Es grüßt der Frühling!

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Er war der wirklich vornehme Gentleman, mit einem Herzen eines ganz jungen Menschen. Die große Freude an der Kunst brachte uns zusammen, und so oft irgend Jemand Interessantes bei ihm war, ließ er es mich wissen, und dann lief ich hinüber in sein schönes, mit Kunstschätzen gefülltes Haus und blieb dort in angeregtem Gespräch zum Mittag- oder Abendessen. Obwohl die beiden Heyls ganz in der großen Tradition lebten, konnten sie mein großes Interesse für die junge Kunst begreifen, und oft haben sie auch die Künstler der Künstlerkolonie bei sich gesehen.

Grossherzog Ernst Ludwig

Die Salonlöwen von Darmstadt: Maximilian und Doris von Heyl

Wer einst etwas auf sich hielt in Darmstadt, der kam an diesen beiden nicht vorbei. Sie waren die absoluten gesellschaftlichen Größen der Residenz – und wer eine Einladung von Maximilian und Doris von Heyl erhielt, der konnte sich zu den „Who is Who“ am Woog zählen. Sie wohnten, nein, sie residierten im „Heylshof“, einem prächtigen Stadtpalais in der Weyprechtstraße. Dieses entwickelte sich ab den 1890er Jahren zu einem der bekanntesten Treffpunkte für Künstler, Literaten und die Spitzen der Darmstädter Gesellschaft. Doris von Heyl sorgte mit ihren Einladungen zu Musikveranstaltungen, Tanztees, Bällen, Konzerten und Galadiners dafür, dass sich viele Jahre lang alles, was in der Residenzstadt Rang und Namen hatte, bei ihnen ein Stelldichein gab. Besonderen Glanz verlieh den Veranstaltungen im Heylshof, dass Großherzog Ernst Ludwig und Großherzogin Eleonore, die eine persönliche Freundschaft mit Max und Doris von Heyl verband, dort häufiger zu Gast waren. Auf „Du und Du mit dem Großherzog“, so beschreibt Peter Engels, Leiter des Darmstädter Stadtarchivs“, das gutnachbarschaftliche Verhältnis zwischen Regent und Mäzen.

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PS.: Patriz Huber – Drama bis zum letzten Sch(l)uss

In diesem Garten hinter einer prächtigen Gründerzeitvilla in Berlin-Charlottenburg lebte und arbeitete Patriz Huber in den letzten Monaten seines Lebens. Nachdem der Vertrag für das hochgelobte Talent der Darmstädter Künstlerkolonie „nach Querelen“ nicht verlängert wurde, bezog er auf diesem Gelände ein bescheidenes Gartenatelier. Auf diese Fenster wird er wohl tagtäglich geblickt haben. So auch an dem Tag, an dem er sich mit einem Revolver erschoss. Doch das Drama war mit seinem Tod am 20. September 1902 noch längst nicht zu Ende. Es fand seine Fortsetzung in einem Zug von Berlin nach Neustrelitz.

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Das Ende: Patriz Huber – voller Pläne, so enttäuscht

Als am 15. Mai 1901 die 1. Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt ihre Pforten öffnete, war Patriz Huber gerade 23 Jahre alt. Zwei äußerst arbeitsreiche Jahre lagen hinter ihm, in denen der junge Möbelgestalter und Innenarchitekt sich für eine vielversprechende Zukunft empfahl. Die Auftragsbücher waren voll, sein moderner, aber dennoch elegant-gediegener Einrichtungsstil war gefragt. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Nur ein Jahr nach dem Ende der Ausstellung im Herbst 1901 setzte er sich am 20. September 1902 in seiner Wohnung in Berlin, nach einem Besuch des Darmstädter Redakteurs Felix Commichau, einen Revolver an die rechte Schläfe und war sofort tot.

