Die Kunst des Grabmals

Schönheit und Kunst in alle Bereiche des Lebens zu bringen, dieses Streben der reformbewegten Künstler auf der Mathildenhöhe erstreckte sich auch bis zum Ende des Lebens, zu Begräbnis und Bestattung. Es waren vor allem zwei Bildhauer aus der frühen Künstlerkolonie, der beiden Ausstellungen von 1901 und 1903, die sich um das Thema Grabmäler und Friedhofskultur verdient gemacht haben: Ludwig Habich und Daniel Greiner. Habich haben wir eines der schönsten Grabmäler Darmstadts zu verdanken. Es befindet sich hoch oben auf der Rosenhöhe.

Das Grabmal erinnert an ein kleines Mädchen, das viel zu früh im Alter von gerade einmal acht Jahren verstarb: an Elisabeth, die einzige Tochter des Darmstädter Großherzogs Ernst Ludwig aus seiner unglücklichen ersten Ehe mit Victoria Melita von Sachsen-Coburg und Gotha. Das „Prinzesschen“, wie es von den Darmstädtern auch liebevoll genannt wurde, starb genau heute vor 117 Jahren, am 16. November 1903.

Ein schicksalsträchtiger Tag für das großherzogliche Haus. Denn es war ebenfalls ein 16. November, an dem fast die gesamte Familie des Hauses Hessen-Darmstadt 1937 bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam. Doch davon ahnte noch niemand etwas, als ganz Darmstadt um den tragischen Tod der Kleinen im polnischen Skierniewice trauerte, das damals noch zum russischen Zarenreich gehörte. Dorthin hatte sie ihren Vater zu einem Jagdausflug mit dessen Schwester und Schwager, der Zarin und dem Zar von Russland, begleitet. Im fernen Jagdschloss war sie dann ganz überraschend und ohne dass man ihr habe helfen können verstorben. An einer Typhusinfektion soll sie plötzlich erkrankt sein, wie es hieß. Manche munkeln, es sei Gift gewesen, das dem Zaren gegolten habe.

Habich hatte ein Jahr zuvor ein Denkmal für die ebenfalls sehr früh verstorbene Mutter des Großherzogs, Prinzession Alice, entworfen. Die Skulptur, im Art Deco-Stil ausgeführt und mit einem auffälligen Obelisken gekrönt, wurde 1902 auf dem Wilhelminenplatz aufgestellt. Neben dem Grabmal für die kleine Elisabeth auf der Rosenhöhe hat Habich noch ein weiteres Darmstädter Denkmal für sie geschaffen. Das ist im Herrngarten direkt hinter dem Landesmuseum zu finden und besteht aus zwei in einem Stein eingelassenen Kupferreliefs. Das obere ziert das Kindergesicht Elisabeths, darunter ist eine rührende Schneewittchen-Szene zu sehen mit sieben Zwergen und der Prinzessin in einem gläsernen Sarg. Auf dem Stein steht geschrieben: „Unserm Prinzesschen. Die Kinder Darmstadts“.

Ein Katalog für die Friedhofskunst

Daniel Greiner, der 1903 zur Künstlerkolonie stieß und in seinen drei Jahren auf der Mathildenhöhe auch mit Habich zusammengearbeitet hat, etwa an dem großen Bacchus-Brunnen an der Ostflanke des Platanenhains, hat sich nach dem Verlassen der Künstlerkolonie sogar ganz auf das Metier Friedhofskunst konzentriert. Der studierte Theologe und Doktor der Philosophie, der sich 1901 mit der Kirche überwarf und aus ihr austrat, ließ sich nach dem Intermezzo auf der Mathildenhöhe 1906 in Jugenheim an der Bergstraße, Richtung Stettbacher Tal nieder. Dort gründete er auch die „Werkstätte für Grabmalkunst Greiner und Guth“.

Seine Werkstättte soll zeitweise mehr als dreißig Angestellte gehabt haben. Von 1909 ist noch ein Ausstellungskatalog von Greiners Firma erhalten, in dem verschiedene Modelle für Grabsteingestaltung vorgestellt werden.

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