Schlagwort-Archive: Künstlerkolonie

Eine richtig runde Sache zum runden Geburtstag!

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Let’s Celebrate! Jubiläum: 150 Jahre Heinrich Jobst

Am Hochzeitsturm: feinste Bildhauerarbeit von Heinrich Jobst (1874 – 1943).

Der Bildhauer und Medailleur Heinrich Jobst feiert heute seinen 150. Geburtstag. Am 6. Oktober 1874 wurde er als Sohn eines Steinmetzes in einem Dorf in Nordbayern geboren. 1906 wurde er als Nachfolger von Ludwig Habich nach Darmstadt an die Künstlerkolonie berufen. Er hat sowohl für die 3. Ausstellung auf der Mathildenhöhe von 1908 als auch für die letzte von 1914 bedeutende Beiträge geleistet. Sein bekanntestes und sichtbarstes Werk ist das großformatige Relief über dem Eingang des Hochzeitsturms, dem Wahrzeichen der Stadt Darmstadt. Im Rosenhof, der sich früher in der Mitte der einst dreiflügeligen Anlage des Ausstellungsgebäudes befand, stand einst sein großer Löwe aus Bronze, so prächtig und mächtig wie die bekanntesten Raubtiere von Jobst: die zwei Löwen vor dem Landesmuseum in Darmstadt. Der „Schreitende Löwe“ aus dem Rosenhof ist später umgezogen und heute in Bad Nauheim zu bewundern. Denn bei der Gestaltung der Jugendstilanlage und deren berühmten „Sprudelhof“ hat Jobst ganz besondere Akzente gesetzt. Es gibt keinen besseren Ort in Deutschland, um einen Einblick in die ganze Vielseitigkeit dieses Ausnahmekünstlers zu erhalten.

Freuen Sie sich auf ein „Bad Nauheim“-Spezial von 23 Quer!

Morgen geht*s los!

Gedenkmedaille von Gewicht: Für die Generationen nach uns

Ein historischer Moment war es wahrlich, als Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz bei strahlender Abendsonne das Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe am 20. September 2024 für wiedereröffnet erklärte. Einer, der festgehalten wurde, nicht nur auf unzähligen Smartphones und mit vielen Kameras, sondern auch ganz real, physisch fassbar, anfassbar. Denn von dem Großereignis wird zukünftigen Generationen auch eine Gedenkmedaille berichten. Das hat Tradition an diesem Ort, an dem die Medaillenkunst schon immer einen ganz besonderen Ruf genoss, an dem Großherzog Ernst Ludwig einst bestimmte, dass „immer eine namhafter Vertreter der Medaillenkunst Mitglied der Künstlerkolonie sein muss.“ Die Gedenkmedaillen zu den vier historischen Ausstellungen von 1901, 1904, 1908 und 1914 sind auf der Aussichtsplattform im Hochzeitsturm ausgestellt. Von den Mitgliedern der Künstlerkolonie sind insbesondere Rudolf Bosselt, Daniel Greiner, Paul Haustein und Heinrich Jobst als Medailleure hervorzuheben.

Das jüngste Exemplar zur Ausstellungseröffnung von 2024 wurde von der Schweizer Bildhauerin und Medailleurin Maya Graber gestaltet und hat ein ordentliches Gewicht: Fast ein Pfund schwer – genau 450 Gramm – ist die 10,5 mal 10,5 Zentimeter große Gedenkmedaille. Gefertigt ist sie aus dem silbrig grau schimmernden Schwermetall Wismut, und zeigt auf der Vorderseite das sanierte Ausstellungsgebäude sowie auf der Rückseite den Architekten Joseph M. Olbrich. Sie ist in einer Auflage von 50 Stück erschienen und wird zu einem Preis von 80,- € zzgl. Versand herausgegeben. Zu bestellen ist die Gedenkmedaille im Verkaufsshop im Hochzeitsturm, im Shop des Museum Mathildenhöhe, im Info-Point von Darmstadt Marketing am Luisenplatz sowie direkt über die Münzfreunde Darmstadt.

