Winterlandschaft mit Schnee und Schwänen

Im Winter zeigt sich einer der der schönsten Eingänge auf das Plateau der Mathildenhöhe in seiner ganzen Pracht: Dann verdeckt ihn kein Blattwerk und der Blick ist frei auf den „Keramischen Pavillon“. Seinen Namen hat er von den mattbraunen Keramikreliefs mit ausgesprochen winterharten Blüten, die insgesamt acht Doppelsäulen zieren. Unter seinem zweiten Namen ist er noch viel bekannter: „Schwanentempel“. Denn über den Säulen erhebt sich jeweils ein rechteckiges Kapitell mit einem weißen Schwanenrelief – dem Tier, das Reinheit und Schönheit symbolisiert.

Die acht Schwäne sind nicht wie meist mit gebogenem Hals von der Seite dargestellt, sondern blicken uns frontal mit geöffneten Schwanenschnäbeln an. Das hatte auch ganz praktische Gründe, über sie wird die umlaufende Regenrinne entwässert.

Entworfen wurde der Rundbau von Albin Müller – und zwar zunächst ohne die uns bekannte Keramikummantelung, die die Gail’sche Dampfziegelei aus Gießen später ausführte. Er bildete zunächst den tempelartigen Eingang in die „Hessische Landessausstellung für freie und angewandte Kunst'“ von 1908, die damals über den Platanenhain zu betreten war. Auf alten Aufnahmen kann man den zukünftigen „Schwanentempel“ sofort wieder erkennen. Für die Ausstellung von 1914 fand er dann seinen endgültigen Platz an der südlichen Flanke der Russsischen Kapelle und wurde künstlerisch weiter ausgeführt .

Majestätisch erhebt sich seitdem sein kreisrundes Kegeldach mit einem Durchmesser von 6,50 Metern über der langen Treppenanlage, über die es vom Prinz-Christians-Weg über den Alexandraweg zum Musenhügel hinauf geht. 1987 wurde er erstmals aufwändig von der Stadt Darmstadt saniert. Im Fokus der Denkmalpfleger stand zunächst die Sanierung des Dachs, die ursprüngliche Keramikdachdeckung wurde durch ein neues Kupferdach ersetzt. Im Zuge der schrittweisen Rekonstruktion der Außenanlagen der Mathildenhöhe wurde auch die ursprüngliche Wegführung zum Pavillon wieder hergestellt. Seitdem führen die Treppen des Christiansenwegs wieder wie einst direkt auf ihn zu.

In 2015 erfolgte eine weitere Sanierung, mit der erfolgreich zahllose Risse in den Keramikplatten der Säulen, an den Schwänen und in den Säulenkapitellen verschlossen wurden. Für diese startete der Verein der Freunde der Mathildenhöhe Darmstadt 2014 anläßlich des 100jährigen Jubiläums eine Sammel- und Spendenaktion. Eine großzügige Einzelspende des Stifterehepaars Dorrit und Hans Michel ermöglichte schließlich die Sanierung des Albin Müller-Baus, deren Kosten sich auf rund 50.000 Euro beliefen.

So erstrahlt der Schwanentempel heute außen wie innen wieder im alten Glanz, mit seinen wunderbaren Kuppelornamenten, dem weißen Innenfries und einer exzellenten Akustik im Mittelpunkt des Tempels: ein wahres Prachtstück, das zu jeder Jahreszeit einen Ausflug lohnt.

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Hinweis: In dieser aktualisierten Fassung (8.2.2021) finden sich gegenüber der Erstveröffentlichung (3.2.2021) weitere Informationen zur schrittweisen Sanierung des „Schwanentempels“, insbesondere zur zweiten in 2015.

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