Platanen für den Hofgarten der Mathilde

Eines der ersten Mitglieder im Ensemble des Gesamtkunstwerks Mathildenhöhe ist der Platanenhain. Der rechteckige lang gezogene Platz mit den markanten Bäumen steht schon viel länger dort als alle anderen Bauten um ihn herum. Schon im 19. Jahrhundert flanierten Darmstädter unter seinem Grün, denn er war Teil eines öffentlich zugänglichen Parks. Den hatte schon um 1800 der Bruder des regierenden ersten Großherzogs von Darmstadt auf diesem ehemaligen Weinhügel anlegen lassen. Als Prinz Christian 1830 starb ging der Park in den Besitz des späteren Großherzogs Ludwig III. über.

Der ehelichte im Dezember 1833 noch als Thronfolger die katholische Prinzessin Mathilde aus Bayern und machte ihr diesen Hügel am östlichen Stadtrand zum Hochzeitsgeschenk. So kam die Darmstädter Mathildenhöhe zu ihrem Namen.

Blick von der Mathildenhoehe 1830
Blick auf Darmstadt: als der Park noch nicht Mathildenhöhe hieß (1830).

Die  Hochzeit mit der Bayernprinzessin wurde in Darmstadt groß gefeiert, mit Feuerwerk und rauschenden Bällen, und als Hochzeitsgeschenk gab es von der Stadt ein Gartenhaus auf der Mathildenhöhe. Das befand sich einst dort, wo heute die Russsische Kapelle steht, die 1897 erichtet wurde. Ludwig und Mathilde bauten den Park nach ihrem Geschmack und ganz im Stil der Zeit aus, ließen Pavillons anlegen – und eben auch den Platanenhain.

Auf alten Karten sticht das langgezogene Rechteck von 40 mal 125 Metern bereits gut sichtbar hervor.

Heberer-Plan 1878 Mathildenhoehe

Auch auf dieser Aufsicht von 1878, dem Heberer-Plan, ist der Platanenhain gut zu erkennen. Ebenfalls ist das „Hochreservoir der städtischen Wasserleitung“ schon eingezeichnet. Der Hochbehälter des Wasserwerks wurde von 1877 bis 1880 für die bessere Wasserversorgung der stark anwachsenden Stadt auf der Kuppe der Mathildenhöhe errichtet. Später, 1908, überbaute Joseph Maria Olbrich das Gewölbe mit dem Ausstellungsgebäude der Künstlerkolonie.

Ein Teil des Hochreservoirs ist auch auf diesem Bildnis zu sehen, dass die Situtation auf der Mathildenhöhe Ende des 19. Jahrhunderts erfasst – bevor der alte Hofgarten der Mathilde mit seinem Platanenhain zu einem Monument der Architekturgeschichte wurde.

Mathildenhoehe historisch Ende 19 Jht
Die Kuppe der Mathildenhöhe Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Reservoir.

***


Bild- und Quellennachweise:
Bild oben: Fotografie aus Stadt Darmstadt, Kulturverwaltung und Hochbau- und Maschinenamt: Mathildenhöhe Darmstadt. 100 Jahre Planen und Bauen für die Stadtkrone 1899-1999. Band 1, Die Mathildenhöhe – ein Jahrhundertwerk, Darmstadt, 1999, 2. Auflage, 2004, S. 52
Karte Mitte / Bild unten: Fotografie aus Magistrat der Stadt Darmstadt, Denkmalschutz – Kulturamt: Die Darmstädter Mathildenhöhe. Architektur im Aufbruch zur Moderne. Zwei Spaziergänge zu den Bauten der Jahrhundertwende. Beiträge zum Denkmalschutz in Darmstadt, Heft 7, Darmstadt, 1998, 2. Auflage, 2003, S. 7 / S. 8
Historischer Verein für Hessen (Hrsg.): Stadtlexikon Darmstadt, Stuttgart 2006, Stichworte: Mathildenhöhe, Platanenhain, Ludwig III., Mathilde von Bayern

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s