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Welterbefest: Ganz großes und ein ganz kleines Kino

Es war ganz großes Kino, was die Stadt Darmstadt mit dem Welterbefest Mathildenhöhe auf die Beine gestellt hat. Richtig begeistert war 23 Quer aber auch von einem ganz kleinen vor dem Eingang zum Hochzeitsturm: dem „Hoetger Kino“. Ein weißer Pavillon von drei mal drei Metern, darin ein paar Stühle und ein Bildschirm. Zu sehen gab es eine Filmpremiere der besonderen Art: die „Hoetger Geheimnisse erzählt von Dr. Tino Wehner“. Ein kleines Filmjuwel, produziert vom Förderkreis Hochzeitsturm, das mit vielen Geschichten und Details zur Entstehung der Skulpturen im Platanenhain zu überraschen weiß.

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Ausgebombt!

Ludwig Habichs letzte Jahre

Von den acht Künstlervillen auf der Mathildenhöhe war das „Haus Habich“ im Herbst 1944 das einzige, das noch von seinem namensgebenden Künstler bewohnt war. Während Peter Behrens Darmstadt schon 1902 verließ, Joseph M. Olbrich im Sommer 1908 plötzlich verstarb und Hans Christiansen 1911 gemeinsam mit seiner Frau nach Wiesbaden übersiedelte, war der Bildhauer Ludwig Habich der einzige Künstler aus den Reihen der ersten Generation der Künstlerkolonie, der noch lebte und am Alexandraweg 27 seinen Wohnsitz hatte. Dort, in seiner Jugendstilvilla, wäre der 72jährige sicherlich auch noch bis zu seinem Lebensende wohnen geblieben, wenn sich in der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 sein Leben nicht auf einen Schlag dramatisch geändert hätte.

Ludwig Habich und seine Frau Sophie haben die „Brandnacht“, die vor heute genau achtzig Jahren rund neunzig Prozent der Innenstadt zerstörte und 11.000 Darmstädtern den Tod brachte, überlebt. Doch innerhalb weniger Minuten war der berühmte Bildhauer, Professor und Villenbesitzer obdach- und mittellos, auf der Flucht hinaus aus der brennenden Stadt. Noch in der Nacht flieht er um 4 Uhr nur mit dem Nachthemd bekleidet nach Traisa, wo er zunächst bei einem alleinstehenden Bekannten Zuflucht findet. Von dort schreibt er gut einen Monat später, am 10. Oktober 1944, eine Postkarte:

Peter Weyrauch, der Nachlassverwalter der Familie Habich, hat noch in den Trümmern des „Haus Habich“ persönlich gegraben und das Leben des Künstlers später wissenschaftlich aufbereitet. In seiner Biographie „Der Bildhauer Ludwig Habich“ finden sich sehr lesenswerte Passagen über das Schicksal Habichs und seiner Familie nach dem Bombardement der Mathildenhöhe. Vor allen Dingen die originalen Briefe und Schriftstücke Habichs geben eindrucksvolle Einblicke in den harten Alltag und die Gefühlswelt des ausgebombten Künstlers.

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3 Jahre UNESCO Welterbe, 125 Jahre Künstlerkolonie

Der Juli ist spätestens seit der Auszeichnung zum UNESCO Weltkulturerbe am 24. Juli 2021 ein besonderer Monat für die Mathildenhöhe Darmstadt und ihre Künstlerkolonie. Drei Jahre ist der große Tag mittlerweile her als das Ensemble aus Architektur, Gartenanlagen und Skulpturen offiziell aufgenommen wurde in die Liste der UNESCO Welterbestätten, damals die insgesamt 48. für Deutschland. Ein bedeutender Tag für die Mathildenhöhe und Darmstadt. Ein Juli war es auch als die vier ersten Künstler der Künstlerkolonie Darmstadt ihre Arbeit vor Ort begannen: Genau am 1.7.1899 fingen Hans Christiansen, Rudolph Bosselt, Patriz Huber und Paul Bürck in Darmstadt an. Zwei Monate später, im September 1899, stießen Ludwig Habich, Peter Behrens und schließlich auch der architektonische und künstlerischer Leiter, Joseph M. Olbrich, zur Gruppe. Die legendären Sieben der ersten Generation waren komplett und starteten das ambitionierte künstlerische Projekt, mit dem sie Großherzog Ernst Ludwig beauftragt hatte. 125 Jahre Künstlerkolonie – das ist definitiv in 2024 auch ein Grund zu feiern.

