft, die Joseph M. Olbrich, leitender Architekt der Künstlerkolonie Darmstadt, für seinen Auftraggeber, den Darmstädter Möbelfabrikanten Julius Glückert, mit großer künstlerischer Raffinesse im floralen Jugendstil zum Strahlen bringt.
Ein frohes und leuchtendes Weihnachtsfest 2024 – ob elektrisch oder mit Kerzenschein – wünscht 23 Quer!

I’m dreaming of a white Christmas …
Weiße Weihnachten mit dem Hochzeitsturm: Auch als Anhänger aus weißem Porzellan macht sich unser Schmuckstück auf der Mathildenhöhe ausgesprochen gut und ziert kontrastreich das dunkle Grün einer festlich geschmückten Tanne. Wer es lieber bunter mag, für den gibt es einen außergewöhnlichen, länglichen Baumanhänger aus Blech in Kupfer und Türkis. Und für leidenschaftlich Plätzchenbackende ist die Ausstechform mit den fünf Fingern schon seit Jahren in der Adventszeit der Klassiker schlechthin. Wie immer alles sehr geschmackvoll und ideenreich zusammengestellt von Uta Müller-Merbach vom Förderkreis Hochzeitsturm. Zu erwerben sind die dekorativen Weihnachtsschönheiten im „Shop im Turm“, der im Eingangsfoyer unter dem goldenen Sternenhimmel der Künstlerkolonie eine riesige Auswahl an Mitbringsel und Geschenken rund um das hohe Wahrzeichen Darmstadts bereithält. Da sind sie noch zu finden, die guten Dinge. Nicht nur zur Weihnachtszeit!



Öffnungszeiten: Montag – Sonntag, 11:00 – 17:00 Uhr | An allen Feiertagen geöffnet, am 24.12. geschlossen.

Viel steht ja nicht mehr von Dir auf der Mathildenhöhe. Blumenvasen im Neo-Barock und eine einsame Bank, auf der wir uns niederlassen können, um Deiner kurz zu gedenken, bevor er schon wieder vorbei ist: Dein Geburtstag. 150 Jahre ist das her, ein weiteres Jubiläum in diesem jubiläumsreichen Jahr 2024. Der Jahrgang 1874 war deutlich überrepräsentiert in der Künstlerkolonie: Bernhard Hoetger am 4. Mai, Heinrich Jobst am 6. Oktober und nun auch Du, am 2. Dezember. Alle hattet Ihr Euren 150. Geburtstag in 2024. Du bist der letzte Jubilar, den wir feiern, Edmund. Das wird 23 Quer auch noch gebührend tun nach Deinem Geburtstagsmonat. Denn nicht Wenige haben zur Ausstellung von 1914 sehr bedauert, dass ein so bedeutender Architekt nur Temporäres auf der Mathildenhöhe hinterlassen durfte. Wo Du doch in Essen ein Gigant Deiner Disziplin warst, weltberühmt wegen des Baus von Europas größter Synagoge, mit dem Du auch den Großherzog Ernst Ludwig auf Dich aufmerksam gemacht hattest.


