„Bonze des Humors“ – eine Lichtgestalt von Hoetger

Man muss unwillkürlich lachen, wenn man diesen dicken Bauch und den rundlichen Kerl dazu sieht: der „Bonze des Humors“ von Bernhard Hoetger. Bonze, damit bezeichnete man im asiatischen Raum früher einen buddhistischen Mönch oder Priester. Und dieser hier hat offensichtlich Humor, wie der Titel festhält, aber auch die Figur so überzeugend zeigt. Die pure Lebensfreude strahlt sie aus mit ihrem ansteckenden Lachen. Man möchte sich schon fast selbst den Bauch halten.

Zum Kugeln: Da lacht der Mönch und hält sich den Bauch (Bernhard Hoetger, 1914).

Anzuschauen ist die so heitere Arbeit in Worpswede in Niedersachsen, in einem Park mit lichten Bäumen mitten im berühmten Künstlerdorf. Der lachende Mönch ist Teil einer größeren Figurengruppe mit denen der Bildhauer Bernhard Hoetger die Licht- und Schattenseiten menschlicher Eigenschaften thematisierte. Der „Bonze des Humors“ gehört wohl selbstredend zu den Lichtseiten menschlicher Natur. Doch auch in Darmstadt können wir Hoetgers lachenden Mönch heute noch entdecken.

Nicht als große Figur aus Gussstein, sondern als kleine Keramik, eine so genannte Majolika. Eine Technik, die es im Gegensatz zu Marmor oder Bronze erlaubte, Farbe in die Raumkunst zu bringen. Ganz in strahlendem Weiß und Blau präsentiert er sich und seinen Bauch in einer Vitrine im Museum Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe Darmstadt. An seiner „Lichtseite“ befinden sich ganz links die Figur „Liebe“ und daneben die „Wahrheit“. Und unser kleiner Buddha als dritte Figur im Bunde trägt hier einen ganz anderen Namen: „Licht“. In der Mitte ist die zentrale Figur des insgesamt siebenköpfigen Arrangements zu erkennen: „Victory“ – der Sieg. Neben ihr befinden sich die dunkleren Charakterzüge des Menschen: der „Schatten“, der „Geiz“ und schließlich ganz rechts die „Wut“.

Den Zyklus „Licht- und Schattenseiten“ hat Hoetger bereits 1911/12 entworfen. Die Serie bestand ursprünglich aus 15 Majoliken: aus sieben Lichtfiguren (Licht, Liebe, Wahrheit, Milde, Güte, Glaube und Hoffnung) sowie sieben den Schattenseiten zugeordneten Figuren (Habgier, Wut, Hass, Schatten, Geiz, Rache und Hinterlist). Diese standen sich in zwei Reihen gegenüber, an dessen Kopf sich die Hauptfigur „Sieg“ befand. Diese Installation und das Konzept eines die Figuren zueinander in Bezug setzenden Leitthemas gelten als wegweisend und Vorläufer für die spätere Ausgestaltung des Platanenhains. Die komplette Serie der 15 Figuren wurde 1912 in Köln auf der Sonderbund-Ausstellung gezeigt wie auf der 4. Ausstellung der Künstlerkolonie 1914 auf der Mathildenhöhe.

Einige der kleinen Majoliken kamen zudem zur Ausstellung noch ganz groß raus: „Hass“ und „Geiz“ sowie „Rache“ und „Wut“. Diese vier stehen als monumentale Bildhauerarbeiten aus Steinguss bis heute im Außengelände der Mathildenhöhe. Nur Schattenseiten. Warum, das kann bisher keiner so genau erklären. Worpswede erhielt auch einmal die „Wut“ in groß, aber mit dem lachenden Buddha von 1914 immerhin auch eine Lichtgestalt.

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Bildnachweis: Fotos von Petra Wochnik (Worpswede, Darmstadt Museum Künstlerkolonie)

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