„Mysteriöser Selbstmord“ titelte das Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, die am Montag, den 22. September 1902, als erstes von diesem Vorfall am Wochenende im Stadtteil Charlottenburg Bericht erstattete. Noch am gleichen Tag folgte die Berliner Neueste Nachrichten:

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Der Anfang: Patriz Huber – so jung, so reif, so begabt

Schon früh wurde sein großes Talent von Alexander Koch entdeckt: Der Darmstädter Verleger hatte in der „Deutschen Kunst und Dekoration“ wie der „Innendekoration“, die um die Jahrhundertwende zu den führenden Magazinen rund um Fragen der Gestaltung und Inneneinrichtung zählten,kleinere Wettbewerbe ausgeschrieben, um neue kreative Köpfe zu entdecken und bekannt zu machen. Besonders vielversprechend zeigte sich dabei ein junger Künstler, der noch als Student mehrfach erfolgreich an ihnen teilnahm: Patriz Huber.

Mit nur 21 Jahren wurde er 1899 aufgrund seiner Begabung von Großherzog Ernst Ludwig als einer von sieben Künstlern an die Darmstädter Künstlerkolonie berufen. Zusammen mit dem Jüngsten der Gruppe, dem nur 20-jährigen Paul Bürck, bezog er eine kleine Einliegerwohnung im Untergeschoss des Ernst Ludwig-Hauses, dem damaligen Ateliergebäude der Künstler, und richtete die zwei Wohnungen nach eigenen Entwürfen ein. Ein Stockwerk höher besaß er, wie die anderen Künstler, ein eigenes Atelier. Seines befand sich direkt neben dem des Bildhauers Rudolf Bosselt. Hier saß man auch gelegentlich zusammen, wie eine seltene Aufnahme gemeinschaftlichen Lebens und Arbeitens von 1901 in Hubers Atelier zeigt:

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Patriz Huber: Portrait eines Ausnahmetalents

Mit 21 Jahren gehörte er 1899 zu den Jüngsten im „Club der jungen Wilden“, die Großherzog Ernst Ludwig in seine frisch gegründete Darmstädter Künstlerkolonie berief: Patriz Huber. Neben Peter Behrens sollte er zum „Shooting-Star“ der 1. Ausstellung von 1901 werden. Für die Mathildenhöhe entwarf er Schmuck und Gebrauchskunst, überzeugte besonders aber als Möbelgestalter und Innenarchitekt. Er gilt nicht wenigen als ein Künstler, der das Potential hatte, ein zweiter „Henry van de Velde“ zu werden. Doch es sollte ihm nicht vergönnt sein. Am 20. September 1902 nahm er sich mit nur 24 Jahren in Berlin das Leben.

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Start für 2024: Los geht’s wieder im Platanenhain!

Mit ganz viel Boule fing das neue Jahr auf der Mathildenhöhe an: Auf dem neuen Kies des Platanenhains fanden sich viele Gruppen ein, um direkt am 1. Januar auf 2024 anzustoßen. Was in diesem Fall durchaus wörtlich gemeint ist. War nach der Auslosung erstmal die Entscheidung gefallen, ob man ein Doublette oder Triplette spielt – man also drei oder zwei Würfe hat, zu zweit oder zu dritt in einer Mannschaft ist – dann konnte es los gehen zwischen den 184 Bäumen mit ihren knorrigen Ästen. Auch nach der Sanierung ist der Platanenhain wieder die stilechte und zentrale Spielarena der Freunde des französischen Nationalsports in Darmstadt. Das Boule-Spielen ist dort von der Stadt ausdrücklich erlaubt.

An diesem kühlen ersten Nachmittag des Jahres zog auch ein wenig Savoir vivre auf die deutsche Art in den weitläufigen Skulpturengarten. Denn für die Spieler und Spielerinnen gab es neben viel Prickelndem im Glas auch einen köstlichen Heringssalat zur Stärkung, aus selbst eingelegten und gesäuberten Salzheringen nach altem Hausrezept. Eine seit vielen Jahren gepflegte Tradition zum Start in die Saison, die noch jeden Sylvesterkater vertreibt und die man in diesem Jahr besonders genoss. War es doch das erste Neujahrs-Boule nach langer Zeit der Schließung, das man wieder an seinem Lieblingsplatz unter dem Hochzeitsturm feiern konnte.