Aus Anlass dieses Jubiläums stellt 23 Quer sie Ihnen nochmals vor. Wer waren die kreativen Köpfe? Was für ein Gebilde war sie eigentlich genau, die „Künstlerkolonie Darmstadt auf der Mathildenhöhe?“

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Olbrichs Erfindung: Ein Flügel mit acht Ecken

Der Gestaltungwille der Künstlerkolonie Darmstadt umfasste viele Bereiche des Lebens und machte auch vor der Musik nicht halt. Insbesondere reizte der Flügel als ein Musikinstrument, das viel Fläche für ornamentalen Schmuck bietet, zur künstlerischen Bearbeitung. War ein Flügel doch integraler Bestandteil der Wohnkultur großbürgerlicher Kreise, gehörte ein repräsentatives Musikzimmer zur Ausstattung eines jeden kunstbeflissenen Hauses. Ein solches besaß selbstverständlich auch Großherzog Ernst Ludwig in seinem Neuen Palais, das sich ehemals auf dem heutigen Georg-Büchner-Platz vor dem Staatstheater befand. Dort stand ab 1906 ein ganz besonderes Tasteninstrument: der „Olbrich-Mand-Flügel“. Erstmals öffentlich vorgestellt wurde er zur ersten Ausstellung der Künstlerkolonie von 1901 auf der Mathildenhöhe.

Eigentlich ist dieser spezielle Flügeltyp gar kein richtiger Flügel, denn ihm fehlt die charakteristische Flügelform, die dem Instrument überhaupt erst seinen Namen gegeben hat. Dieser Flügel hat acht Ecken und ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Joseph Maria Olbrich mit der vielfach prämierten Klavierbaufirma Mand aus Koblenz. Für die technische Innovation und die neue achteckige Form wurde vom Hersteller sogar ein Patent angemeldet.

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Was wäre das Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe ohne seinen Rahmen, ohne die vielen bepflanzten Pergolen aus Gussbeton, die alles mit wunderbarem Grün umkränzen? Schon die ersten Grundrisszeichnungen von Joseph M. Olbrich zeigen einen Bau, der bereits 1908 von einem Raster aus unzähligen Pergolen-Quadraten komplett eingefasst ist. An einigen Stellen sind diese sogar mehrgeschossig angelegt, so dass Wein und Rosen wie Kaskaden am Gerüst aus Beton hinabranken können. Die Verschmelzung von Architektur und Natur – hier am Fuße des Ausstellungshügels ist sie nun nach langjähriger Sanierung wieder zu bewundern.

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UNESCO Welterbetag- What a Wonderful Day!

Am deutschen Welterbetag, den die UNESCO 2024 am Sonntag, den 2. Juni, feierte, war die Mathildenhöhe Darmstadt als eine von insgesamt 52 Welterbestätten des Landes mit von der Partie – und alle ihre Freunde und Förderer selbstverständlich auch!

