Archiv für den Monat März 2021

Skulptur vom Ende und Anfang: Mutter und Kind

Das ewige Vergehen und Entstehen von Leben versinnbildlicht wohl kaum eine Figur schmerzlicher und eindrücklicher als die einer sterbenden Mutter mit ihrem soeben geborenen Kind. Vor allen Dingen, wenn das Bild auch noch einen wahren Kern besitzt wie auf der Mathildenhöhe. Mutter und Kind der Großplastik im Platanenhain stellen die Künstlerin Paula Modersohn-Becker dar, die 1907 mit gerade 31 Jahren kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes starb. Sie war eine enge Freundin des Bildhauers Bernhard Hoetger aus seinen Pariser Zeiten. Durch sie wurde er mit der Künstlerkolonie Worpswede bekannt. Die Skulptur der sterbenden Mutter mit Kind hat Hoetger dort auch für ihr Grabmal gestaltet. Während sie in seinem späteren Wohnort an eine Tote erinnerte, feierte er mit ihr in Darmstadt zur Künstlerkolonie-Ausstellung von 1914 das Leben.

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Die TET-Stadt: Hoetgers ägyptisch inspirierte Monumental-Utopie

Für ein Kuriosum in der Architekturgeschichte sorgte Künstlerkolonist Bernhard Hoetger nur wenige Jahre nach seiner Zeit auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Dem Keksfabrikanten Hermann Bahlsen entwarf er mitten im Ersten Weltkrieg ein monumentales Stadtviertel für Hannover, das mit dem Bauelementen aus dem Land der Pharaonen spielte, geweiht der einzigartigen Göttin des TET, dem Markenzeichen der Firma.

TET steht für eine ägyptische Hieroglyphe, die sich aus den drei Zeichen für Kobra, Brotlaib und Erde zusammensetzt und „ewig dauernd“ bedeutet. Diese Kartusche hatte sich die Firma Bahlsen 1903 als trendiges Markenzeichen für ihr ausgesprochen haltbares Buttergebäck eintragen lassen, das anfangs noch „Leibniz Cakes“ hieß. Später wurde es in das lautsprachlich gleiche „Leibniz Keks“ umgewandelt, und verhalf damit einer ganzen Backwarengattung zu ihrem deutschen Namen. Die ägyptische Kartusche mit dem TET ziert bis heute die Butterkekse von Bahlsen und auch das Firmenlogo.

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Ägyptomania auf dem Platanenhain oder Echnaton lässt grüßen

Ägyptisches war wieder schwer in Mode als sich Bernhard Hoetger um 1912 an die Gestaltung des Platanenhains auf der Mathildenhöhe machte. Vom Ägyptischen Hocker, den man bei Ausgrabungen gefunden hatte, waren die Möbeldesigner der Zeit sehr angetan und adaptierten den historischen Entwurf für ihre eigenen Stühle. Juweliere ließen sich für ihre Kollektionen vom farbenfrohen ägyptischen Schmuck inspirieren, und mit ägyptischen Ausdruckstänzen, die die Posen auf den Reliefs der alten Ägypter imitierten, unterhielt man das zeitgenössische Publikum. Schauriges von Mumien beschäftigte die Öffentlichkeit, und die Entdeckung Nofretetes im Dezember 1912 sorgte weithin für Aufsehen.

Für seinen Themenpark zum ewigen Kreislauf des Lebens bediente sich Hoetger bei vielen Kulturen und Zeiten, und natürlich durften auch die Pharaonen vom Nil hier nicht fehlen. Insbesondere Echnaton, der zu dieser Zeit in Europa wiederentdeckt wurde und dessen Tontafelarchiv komplett übersetzt war, hatte es ihm angetan.

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