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Frohe Weihnachten!

Unser Hochzeitsturm macht sich auch als schlanker Weihnachtschmuck ganz ausgezeichnet, finden Sie nicht? Es muss ja nicht immer eine Kugel sein, die unser Auge zu Weihnachten erfreut. Nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über ist uns die Darmstädter Mathildenhöhe ein wunderbarer Blickfang. Als Lektüre zum Fest empfiehlt 23 Quer Ihnen an dieser Stelle nochmals eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte:

Geburt einer Schönheit: Die Künstlerkolonie oder am Anfang war das Wort. – Viel Spaß beim Lesen!

„Meine Mathildenhöhe“: Flanieren mit Hans Gerhard Knöll

Man hat das Gefühl, es geht etwas zu Ende – und eine neue Zeit beginnt. Das ist überall festzustellen: in der Gesellschaft mit ihren vielen Umbrüchen. Auf der Mathildenhöhe, die nach der UNESCO-Auszeichnung im Sommer 2021 nun langsam vollendet saniert erscheint und zu ganz neuen touristischen Ufern aufbricht. Auch beim Verein Freunde der Mathildenhöhe endet eine Ära und beginnt eine neue Zeitrechnung. Denn mit Hans Gerhard Knöll verabschiedet sich im Dezember 2023 ein Mann aus der allerersten Reihe und Riege, der als langjähriger Vorsitzender des Vereins dessen Geschicke und damit auch ein wenig die der Mathildenhöhe maßgeblich geprägt hat. Keine Frage also, dass 23 Quer mit ihm über die Mathildenhöhe flanieren musste.

In der Rubrik „Meine Mathildenhöhe“ erzählen Menschen, die die Mathildenhöhe prägen, begleiten und für sie an den unterschiedlichsten Stellen wirken, ihre ganz persönlichen Geschichten zu diesem ganz besonderen Stück Darmstadt. Gemeinsam mit ihnen flanieren wir über den Musenhügel. Drei Orte, drei Stopps, drei Geschichten. Los geht’s!

Das erste Mal hat er die Mathildenhöhe gesehen, da war er Anfang Zwanzig und kam als junger Student des Bauingenieurwesens nach Darmstadt. Das ist nun auch schon über sechzig Jahre her. Aber genau wie damals fasziniert Gerhard Knöll bis heute die besondere Architektur, die man hier oben auf dem prämierten Hügel sehen kann. Er ist einer, der mit dem Auge eines Bauingenieurs auf die Gebäude, die Gärten und die Skulpturen guckt, wo andere eher die kunstgeschichtlichen Zusammenhänge oder die Schönheit der Anlage sehen. Sein Blick geht oft hinter die Fassade, auf die zugrunde liegende Konstruktion der Gebäude. Er kann sich dabei immer wieder über die innovativen Ansätze begeistern, die die Künstlerkolonie Darmstadt insbesondere auch bei der Bautechnik hatte.

Einer seiner Lieblingsorte auf der Mathildenhöhe ist das Ausstellungsgebäude, 1908 gebaut von Joseph Maria Olbrich für die dritte, die Hessische Landesausstellung für freie und angewandte Kunst. Breit thront es auf dem alten Wasserspeicher der Stadt, wodurch es seine imposante Höhe erhält, obwohl es eigentlich nur ein eingeschossiger Bau ist. Der Gebäuderiegel fungiert als Spange, die den Hochzeitsturm links mit der Russischen Kapelle rechts verbindet. Es fasst die einzelnen, doch recht unterschiedlichen Gebilde, zu etwas Einheitlichem zusammen, lässt überhaupt erst den Eindruck eines Ensembles entstehen. Das Ausstellungsgebäude ist ein wichtiges architektonisches Element für das gesamte Erscheinungsbild der Mathildenhöhe.