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Dieser Flügel stand einst in der Annastraße 23 in Darmstadt, in der Wohnung des Verlegers und Publizisten Alexander Koch. Gestaltet wurde er von Patriz Huber, einem der jüngsten Kreativen in der Künstlerkolonie, der zwischen 1901/1902 im Alter von 23 Jahren dessen komplette Wohnung ausstattete und exquisite Jugendstilmöbel entwarf. Koch hatte den talentierten Möbelgestalter entdeckt, gefördert und in seinen führenden Publikationen zur Wohnkultur weit über Darmstadt hinaus bekannt gemacht. Neben Peter Behrens galt er als der „Shooting-Star“ der sieben Künstler aus der Gründergeneration.
Der kostbare historische Jugendstil-Flügel wird zur Zeit in der Ausstellung „4-3-2-1 Darmstadt“ im Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe präsentiert und ist noch bis zum 27. April 2025 zu bewundern. Dort kann man auch eintauchen in die Welt des Kunstkenners und Dekorationsexperten Koch, der Anfang des 20. Jahrhunderts ein Meinungsführer in Sachen guten Geschmacks sowie hochwertiger und schön gestalteter Räume war. Eine Denkschrift aus seiner Feder, ein flammender Appell, gab im Herbst 1898 den Anstoß zur Errichtung der Künstlerkolonie, die dann schnell, nur wenige Monate später 1899 gegründet wurde. Vor, während und nach der Eröffnung der 1. Ausstellung von 1901 entfachte der wirkungsmächtige Publizist in Deutschland wie im Ausland ein wahres PR-Feuerwerk.
Die Gründung der Künstlerkolonie Darmstadt vor 125 Jahren und die Rolle von Alexander Koch für die Entwicklung Darmstadts zu einem Zentrum der „Gebrauchs-Kunst“ steht im Mittelpunkt eines Vortrags der Freunde der Mathildenhöhe am 2. Dezember im Haus der Geschichte in Darmstadt.
Alexander Koch: Ein Flügel für den Förderer weiterlesenGroßherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein war den Künsten sehr zugewandt: Zuvorderst der bildenden und angewandten Kunst, die er in den vier Ausstellungen von 1901 bis 1914 auf der Mathildenhöhe zum Strahlen und Ruhm brachte. Doch auch der Musik, dem Theater und der Dichtung galt seine Leidenschaft. Dabei war er nicht nur ein genießender Konsument, sondern betätigte sich selbst als Künstler: Er komponierte zahlreiche Klavierstücke, entwarf Bühnenbilder und widmete sich ebenso dem Schreiben von Lyrik. Ein Band mit vierzig Gedichten aus der Feder des Großherzogs, erstmals 1917 im renommierten Kurt Wolff Verlag anonym veröffentlicht, ist in diesem Jahr im Justus von Liebig Verlag in Darmstadt neu erschienen. Zum heutigen „Totensonntag“, sei daraus ein sehr persönliches zitiert:
Mein Tod
Wenn ich im Sterben liege
zu später Nacht,
so kleidet mich in weiße Wolle,
auf eine Bahre legt mich hin.
Über meine armen Glieder breitet
die schweren Falten eines feuerfarbenen Mantels.
Tragt mich dann
von Fackelschein umgeben,
aus des Hauses enger Schwüle.
Langsam steiget aufwärts
über Schutt, Geröll,
zwischen Felsenstarre höher, steiler,
bis des höchsten Berges Gipfel
bei dem letzten Sternenstrahl erklommen.
Auf dem äußersten der Felsen,
eingehüllt in meinen Mantel,
bettet mich, behutsam.
Wendet euch dann alle von mir!
Steiget nieder in die Täler,
keiner kehre je zurück.
Auf dem Fels auf Bergeshöhe
will ich warten,
stille harren,
bis die Erde ihre Augen öffnet!