Die Freunde der Mathildenhöhe hatten wie gewohnt viele Informationen und jede Menge Bilder zum Welterbe mitgebracht. Direkt hinter der Russischen Kapelle war eine Litfaßsäule aufgebaut mit Plakaten zu Architektur, Skulpturen und Gartenanlagen, die nochmals vor Augen führten, was die Mathildenhöhe und ihre Künstlerkolonie eigentlich so einzigartig in und für die Welt macht. Nebenan, vor dem hohen Wahrzeichen der Stadt, kredenzte der Förderkreis Hochzeitsturm neben vielen anderen Getränken mit dem „Mathilden-Sekt“ das passende Gläschen, um an diesem Feiertag kräftig anzustoßen auf den bildschönen UNESCO-Musenhügel. (Fotos obere Reihe: Nikolaus Heiss, Peter Engels und Heidi Kriegbaum; mittlere Reihe li.: Renate Charlotte Hoffmann im Gespräch; Armin Riegel, Vorsitzender vom Förderkreis Hochzeitsturm.)

Im Mittelpunkt stand an diesem Tag jedoch eindeutig das Ausstellungsgebäude, das fertig saniert in ganzer Pracht und mit hochmoderner technischer Ausstattung zu besichtigen war. Es war gut besucht, dieses dritte Welterbefest für Darmstadt: Mehr als 2.000 Besucher und Besucherinnen zählte Gabriele König, Kulturreferentin der Stadt und Leiterin des UNESCO Welterbebüros Mathildenhöhe, die sich diese Gelegenheit nicht entgehen ließen und durch das weit geöffnete Gitter des Eingangs die rund 1.000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche mit ihrem nagelneuen Hirnholzparkett aus Kiefer betraten.

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„Bonze des Humors“ – eine Lichtgestalt von Hoetger

Man muss unwillkürlich lachen, wenn man diesen dicken Bauch und den rundlichen Kerl dazu sieht: der „Bonze des Humors“ von Bernhard Hoetger. Bonze, damit bezeichnete man im asiatischen Raum früher einen buddhistischen Mönch oder Priester. Und dieser hier hat offensichtlich Humor, wie der Titel festhält, aber auch die Figur so überzeugend zeigt. Die pure Lebensfreude strahlt sie aus mit ihrem ansteckenden Lachen. Man möchte sich schon fast selbst den Bauch halten.

Zum Kugeln: Da lacht der Mönch und hält sich den Bauch (Bernhard Hoetger, 1914).

Anzuschauen ist die so heitere Arbeit in Worpswede in Niedersachsen, in einem Park mit lichten Bäumen mitten im berühmten Künstlerdorf. Der lachende Mönch ist Teil einer größeren Figurengruppe mit denen der Bildhauer Bernhard Hoetger die Licht- und Schattenseiten menschlicher Eigenschaften thematisierte. Der „Bonze des Humors“ gehört wohl selbstredend zu den Lichtseiten menschlicher Natur. Doch auch in Darmstadt können wir Hoetgers lachenden Mönch heute noch entdecken.

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Bernhard Hoetger und sein „Darmstädter Torso“

Der Bildhauer und Architekt Bernhard Hoetger wurde vor genau 150 Jahren, am 4. Mai 1874, in Dortmunder Stadtteil Hörde geboren. Wie kaum ein anderer seiner Disziplin begleitete er während seiner künstlerischen Entwicklung den Aufbruch in die Moderne: Er wurde ihr Zeuge und prägte sie selbst maßgeblich. Zeit seines Lebens experimentierte er mit den Stilen und ließ sich von vielen unterschiedlichen Kulturen inspirieren. So auch in Darmstadt, wo er für die letzte Ausstellung der Künstlerkolonie von 1914 auf der Mathildenhöhe wirkte. Dort bilden der von ihm mit über 40 Skulpturen, steinernen Pflanztrögen und Reliefwänden gestaltete Platanenhain sowie eine Reihe weiterer Kunstwerke im Außenraum zentrale Elemente des Darmstädter UNESCO Weltkulturerbes.

Mit dieser zarten Dame aus Bronze fingen die so überaus fruchtbaren Beziehungen des Bildhauers nach Darmstadt überhaupt erst an. Bernhard Hoetger fertigte sie 1909 und gab ihr ursprünglich den Titel „Jugend“. Sie war ein Auftragswerk für Großherzog Ernst Ludwig, bestellt von seinem Kabinettschef Gustav von Römheld.