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Café Restaurant Mathildenhöhe

Sabaisplatz 1 – 64287 Darmstadt

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10:00 – 22:00 Uhr

Telefon: +49 (0)172 6623182

caferestaurantmathildenhöhe.de

„Mutter mit Kind“ alias Paula Modersohn-Becker

Das Grab von Paula Modersohn-Becker in Worpswede.

Die Malerin Paula Modersohn-Becker starb am 20. November 1907 im Alter von nur 31 Jahren, kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes. Ihr Grab auf dem Friedhof von Worpswede wurde von Bernhard Hoetger gestaltet, ihrem guten Freund und Ratgeber seit gemeinsamen Pariser Zeiten. Ihr Grabmal inspirierte den Bildhauer unverkennbar bei der Gestaltung des zentralen Denkmals auf dem Platanenhain: die „Sterbende Mutter mit Kind“. Das Darmstädter Kunstwerk entstand erst einige Jahre später, zur Ausstellung der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe von 1914.

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Emy, Ella und Ester – die Frauen der Mathildenhöhe

Ein richtiger „Männerclub“ war sie, die Künstlerkolonie Mathildenhöhe. 23 Künstler zählt man von ihrer Gründung in 1899 bis zu ihrer letzten Ausstellung in 1914 – und alle waren sie männlichen Geschlechts. So überhaupt nicht emanzipatorisch war der Aufbruch in die Moderne in Darmstadt, möchte man meinen. Doch dieses Bild einer Männerdomäne stimmt nicht so ganz. Wie die bahnbrechenden Ausstellungen zu den „Sturm-Frauen“ (2015/16) und den „Fantastischen Frauen“ der Surrealisten (2020) in der Frankfurter Schirn, entdeckt man auch in Darmstadt die „Frauen der Mathildenhöhe“. Die Kunsthistorikerin Renate Charlotte Hoffmann hat sich mit diesem bisher relativ unbeachteten Aspekt der Künstlerkolonie auseinandergesetzt und eine Fülle an Material und Namen zusammengetragen – und siehe da: Der weibliche Beitrag ist erstaunlich.

Sie waren Modelle, Schülerinnen, Assistentinnen, manche sogar als Mitarbeiterin angestellt, aber den Ruhm, Teil einer künstlerischen Avantgarde gewesen zu sein, den heimsten dann in aller Regel die männlichen Künstler ein. Die Frauen der Mathildenhöhe gerieten in Vergessenheit. Besonders interessant sind dabei die Frauenfiguren, die maßgeblich an dem Erscheinungsbild des UNESCO-prämierten Ensembles und seiner Raum- wie Gebrauchskunst mitgestaltet haben, an Objekten, die eigentlich bekannt sind als das Werk eines der bekannten Mathildenhöhenkünstler. Hinter Bernhard Hoetger, Emanuel J. Margold und selbst hinter Joseph M. Olbrich standen jedoch auch starke und beeindruckende Frauen, die ihre künstlerische Handschrift auf der Mathildenhöhe hinterlassen haben.

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Die wehrhafte Kunst: Mit Pallas Athene zum Sieg

Siegreiche Kunst: Der Lorbeerkranz ist sicher (Foto: Fabian Fröhlich).