Das Ende von Patriz Huber, dem so talentierten und viel versprechenden Innenarchitekten und Gestalter wie Gründungsmitglied der Darmstädter Künstlerkolonie, ist an Dramatik wohl kaum noch zu überbieten: Eine „Verzweiflungstat“, so lautet das Urteil der zeitgenössischen Medien. Aus enttäuschter Liebe zu einer Frau, verraten vom Freund, nimmt er sich am 20. September 1902 im Alter von gerade 24 Jahren in Berlin das Leben. Von Schuldgefühlen geplagt folgt ihm der Darmstädter Kunstkritiker Felix Commichau nur wenige Tage später in den Freitod. Der doppelte Selbstmord schockierte die Nation. Den Schlussakkord zur Tragödie spielte Hubers Begräbnis in Mainz.
Leichenzüge: Der Sarg mit dem Leichnam Patriz Hubers wurde von Berlin per Zug nach Mainz überführt. Denn Huber war zwar am 19. März 1878 in Stuttgart auf die Welt gekommen, verlebte seine Kindheit und Jugend aber in Mainz, wo sein Vater, Anton Huber, als Direktor viele Jahre die örtliche Kunstgewerbeschule leitete, in der auch Patriz Huber die Grundlagen seines Handwerks und seiner Kunst lernte. Auf dem Hauptfriedhof der Stadt am Rhein befand sich das Familiengrab der Hubers, in dem der viel zu früh Verstorbene am Mittwoch, den 24. September 1902, beigesetzt werden sollte. Genau am gleichen Tag, dem Tag der Beerdigung seines Freundes, bestieg Felix Commichau mittags auf dem Stettiner Bahnhof in Berlin ebenfalls einen Zug. Kurz vor der Endstation Neustrelitz jagte er sich eine Revolverkugel in die Schläfe und setzte seinem Leben ein Ende. „Die unselige That dürfte in der Verzweiflung über das traurige Ende seines Freundes begangen sein. Es ist ein höchst beklagenswertes Geschick, das zwei so hochbegabte, hoffnungsvolle junge Leute in den Tod getrieben hat.“ – Aus dem Darmstädter Tagblatt vom 24./25.9.1902.
Travestie mit Sarg und Säge: Tragisch. Komisch. Was ein Ende!
Zur Beerdigung von Patriz Huber fand sich in Mainz eine „ungeheure Menschenmenge“ entlang der Straßen ein, „durch welche sich der Trauerzug mit der Leiche Patriz Hubers vom Centralbahnhof aus bewegte.“ Zuvor hatte es aber schon die ersten Probleme gegeben, als der Sarg aus Berlin aus dem Eisenbahnwagen gehoben wurde, „ein peinlicher Zwischenfall“.
Trauer in Mainz: Patriz Hubers bizarre Beerdigung weiterlesenDer Schicksalssturm, der über den Armen dahinbrauste, war damit indessen noch nicht zu Ende. Er trieb seinen grausamen Spott mit dem Sarge, der in den allzu engen Leichenwagen gezwängt war, und der nur gewaltsam mit Axthieben und durch Umstürzen des Wagens herausgeholt werden konnte. Die Travestie einer Beerdigung.
Friedrich Dernburg (Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, 28.9.1902)
Ein Mausoleum von Jobst, das nie gebaut wurde

Ernst Ludwig, der letzte Großherzog von Hessen und bei Rhein, wurde am 12. Oktober 1937 von Langen, wo er auf seinem Wohnsitz in Schloss Wolfsgarten drei Tage zuvor im Alter von 68 Jahren verstorben war, nach Darmstadt überführt. In einem langen Trauerzug durch die Stadt geleitete die Darmstädter Bevölkerung den Sarg ihres ehemaligen Landesfürsten vor nunmehr genau 87 Jahren hinauf auf die Rosenhöhe. Denn dort wollte er begraben sein – und hatte diesen Willen, kunstsinnig wie er zeitlebens war, auch in Form eines Gedichts formuliert.
ES WAR MEIN WUNSCH UND LETZTE BITTE:
SOLL SCHEIDEN ICH AUS DIESER WELT,
LASST MICH NICHT IN DER AHNEN MITTE,
LASST RUHEN MICH IM FREIEN FELD.
IN MEINEM GARTEN MÖCHTE ICH LIEGEN,
HIER GRÜSST DER HIMMEL FREI HERAB,
DIE SCHWALBEN HIN UND WIEDER FLIEGEN,
DIE STERNE BLICKEN AUF MEIN GRAB.
UND SONNTAGS, WENN DIE GLOCKEN LÄUTEN
VON KIRCHTÜRMEN ZUM GEBET,
WEISS ICH, DASS MEINES GRABES STUFEN
IHR WOHLVERTRAUTER KLANG UMWEHT.
UND WENN IM SCHNEE DIE WEGE SCHWINDEN,
UND ALLE GRÄBER TIEF VERSCHNEIT,
DANN KANN MAN MEINEN HÜGEL FINDEN,
ZUR ROSENHÖHE IST NICHT WEIT.
In der Ausstellung 4-3-2-1 Darmstadt im Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe ist in der rückwärtigen Halle 2, die dem Osten Richtung Rosenhöhe zugewandt ist, derzeit in einer Vitrine ein kleines Gipsmodell zu sehen. Es wurde von Heinrich Jobst vermutlich Ende des Jahres 1937 angefertigt und steht in engem Zusammenhang mit dem Tod Ernst Ludwigs und dem tragischen Schicksal der großherzoglichen Familie, das diese nur kurz danach ereilte.
Ein Mausoleum von Jobst, das nie gebaut wurde weiterlesenDie Arbeiten von Heinrich Jobst für Bad Nauheim entstanden in engem Zusammenhang mit der in Darmstadt präsentierten Hessischen Landesausstellung für Freie und Angewandte Kunst von 1908. Obwohl er von 1907 bis zu ihrer Fertigstellung 1911 viel Zeit in dem Kurort mit den gesunden Sprudeln verbrachte, blieb Darmstadt und die Mathildenhöhe für ihn stets der Lebensmittelpunkt. Seine Werkstatt befand sich in dem Bildhaueranbau, um den das Ateliergebäude der Künstlerkolonie 1904 erweitert wurde. In den für seine Disziplin optimal ausgestatteten Räumen hat er über mehr als drei Jahrzehnte seine Modelle und Abgüsse für zahllose Medaillen und Büsten prominenter Zeitgenossen, für seine vielen Reliefs, Plastiken, Denkmäler und Brunnen angefertigt.

