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Alexander Koch: Ein Flügel für den Förderer

Dieser Flügel stand einst in der Annastraße 23 in Darmstadt, in der Wohnung des Verlegers und Publizisten Alexander Koch. Gestaltet wurde er von Patriz Huber, einem der jüngsten Kreativen in der Künstlerkolonie, der zwischen 1901/1902 im Alter von 23 Jahren dessen komplette Wohnung ausstattete und exquisite Jugendstilmöbel entwarf. Koch hatte den talentierten Möbelgestalter entdeckt, gefördert und in seinen führenden Publikationen zur Wohnkultur weit über Darmstadt hinaus bekannt gemacht. Neben Peter Behrens galt er als der „Shooting-Star“ der sieben Künstler aus der Gründergeneration.

Der kostbare historische Jugendstil-Flügel wird zur Zeit in der Ausstellung „4-3-2-1 Darmstadt“ im Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe präsentiert und ist noch bis zum 27. April 2025 zu bewundern. Dort kann man auch eintauchen in die Welt des Kunstkenners und Dekorationsexperten Koch, der Anfang des 20. Jahrhunderts ein Meinungsführer in Sachen guten Geschmacks sowie hochwertiger und schön gestalteter Räume war. Eine Denkschrift aus seiner Feder, ein flammender Appell, gab im Herbst 1898 den Anstoß zur Errichtung der Künstlerkolonie, die dann schnell, nur wenige Monate später 1899 gegründet wurde. Vor, während und nach der Eröffnung der 1. Ausstellung von 1901 entfachte der wirkungsmächtige Publizist in Deutschland wie im Ausland ein wahres PR-Feuerwerk.

Die Gründung der Künstlerkolonie Darmstadt vor 125 Jahren und die Rolle von Alexander Koch für die Entwicklung Darmstadts zu einem Zentrum der „Gebrauchs-Kunst“ steht im Mittelpunkt eines Vortrags der Freunde der Mathildenhöhe am 2. Dezember im Haus der Geschichte in Darmstadt.

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PS.: Patriz Huber – Drama bis zum letzten Sch(l)uss

In diesem Garten hinter einer prächtigen Gründerzeitvilla in Berlin-Charlottenburg lebte und arbeitete Patriz Huber in den letzten Monaten seines Lebens. Nachdem der Vertrag für das hochgelobte Talent der Darmstädter Künstlerkolonie „nach Querelen“ nicht verlängert wurde, bezog er auf diesem Gelände ein bescheidenes Gartenatelier. Auf diese Fenster wird er wohl tagtäglich geblickt haben. So auch an dem Tag, an dem er sich mit einem Revolver erschoss. Doch das Drama war mit seinem Tod am 20. September 1902 noch längst nicht zu Ende. Es fand seine Fortsetzung in einem Zug von Berlin nach Neustrelitz.

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Das Ende: Patriz Huber – voller Pläne, so enttäuscht

Als am 15. Mai 1901 die 1. Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt ihre Pforten öffnete, war Patriz Huber gerade 23 Jahre alt. Zwei äußerst arbeitsreiche Jahre lagen hinter ihm, in denen der junge Möbelgestalter und Innenarchitekt sich für eine vielversprechende Zukunft empfahl. Die Auftragsbücher waren voll, sein moderner, aber dennoch elegant-gediegener Einrichtungsstil war gefragt. Doch es sollte alles ganz anders kommen. Nur ein Jahr nach dem Ende der Ausstellung im Herbst 1901 setzte er sich am 20. September 1902 in seiner Wohnung in Berlin, nach einem Besuch des Darmstädter Redakteurs Felix Commichau, einen Revolver an die rechte Schläfe und war sofort tot.

„Mysteriöser Selbstmord“ titelte das Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, die am Montag, den 22. September 1902, als erstes von diesem Vorfall am Wochenende im Stadtteil Charlottenburg Bericht erstattete. Noch am gleichen Tag folgte die Berliner Neueste Nachrichten:

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Der Anfang: Patriz Huber – so jung, so reif, so begabt

Schon früh wurde sein großes Talent von Alexander Koch entdeckt: Der Darmstädter Verleger hatte in der „Deutschen Kunst und Dekoration“ wie der „Innendekoration“, die um die Jahrhundertwende zu den führenden Magazinen rund um Fragen der Gestaltung und Inneneinrichtung zählten,kleinere Wettbewerbe ausgeschrieben, um neue kreative Köpfe zu entdecken und bekannt zu machen. Besonders vielversprechend zeigte sich dabei ein junger Künstler, der noch als Student mehrfach erfolgreich an ihnen teilnahm: Patriz Huber.

Mit nur 21 Jahren wurde er 1899 aufgrund seiner Begabung von Großherzog Ernst Ludwig als einer von sieben Künstlern an die Darmstädter Künstlerkolonie berufen. Zusammen mit dem Jüngsten der Gruppe, dem nur 20-jährigen Paul Bürck, bezog er eine kleine Einliegerwohnung im Untergeschoss des Ernst Ludwig-Hauses, dem damaligen Ateliergebäude der Künstler, und richtete die zwei Wohnungen nach eigenen Entwürfen ein. Ein Stockwerk höher besaß er, wie die anderen Künstler, ein eigenes Atelier. Seines befand sich direkt neben dem des Bildhauers Rudolf Bosselt. Hier saß man auch gelegentlich zusammen, wie eine seltene Aufnahme gemeinschaftlichen Lebens und Arbeitens von 1901 in Hubers Atelier zeigt:

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Geburt einer Schönheit: Die Künstlerkolonie oder am Anfang war das Wort

Während alle Welt, zumindest die christliche, im Monat Dezember bis 24 zählt, legt 23 Quer bereits heute, einen Tag vor Heiligabend, einen Stopp ein, um ebenfalls von einer Geburt und Aufbruch zu etwas ganz Neuem zu berichten. Denn nichts anderes bedeutete die Gründung der Künstlerkolonie im Jahre 1899 in Darmstadt. Mit ihr heiligte man der Schönheit des Lebens und der Kunst. Das Ateliergebäude war ein Musentempel, der über allem thronte und den man zur Eröffnung so feierlich wie eine Kirche weihte. Ein Hauch von Göttlichem schwebte anfangs über Allem, zelebriert mit einer gehörigen Portion Pathos.

Wenn wir den Blick auf die geistigen Väter und Verkünder der Künstlerkolonie richten, dann fallen vor allen Dingen zu Beginn ganz weltliche Argumente.

„Denn was heute nicht geschieht, kann morgen schon unmöglich sein.“

(Alexander Koch)

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