Sie hat es wahrlich nicht einfach, die Kunst: Sie muss oft kämpfen um Aufmerksamkeit, ringen um Anerkennung und Budgets. Aber am Ende wird sie dann doch gewinnen, wird man ihr den Lorbeerkranz der Siegerin überstreifen. So auch in Darmstadt. Hoch oben am mit Gold reich geschmückten Portal des Ernst Ludwig-Hauses stehen zwei Siegesgenien und flankieren den Eingang. Gerüstet mit einem Waffenrock begrüßen sie den zum Kampf bereiten Künstler, der unter ihnen zur Arbeit, zum „heiligen Gottesdienst“, ins Ateliergebäude schreitet und die stärkende Botschaft über ihm wohl vernimmt: „Der Sieg, er ist dir sicher!“

Die beiden Figuren sind von Rudolf Bosselt, angefertigt zur 1. Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie 1901. Mit der wehrhaften Kunst nimmt der Bildhauer ein Motiv auf, das bei der künstlerischen Avantgarde um die Jahrhundertwende sehr in Mode kam. Das führt eindrucksvoll eine große Kunstausstellung vor Augen, die zur Zeit in Berlin die Massen in die Alte Nationalgalerie auf die Museumsinsel lockt: „Secessionen – Klimt, Stuck, Liebermann“ ist ihr Titel. In den Secessionen, was wortwörtlich Abspaltungen bedeutet, fanden sich damals diejenigen Künstler zusammen, die die Kunst und ihre Strukturen im ausgehenden 19. Jahrhundert erneuern und radikal modernisieren wollten. Da war Kampf geradezu vorprogrammiert.

Kein Wunder, dass sich die Secessionisten die griechische Göttin Pallas Athene zur Leitfigur auserkoren hatten. In der Berliner Ausstellung wimmelt es geradezu von Darstellungen der kämpferischen Dame. Die meisten finden sich bei den Abspaltern aus München und Wien.

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Nikolaus Heiss wird 80: Gratulation, Mr. Welterbe

Heute, am 3. Oktober 2023, wird einer 80 Jahre alt, dem man seine Jahrzehnte nun wirklich nicht ansieht: Nikolaus Heiss alias „Mr. Welterbe“. Diesen inoffiziellen Ehrentitel, der spätestens seit eines Zeitungskommentars von Johannes Breckner im Darmstädter Echo öffentlich und in aller Munde ist, hat er sich wahrlich verdient. Seit frühen Kindheitstagen ist er mit „seiner“ Mathildenhöhe so vertraut wie kein Zweiter. Er hat die Stadt Darmstadt auf ihrem langen Weg zum UNESCO Weltkulturerbe als ihr Berater und Koordinator viele Jahre unterstützt. Er hat das einmalige Ensemble aus Architektur, Gartenanlagen und Skulpturen über Jahrzehnte in Tausenden von Fotografien festgehalten, das Bild von ihr in der Öffentlichkeit damit nachhaltig geprägt. Sei es auf der Webseite der UNESCO, sei es in unzähligen Publikationen – mit grandiosen Luftaufnahmen, aber auch durch die unverkennbare Liebe zu ihren Details.

Der langjährige Leiter der Denkmalpflege Darmstadt hat sie immer wieder dokumentiert, saniert und sich bis heute gemeinsam mit dem Verein „Freunde der Mathildenhöhe“, deren zweiter Vorsitzender er ist, für die Gesamtanlage und besonders für den Platanenhain eingesetzt. Zusammen mit der Kunsthistorikerin Renate Charlotte Hoffmann hat er im Herbst 2021 den mit großformatigen Fotografien reich geschmückten Band über das frisch gebackene Welterbe Mathildenhöhe veröffentlicht. An dieser Stelle sei das ausführliche Portrait über ihn auf 23 Quer zur Lektüre empfohlen: Meine Mathildenhöhe – Flaniert mit Nikolaus Heiss. Auch im Darmstädter Echo, digital allerdings nur lesbar für Abonnenten, wurde er zum Jubiläum nun besonders gewürdigt: Hüter des Darmstädter Welterbes: Nikolaus Heiss wird 80.

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Check: Wie alt wurden die Mathildenhöhe-Künstler?

