Haus Olbrich: Das Kamin-Häuschen in der Halle

Der Kamin im Haus Olbrich: mehr als nur eine Feuerstelle.

Jetzt wird es kuschelig und warm! Schließlich ist Winter – und so versammelt 23 Quer nun alle Leser:innen um den Kamin. Denn um den geht es in diesem Beitrag, und die besondere Rolle von Kaminen in den Künstlervillen auf der Mathildenhöhe. Ein ganz besonders schönes Exemplar hat Joseph Maria Olbrich für sein eigenes Haus entworfen. Sein wie immer wunderbares Aquarell zeigt viele Details und vermittelt mit einer enormen Farbigkeit das wohnliche Raumgefühl dieses einladenden Wohnobjekts. Olbrich hat hier eine ganze Kaminwand entworfen, die optisch wie ein kleines Häuschen im Haus Olbrich gestaltet ist.

Eine Feuerstelle im Haus, ob ein einzelner Kamin oder eine ganze Kaminwand, ist in engem Zusammenhang mit dem Konzept der „Halle“ zu sehen. Diese galt Olbrich, der darin sehr von der britischen Arts and Crafts-Bewegung inspiriert wurde, als ideale Wohnform für eine Gemeinschaft. Die „Halle“ ist nicht etwa als eine Erweiterung der Diele, sondern eher als eine Art zweigeschossiges Wohnzimmer zu verstehen. In diesem versammelte man sich damals noch nicht vor dem Fernseher, sondern kam zu Austausch und Gesprächen zusammen, in der Familie, vor allen Dingen aber auch mit Gästen und Besuch. Platz genug hatte man ja in diesem großzügig bemessenen Zimmer. Die „Halle“ ist der zentrale öffentliche Raum in vielen der sieben Künstlervillen Olbrichs auf der Mathildenhöhe.

Von der Halle im Haus Olbrich existiert eine Zeichnung, an der man sehr schön die Entwurfsidee Olbrichs vom „Haus im Haus“ für die große geschlossene Wand ablesen kann, die genau gegenüber der Eingangstür in das Zimmer lag. Der Kamin mit seinen Sitzbereichen links und rechts springt hervor, während der Giebel des Objektes an der Rückwand entlang durch Ornamente und Bemalungen weiter geführt wird. Leider ist auch diese Kaminwand im Bombenhagel der Brandnacht 1944 zerstört worden. Doch Bilder vermitteln noch ein wenig den Gesamteindruck vom Zuhause, in dem Olbrich bis zu seinem Tod im Sommer 1908 gut acht Jahre lang lebte. Im Winter hat er es sicherlich auch gerne gemütlich gemacht an seiner Kaminwand mit den bequemen Sesseln.

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Literatur

Michaela Braesel: Die Halle. Ideen der Gemeinschaft um 1900 und ihre Umsetzung in räumlicher Form. In: ICOMOS: „Eine Stadt müssen wir bauen, eine ganze Stadt“, Hefte des Deutschen Nationalkomittees, LXIV, S. 45 – 60.

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