Nur wenige Jahre später, 1911, wurde Hoetger vom Großherzog an die Künstlerkolonie Darmstadt berufen. Seitdem ist die Skulptur, nicht nur in Südhessen, bekannt unter ihrem zweiten Namen: der „Darmstädter Torso“.

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Hochstapelei oder mit Ot Hoffmann in die Vertikale

Das große „Baumhausfest“ feierte heute in Darmstadt den Architekten Ot Hoffmann, den sprühenden Meister des Experiments und Pionier ökologischen Bauens in seinem außergewöhnlichen Wohn- und Geschäftsgebäude, das 1972 einen Meilenstein setzte.

In Kürze folgt dazu ein Artikel auf 23 Quer.

Seien Sie gespannt auf jede Menge „Quer“-Bezüge zur Mathildenhöhe.

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Maßgeschneidert: Das passende Kleid zum Haus

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„Es war mir nie recht verständlich, warum Menschen sich mit der Gestaltung der Kleidung, ihrer zweiten Haut, so wenig abgeben, daß sie sie anderen überlassen und sich dadurch in Abhängigkeiten bringen.“ (OT HOFFMANN, 2003)

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Es grüßt der Frühling!

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Er war der wirklich vornehme Gentleman, mit einem Herzen eines ganz jungen Menschen. Die große Freude an der Kunst brachte uns zusammen, und so oft irgend Jemand Interessantes bei ihm war, ließ er es mich wissen, und dann lief ich hinüber in sein schönes, mit Kunstschätzen gefülltes Haus und blieb dort in angeregtem Gespräch zum Mittag- oder Abendessen. Obwohl die beiden Heyls ganz in der großen Tradition lebten, konnten sie mein großes Interesse für die junge Kunst begreifen, und oft haben sie auch die Künstler der Künstlerkolonie bei sich gesehen.

Grossherzog Ernst Ludwig

Die Salonlöwen von Darmstadt: Maximilian und Doris von Heyl

Wer einst etwas auf sich hielt in Darmstadt, der kam an diesen beiden nicht vorbei. Sie waren die absoluten gesellschaftlichen Größen der Residenz – und wer eine Einladung von Maximilian und Doris von Heyl erhielt, der konnte sich zu den „Who is Who“ am Woog zählen. Sie wohnten, nein, sie residierten im „Heylshof“, einem prächtigen Stadtpalais in der Weyprechtstraße. Dieses entwickelte sich ab den 1890er Jahren zu einem der bekanntesten Treffpunkte für Künstler, Literaten und die Spitzen der Darmstädter Gesellschaft. Doris von Heyl sorgte mit ihren Einladungen zu Musikveranstaltungen, Tanztees, Bällen, Konzerten und Galadiners dafür, dass sich viele Jahre lang alles, was in der Residenzstadt Rang und Namen hatte, bei ihnen ein Stelldichein gab. Besonderen Glanz verlieh den Veranstaltungen im Heylshof, dass Großherzog Ernst Ludwig und Großherzogin Eleonore, die eine persönliche Freundschaft mit Max und Doris von Heyl verband, dort häufiger zu Gast waren. Auf „Du und Du mit dem Großherzog“, so beschreibt Peter Engels, Leiter des Darmstädter Stadtarchivs“, das gutnachbarschaftliche Verhältnis zwischen Regent und Mäzen.

Zu Gast bei den von Heyls: der Darmstädter Musenhof weiterlesen

PS.: Patriz Huber – Drama bis zum letzten Sch(l)uss

In diesem Garten hinter einer prächtigen Gründerzeitvilla in Berlin-Charlottenburg lebte und arbeitete Patriz Huber in den letzten Monaten seines Lebens. Nachdem der Vertrag für das hochgelobte Talent der Darmstädter Künstlerkolonie „nach Querelen“ nicht verlängert wurde, bezog er auf diesem Gelände ein bescheidenes Gartenatelier. Auf diese Fenster wird er wohl tagtäglich geblickt haben. So auch an dem Tag, an dem er sich mit einem Revolver erschoss. Doch das Drama war mit seinem Tod am 20. September 1902 noch längst nicht zu Ende. Es fand seine Fortsetzung in einem Zug von Berlin nach Neustrelitz.