Die kreativen Köpfe der Künstlerkolonie Darmstadt, vor allen Dingen die Generation der 1. Ausstellung von 1901, waren junge Männer als sie auf der Mathildenhöhe Teil des ambitionierten großherzoglichen Projektes wurden. Es sollte sie in der Kunst- und Architektenwelt schlagartig bekannt machen und das südhessische Darmstadt in eine Spitzenposition auf dem Weg in die Moderne katapultieren. Die beiden Jüngsten der „glorreichen Sieben“, die Großherzog Ernst Ludwig bis 1899 zu sich an die neu gegründete Künstlerkolonie nach Darmstadt berief, waren gerade einmal 20 und 21 Jahre alt als sie zu der experimentierfreudigen Künstlergruppe stießen. 26, 28, 30, 31 und 32 Jahre zählten die anderen anfangs.

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Ausblicke Mathildenhöhe

23 Quer ist ein Magazin für Flaneure. Für diese gibt es wohl kaum einen anderen Ort, der sich besser eignen würde zum lustvollen Umherstreifen als die Mathildenhöhe. Viele Perspektiven öffnen sich beim Spazieren durch das weltweit einmalige Ensemble aus Architektur, Skulpturen und Gartenanlagen: von oben, von unten, von gegenüber, die Treppen hinauf und hinab, durch schattige Laubengänge, von Innen wie von Außen. Immer wieder neu und immer wieder zauberhaft – wie auch die Impressionen dieser kleinen sommerlichen Bildergalerie.

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Wenn die Architektur ein Crescendo der Natur wird

Hochzeitsturm und Ausstellungsgebäude: Aus dem Grün ins Blau.

Ohne Natur ist die Architektur von Joseph Maria Olbrich nicht zu denken. Er „komponierte seine Gebäude in die Natur hinein […]: Sie wächst innerhalb der Vegetation, die aber niemals wild und unkultiviert ist, sondern den Eindruck eines Gartens oder Parks beibehält. Das Bauwerk soll eine Erlebniseinheit mit der sie umgebenden Natur bilden“, heißt es bereits 1983 im Katalog, der die Darmstädter Ausstellung zu Olbrichs 75. Todestag begleitete.

Diese enge Verbindung von Natur und Bauwerk zeigt seit 1908 eindrucksvoll der Hochzeitsturm, der förmlich aus einem grünen Fundament Richtung Himmel emporwächst. Olbrich gelingt dieser Effekt durch lange Reihen von prächtig bepflanzten Pergolen, die er in bis zu dreistöckigen Kaskaden um den kompletten Hügel mit dem auf ihn thronenden Ausstellungsgebäude zieht. In seinen Entwurfszeichnungen und auch hier in diesem Aquarell von Olbrich mit der Ansicht von Nordosten, der Rückseite, ist das besonders schön nachzuvollziehen – und wenn die letzten Bauzäune fallen auch schon sehr bald wieder in natura auf der Mathildenhöhe.


Déjà-vu oder Hoetgers tierische Doppelgänger

In Darmstadt zieren sie oben die massiven Eingangspfeiler zum Platanenhain, doch die beiden fauchenden Raubkatzen aus Bronze sind keineswegs Unikate. Ihr Schöpfer Bernhard Hoetger hat sie gleich mehrfach eingesetzt. Doppelgänger von ihnen findet man sowohl in Worpswede als auch in Bremen.

Denn den gebürtigen Dortmunder zog es in den Norden. Darmstadt war 1911 nur eine kurze Zwischenstation für den Bildhauer, noch dazu unterbrochen von einem zehnmonatigen Aufenthalt in Florenz und einem ersten Umzug nach Fischerhude in 1913. Nach der Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt von 1914 verabschiedete sich Hoetger endgültig von Südhessen, um zu einem der bekanntesten Vertreter des norddeutschen Expressionismus in Bildhauerei und Architektur zu werden. Wer heute seinen Spuren folgt, hat als Darmstädter nicht selten das Gefühl eines Déjà-vus. Insbesondere den beiden Bronzen mit den sich streckenden Knaben auf dem Rücken kann man auf dieser Reise gleich mehrfach begegnen.

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