Schlagwort-Archive: Hoetger

Licht- und Schattenseiten oder viel Sonne und Wasser im Platanenhain

Eigentlich ist alles bereits am Eingang gesagt, man muss sich nur die Zeit nehmen, die Inschriften zu lesen: Wasser und Sonne werden hier gleich zu Beginn als Leitmotiv für das vierzig mal achtzig Meter große Gesamtkunstwerk eingeführt. Beide sind der Quell allen Lebens und aller Energie auf der Erde, ohne sie wären wir und alles lebende Wesen auf diesem Planeten nichts. Diese zwei Themen ziehen sich wie ein Leitfaden über den Kunst-Parcours, den der Bildhauer Bernhard Hoetger im Platanenhain auf der Mathildenhöhe installiert hat. Nach den Wasserspielen im Juni widmet sich 23 Quer nun dem zentralen Motiv der Sonne, und wie sie den gestalterischen Bogen im Süden des Platanenhains schließt. Denn die großen Pflanzkübel dort sind weit mehr als nur dekoratives Beiwerk. Sie haben eine bedeutende Rolle im Gesamtkonzept des Hains. Licht- und Schattenseiten oder viel Sonne und Wasser im Platanenhain weiterlesen

Sommer: „Das Relief mit dem üppigsten Reichtum“

Die Bewegungen simd rund, voll freier Selbstverständlichkeit. Alles quillt über vom Leben und Freude am Dasein. Die Ranken schwellen von Früchten, an denen gierige Vögel picken. Die nackten Körper sind in lichtes Gelbgrau getaucht, die Gewänder der Knienden orange bemalt. Zwischen den gelbgrünen Pflanzen und Vögeln schimmert das Blau des Grundes nur an wenigen Stellen hervor. Die Schalen, getragen von den drei Kauernden der Mitte, sind terrakottarot. Wie die Gestalten des Frühlings, haben auch die des Sommers orangefarbenes Haar in der oberen Reihe, grauschwarzes in der unteren.

Vergoldete Gitter mit graziösen, vogelbelebten Ranken trennen die Nische vom Park und halten dem Ernst der Reliefs und ihres Rahmenwerks die frohe Anmut des Spiels entgegen. Indem sie das Blau der Inschrift noch intensiver aufleuchten lassen, helfen sie zugleich, eine Farbenverbindung zwischen dem Sockel und dem Blau des Reliefgrundes herzustellen.

Aus: Hans Hildebrandt: Der Platanenhain, Berlin, 1915

Sommer: „Das Relief mit dem üppigsten Reichtum“ weiterlesen

Hereinspaziert, die Zweite! Mitten im Bild

Erste Aufgabe: Denken Sie sich die Pfosten weg! Die haben hier am Eingang zum Platanenhain künstlerisch so rein gar nichts zu suchen. Denn, was wir hier auf der Mathildenhöhe sehen und nur kurze Zeit später betreten, ist schon an dieser Stelle scheinbaren Leerraums Teil eines Kunstwerks von Bernhard Hoetger – eines ziemlich großen allerdings. Es reicht vom Eingang bis ganz hinüber ans andere Ende zu einer Skulpturengruppe mit drei schlanken Frauenfiguren, krönender Teil eines von dichtem Efeu umrankten Brunnens. Wie die Linien einer Zentralperspektive leiten die Platanenbäume unseren Blick zu diesem 40 Meter entfernten Fluchtpunkt. Hereinspaziert, die Zweite! Mitten im Bild weiterlesen

Frühlingserwachen

Im ewigen Zyklus der Jahreszeiten beginnt nun eine der schönsten Episoden im Kalender: Genau heute erwacht auf der Nordhalbkugel der Frühling! Der richtige Moment also, um kurz auf den Platanenhain zu schwenken, durch das Portal mit dem Leoparden und dem Silberlöwen zu gehen, auf den gegenüberliegenden Brunnen zu und sich dann nach rechts Richtung Hochzeitsturm zu drehen – dann steht man vor ihm: dem Frühling. Denn genauso hat Bernhard Hoetger sein Gruppenbild aus elf Figuren genannt, dem man sich unversehens gegenüber sieht.

Es ist eins von vier Reliefbildern, die er ab 1912 für die vierte und letzte Ausstellung der Darmstädter Künstlerkolonie von 1914 gearbeitet hat, und die eine gestalterische Gesamtkomposition bilden: Frühling und Sommer, Schlaf und Auferstehung. Zwischen diesen Polen bewegt sich das Leben im immerwährenden Kreis. Die Frühlingserwachen weiterlesen

Nachgezählt: Es sind 23!

Wer nicht vor Ort sein kann, um sie Reihe für Reihe abzuschreiten und zu zählen, für den lohnt sich ein Blick auf diesen Grundriss, der 1915 in einem Buch von Hans Hildebrandt über den Platanenhain veröffentlich wurde:

Platanenhain Grundriss 1915 Ost-West

Von links nach rechts, vom Hochzeitsturm am östlichen bis zum Denkmal der Sterbenden Mutter mit Kind am westlichen Ende, sind es genau 23 Querreihen zumeist prächtiger Platanenbäume, die ein sehr langes Rechteck bilden. Eine etwas ungewöhnliche Zahl, aber sie ist nun mal Fakt und fast schon symbolisch für die Mathildenhöhe mit ihren 23 Künstlerkolonisten und ihrem Mäzen Ernst Ludwig, der mit 23 Jahren Regent wurde. Nachgezählt: Es sind 23! weiterlesen