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Das Ende: Patriz Huber – voller Pläne, so enttäuscht

Als am 15. Mai 1901 die 1. Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt ihre Pforten öffnete, war Patriz Huber gerade 23 Jahre alt. Zwei äußerst arbeitsreiche Jahre lagen hinter ihm, in denen der junge Möbelgestalter und Innenarchitekt sich für eine vielversprechende Zukunft empfahl. Die Auftragsbücher waren voll, sein moderner, aber dennoch elegant-gediegener Einrichtungsstil war gefragt. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Nur ein Jahr nach dem Ende der Ausstellung im Herbst 1901 setzte er sich am 20. September 1902 in seiner Wohnung in Berlin, nach einem Besuch des Darmstädter Redakteurs Felix Commichau, einen Revolver an die rechte Schläfe und war sofort tot.

„Mysteriöser Selbstmord“ titelte das Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, die am Montag, den 22. September 1902, als erstes von diesem Vorfall am Wochenende im Stadtteil Charlottenburg Bericht erstattete. Noch am gleichen Tag folgte die Berliner Neueste Nachrichten:

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Der Anfang: Patriz Huber – so jung, so reif, so begabt

Schon früh wurde sein großes Talent von Alexander Koch entdeckt: Der Darmstädter Verleger hatte in der „Deutschen Kunst und Dekoration“ wie der „Innendekoration“, die um die Jahrhundertwende zu den führenden Magazinen rund um Fragen der Gestaltung und Inneneinrichtung zählten,kleinere Wettbewerbe ausgeschrieben, um neue kreative Köpfe zu entdecken und bekannt zu machen. Besonders vielversprechend zeigte sich dabei ein junger Künstler, der noch als Student mehrfach erfolgreich an ihnen teilnahm: Patriz Huber.

Mit nur 21 Jahren wurde er 1899 aufgrund seiner Begabung von Großherzog Ernst Ludwig als einer von sieben Künstlern an die Darmstädter Künstlerkolonie berufen. Zusammen mit dem Jüngsten der Gruppe, dem nur 20-jährigen Paul Bürck, bezog er eine kleine Einliegerwohnung im Untergeschoss des Ernst Ludwig-Hauses, dem damaligen Ateliergebäude der Künstler, und richtete die zwei Wohnungen nach eigenen Entwürfen ein. Ein Stockwerk höher besaß er, wie die anderen Künstler, ein eigenes Atelier. Seines befand sich direkt neben dem des Bildhauers Rudolf Bosselt. Hier saß man auch gelegentlich zusammen, wie eine seltene Aufnahme gemeinschaftlichen Lebens und Arbeitens von 1901 in Hubers Atelier zeigt:

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Patriz Huber: Portrait eines Ausnahmetalents

Mit 21 Jahren gehörte er 1899 zu den Jüngsten im „Club der jungen Wilden“, die Großherzog Ernst Ludwig in seine frisch gegründete Darmstädter Künstlerkolonie berief: Patriz Huber. Neben Peter Behrens sollte er zum „Shooting-Star“ der 1. Ausstellung von 1901 werden. Für die Mathildenhöhe entwarf er Schmuck und Gebrauchskunst, überzeugte besonders aber als Möbelgestalter und Innenarchitekt. Er gilt nicht wenigen als ein Künstler, der das Potential hatte, ein zweiter „Henry van de Velde“ zu werden. Doch es sollte ihm nicht vergönnt sein. Am 20. September 1902 nahm er sich mit nur 24 Jahren in Berlin das Leben.

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