Über dem Eingang zum achteckigen Turmgebäude, dem „Oktogon“, das den oberen Abschluss der Bildhauerateliers bildet und in dem sich heute der Shop des Museum Künstlerkolonie befindet, ist eine seiner frühen Arbeiten von 1904 zu sehen, die er wohl von München nach Darmstadt mitbrachte: Das quadratische Relief wurde eingepasst in den rechteckigen Raum, der über dem Türrahmen zu füllen war. Es zeigt Apollo, wie er der von ihm begehrten Daphne nachstellt, die sich flugs in einen Lorbeerbaum verwandelt, um ihm zu entkommen.
Dazwischen in der Nische: Bildhauer Heinrich Jobst weiterlesen
Fast jeder Künstler, der zur Ausstellung von 1908 Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie war, hat sich an des Großherzogs großem Bauprojekt dieser Jahre beteiligt: den neuen Kuranlagen von Bad Nauheim. Ernst Ludwig hatte zum Leiter der eigens dafür geschaffenen Baubehörde den in Darmstadt geborenen und an der Technischen Hochschule ausgebildeten jungen Architekten Wilhelm Jost benannt. Dieser schuf zwischen 1905 und 1911 mit dem „Sprudelhof“ und der Trinkkuranlage in Bad Nauheim ein einmaliges Ensemble, das basierend auf Vorbildern der Renaissance und des Barock durch die Elemente des Darmstädter Jugendstils späterer Ausprägung seine ganz eigene Architektursprache fand.
Es entstand wie schon in Darmstadt auf der Mathildenhöhe auch in Bad Nauheim ein Gesamtkunstwerk, zu dem mit dem Bildhauer Heinrich Jobst, dem Keramiker Jakob Julius Scharvogel, dem Schmiedekünstler Ernst Riegel, dem Glasmaler Friedrich W. Kleukens und dem Gestalter Albin Müller gleich fünf der sieben großen Namen der Künstlerkolonie von 1908 beitrugen und das gestalteten, was bis heute ein architektonisches Juwel darstellt. Jobst hat dabei im „Sprudelhof“ seine Akzente gesetzt, mit den Arbeiten für die Badehäuser 2 und 7, mit dem Hessischen Löwen aus Bronze, vor allen Dingen aber mit der Einfassung der Sprudel im zentralen Innenhof der Anlage, darunter der „Große Sprudel“ von Bad Nauheim. Hier hat er sich mit seinem Entwurf im Wettbewerb sogar gegen den leitenden Architekten Jost durchsetzen können.

